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Es muss nicht Schokolade sein

Adventskalender für Erwachsene boomen: Das sind die beliebtesten Geschenke hinter den Türchen

24 Türchen voller Schokolade, Pralinen und anderer Süßigkeiten: Am berüchtigten Weihnachtsspeck hat so manche Adventskalender, die in diesen Tagen über die Ladentheke geht, seinen Anteil. Doch müssen Adventskalender immer die Dickmacher aus dem Supermarkt sein?

Besondere Aufmerksamkeit: Paare können sich in der Weihnachtszeit mit einem gemeinsamen Adventskalender überraschen. Foto: Christin Klose picture alliance/dpa

Amelie Klefenz widerspricht: „Ein selbstgebastelter Kalender ist doch viel persönlicher – und oft gesünder.“ Die Waghäuselerin steht zwischen den Regalen einer großen Supermarktkette vor einer Wand roter und lilafarbener Schokoladenweihnachtsmänner. Denn ganz ohne die ein oder andere Süßigkeit kommt auch der Kalender der überzeugten Selbstbastlerin nicht aus.

Die 26-Jährige gestaltet die 24 Überraschungen wie schon in den Vorjahren gemeinsam mit und für ihren Freund: „Wir spannen eine Wäscheleine in der Küche, an die jeder zwölf Socken gefüllt mit kleinen Geschenken für den anderen befestigt.“ Für diese ungewöhnliche Adventskalenderidee hat sie bereits einige schräge Blicke kassiert. Warum sie ihre Strümpfe in der Küche trockne, habe sie ihre Mutter gefragt, als sie zum ersten Mal in der Weihnachtszeit zu Besuch war.

Doch mit ihrer Leidenschaft für den unkonventionellen Kalender ist Amelie Klefenz nicht allein. Das Geschäft mit den 24 Türchen boomt – allein im Jahr 2018 konnten Branchenangaben zufolge im Einzelhandel rund 98 Millionen Euro mit dem Verkauf von Adventskalendern umgesetzt werden.

Bei Adventskalendern werden Stereotype sichtbar

Die beliebteste Variante ist dabei die klassische Schokoladenfüllung. Doch auch personalisierte Adventskalender sind mehr und mehr im Kommen: So gaben in einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov über ein Viertel aller Frauen an, sich am meisten über selbstausgewählte, kleine Geschenke hinter den Türchen zu freuen.

Auffallend ist die Diskrepanz der Geschlechter: Unter Männern fällt der Anteil derer, die sich über den selbstgestalteten Kalender freuen, mit 14 Prozent deutlich niedriger aus. Beim männlichen Geschlecht sind dafür Werkzeuge und Erotikartikel in der Adventszeit auffallend beliebt.

„Mich wundert das nicht. Im Gegenteil: Warum sollten ausgerechnet bei der Wahl des Adventskalenders keine Stereotypen deutlich werden?“, sagt Tina Schmidt, die in Karlsruhe Paare bei Beziehungsproblemen berät und die unterschiedlichen Erwartungen von Männern und Frauen an die Vorweihnachtszeit gut kennt.

Normalerweise seien Adventskalender zwar kein Thema einer Paartherapie, doch „gerade für junge Beziehungen ist die Weihnachtszeit oft eine Belastungsprobe – in dieser nervenaufreibenden Corona-Zeit besonders“. Ein gut gemachter Adventskalender – egal ob selbst gebastelt oder fertig gekauft – sei eine schöne Möglichkeit, einander die Wertschätzung zu zeigen – und das 24 Tage lang, findet die Paartherapeutin.

Auch, wenn Adventskalender also womöglich eine schlichtende Wirkung in manche Beziehung bringen – die größte Freude an den 24 Türchen haben die Kleinen: Jeder zweite Kalender wird an Kinder verschenkt. Für ihren 13-jährigen Cousin benötigt Amelie Klefenz auch noch ein vorweihnachtliches Geschenk. Nach kurzer Überlegung greift sie dann doch zum klassischen Kalender mit Schokoladenfüllung.

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