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Wochen der Vielfalt

Autor im Rollstuhl macht in Waghäusel gehandicapten Menschen Mut

Im Rollstuhl die Welt erobern will Autor Florian Sitzmann. In Waghäusel hat er aus seinem Buch gelesen.

Im Rahmen der „Wochen der Vielfalt“ der Stadt Waghäusel war Florian Sitzmann zur Lesung ins vollbesetzte Rathaus-Atrium gekommen. Links: Sänger und Songschreiber Jörg Schreiner. 
Im Rahmen der „Wochen der Vielfalt“ der Stadt Waghäusel war Florian Sitzmann zur Lesung ins vollbesetzte Rathaus-Atrium gekommen. Links: Sänger und Songschreiber Jörg Schreiner.  Foto: Kurt Klumpp

Florian Sitzmann ist kein Träumer. Und dennoch hängt er einem Gedanken nach: „Vielleicht können später meine noch nicht geborene Enkel einmal voller Stolz sagen, mein Opa hat im Rollstuhl die Welt erobert.“

Der 47-Jährige wurde in Frankfurt geboren und hat sieben Tage vor seinem 16. Geburtstag bei einem schweren Motorradunfall beide Beine verloren. Heute bezeichnet er den Unfall als „zweite Chance, um das ganz Große anzupacken“.

Im Rahmen der von der Stadt Waghäusel durchgeführten „Wochen der Vielfalt“ war Florian Sitzmann zu einer Lesung ins vollbesetzte Rathaus-Atrium gekommen. An seiner Seite sein Freund, Sänger und Songschreiber Jörg Schreiner.

Florian Sitzmann ist ein Mutmacher für alle gehandicapten Menschen. Nach dem Unfall verbrachte er rund zwei Jahre in Krankenhäusern, musste sich 50 Operationen unterziehen und weitere zwei Jahre Reha-Maßnahmen in Anspruch nehmen. „Meine bisher schlimmste Zeit“, blickte der dreifache Familienvater und Buchautor zurück.

Er schilderte das Ende jener schicksalshaften Motorradfahrt als Sozius auf dem Bike seines Freundes Stefan, wobei ihnen auf der Ausfahrt einer Autobahn-Raststätte ein Lkw in die Quere kam. „Von da an war alles anders“, sagte er und ergänzt lächelnd: „Vorher war ich über zwei Meter groß, danach nur noch die Hälfe“.

Ich möchte der Welt zeigen, dass es auch anders geht.
Florian Sitzmann
Autor

Die Geschichten aus seinem Buch „Der halbe Mann“ waren gespickt mit Frohsinn und Wortwitz, geizten nicht mit Lebensweisheiten und Zuversicht, gaben Hoffnung und machten trotzdem nachdenklich. „Bei meinen Vorträgen und Lesungen möchte ich der Welt zeigen, dass es auch anders geht“, sagte Florian Sitzmann vor hundert aufmerksamen Zuhörern in Waghäusel.

Florian Sitzmanns Handbike-Rekord gilt bis heute

Seinen Rollstuhl nennt er „meine maßgeschneiderten Beine“, die ihn zu Beginn der 2000er Jahre zu einem der weltweit erfolgreichsten Handbiker machten. Ungebrochen ist bis heute sein 2006 aufgestellter Handbike-Rekord über 560 Kilometer, die er nonstop in 30 Stunden und 30 Minuten gemeistert hatte.

Doch darüber sprach der selbstbewusste, sprachgewandte und dennoch bescheiden gebliebene Florian Sitzmann am vergangenen Freitagabend nicht. Vielmehr über seine Erlebnisse in einem Autokino oder über einen Vortrag in seiner früheren Reha-Klinik in der Nähe von Heidelberg. Dorthin wurde er später als „ehemaliger Insasse“ eingeladen, wobei er vor allem auch die Missstände ansprach.

Autor thematisiert mangelhaften Mobiliätsservice der Bahn

Seine Erfahrungen über den mangelhaften Mobilitätsservice der Deutschen Bahn thematisierte er ebenso wie seine persönliche Freundschaft zu Howard Carpendale, die beim „Kölner Treff“ mit Bettina Böttinger begann. Bei einem Konzert des Schlagersängers in der Mannheimer SAP Arena lernte Florian Sitzmann auch seine heutige Ehefrau kennen.

Seine Kraft schöpfte er aus seiner Familie. „Sie standen immer hinter mir“. Vor allem auch sein Opa Helmut, der ihm zum großen Vorbild wurde und mit dem er Hoffnungen an eigene Enkel verbindet.

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