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Pressen-Produzent gibt Traditionsstandort auf

Aus für Schuler in Waghäusel: 230 Mitarbeiter betroffen

Das Aus kommt nach rund 75 Jahren: Schuler Pressen gibt seinen Standort in Waghäusel auf und will das Hydraulik-Geschäft nach Gemmingen verlegen. 230 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen.

Schuler Waghäusel Foto: Martin Heintzen

Trauriges Ende einer Ära: Der Standort von Schuler Pressen in Waghäusel ist bald Geschichte. 230 Mitarbeiter sind von der Umstrukturierung betroffen.

Noch im Sommer 2019 hatte eine „kleine zweistellige Zahl von Mitarbeitern“ den Job verloren, die Niederlassung bleibe jedoch erhalten, hatte es damals geheißen. Jetzt steht doch der komplette Standort vor dem Aus.

Wechsel an Standort Gemmingen

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, möchte Schuler sein Hydraulik-Geschäft in Gemmingen konzentrieren. 130 Mitarbeitern aus Waghäusel sei ein Wechsel zum rund 50 Kilometer entfernten Standort im Landkreis Heilbronn angeboten worden.

Die 100 übrigen Mitarbeiter, vor allem aus der Verwaltung, können in eine Transfergesellschaft wechseln. Bis spätestens 2022 wird der Schuler-Standort in Waghäusel dann wohl Geschichte sein.

Bereits vor einigen Wochen haben die Einzelgespräche mit den Mitarbeitern begonnen, teilt ein Unternehmenssprecher mit. In Gemmingen sind aktuell rund 260 Mitarbeiter beschäftigt. Da dort schon eine Verwaltung besteht, gibt es für 100 Mitarbeiter aus Waghäusel keine Zukunft mehr bei Schuler.

Schon vor fünf Jahren erlebte der Standort in Waghäusel unruhige Zeiten. Damals wurde die Produktion geschlossen und damit das „Kompetenzzentrum hydraulische Pressen“ zerschlagen. Rund 130 Arbeitsplätze fielen weg, auch Auszubildende waren betroffen. Die Unternehmensleitung hatte argumentiert, dass ein Erhalt der Produktion für ein solches Kompetenzzentrum nicht notwendig sei und Waghäusel zum Ingenieur-Standort werde.

Heute heißt es dagegen, dass man in Gemmingen „durch die Kombination von Pressen, Hydraulik, Automation, Service und einer eigenen Fertigung die Kundenbedürfnisse optimal“ gerecht werden könne. Zudem gelinge es die „Kernkompetenzen und einen wesentlichen Teil der Arbeitsplätze in diesem Konzernbereich“ zu erhalten. Der Umzug von Waghäusel nach Gemmingen soll im zweiten Quartal 2021 erfolgen.

Schon vor fünf Jahren harter Arbeitskampf

Die Beschäftigten hatten vor fünf Jahren in einem langen und harten Arbeitskampf um den Fortbestand der Produktion gekämpft; große Solidarität erfuhren sie dabei von Parteien, Interessenvertretern und aus der Bevölkerung. Die Unternehmensleitung sprach damals eine fünfjährige Standortgarantie aus. Belegschaft und Betriebsrat befürchteten dennoch den Anfang vom Ende, sie sollten recht behalten.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Göppingen befindet sich seit mehreren Jahren im Umbruch. So hatte Schuler im Sommer 2019 angekündigt, 500 Stellen deutschlandweit abzubauen. Die geplante Schließung des Waghäuseler Standorts wird jetzt mit dem weltweiten Strukturumbruch in der Automobilindustrie und der Metallverarbeitung sowie dem seit Jahren wachsenden Kostendruck durch Anbieter aus Südostasien begründet.

Von diesem Vorzeigebetrieb ist nichts mehr übrig.
Walter Heiler, Oberbürgermeister von Waghäusel

Schuler Pressen, bis heute als SMG bekannt, galt in Waghäusel und der Region als Vorzeigebetrieb. „Eltern waren froh, wenn dort ihre Kinder eine Ausbildung bekamen. Von diesem Vorzeigebetrieb ist nichts mehr übrig“, sagt Waghäusels Oberbürgermeister Walter Heiler. „Es ist mehr als traurig, was jetzt passiert. Eine regionale Verbindung scheint nicht mehr zu bestehen, es interessieren nicht mehr die Menschen, sondern nur noch Zahlen.“ Er ist wütend über das Vorgehen der Unternehmensleitung. Er habe nur über Dritte erfahren, dass der Standort aufgegeben werden soll. „Das ist kein normaler Umgang, aber offensichtlich hat ihnen der Mumm gefehlt anzurufen.“

Trotz all seiner Wut sieht Heiler dennoch einen Lichtblick für Waghäusel. Seit Jahresbeginn hat die Firma Pfaudler ihren Firmensitz auf dem Gelände von Schuler Pressen. 220 Mitarbeiter sind inzwischen dort beschäftigt, gestartet war man mit 200. „Dort gibt es einen Aufwärtstrend“, beobachtet der OB und ist froh, dass das Gebäude weiter genutzt werden wird. Schuler Pressen wird jedoch nach rund 75 Jahren in Waghäusel bald Geschichte sein.

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