Skip to main content

Viele Geschäfte sind verschwunden

Der Dorfladen „Brezelschmiede“ hält in Waghäusel die Stellung

Er ist der letzte seiner Art in Waghäusel: Im Dorfladen „Brezelschmiede“ in Waghäusel wird noch selbst gebacken und es gibt dort Biowaren im Vollsortiment. In näherer Umgebung haben bereits viele Geschäfte geschlossen. Doch die Besitzer der „Brezelschmiede“ haben es auch nicht einfach.

Ein Zwei-Personen-Betrieb: „Brezelschmiede“-Inhaberin Rosemarie Niegl mit Betriebsleiter Martin Lunks. Foto: Werner Schmidhuber

In den vergangenen Jahren sind im Stadtteil Waghäusel viele Einrichtungen und Läden von der Bildfläche verschwunden. Übrig geblieben ist die Bio-Bäckerei „Brezelschmiede“ in der Feldbergstraße – damit der letzte Dorfladen, in dem auch noch selbst gebacken wird. Das Besondere dabei: In der ganzen Umgebung ist er der Einzige, der Biowaren im Vollsortiment anbietet.

Weg sind etwa die Apotheke, die Volksbank-Bankstelle, die Sparkasse, die Post, der „Haltepunkt“ mit Wirtschaft und Metzgerei, der Rewe, das Cafe. Haben sich die Alt-Waghäuseler damit abgefunden? Die einzige Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel, ein Zwei-Personen-Betrieb, hält sich geradeso über Wasser. „Wir kommen zurecht, aber reich können wir nicht werden“, ist zu hören.

Im Angebot stehen Kuchen, Desserts oder auch Wurst und Käse

Klein aber fein, finden die Kunden und hoffen auf den Erhalt. Gelobt werden die „lupenreinen Biowaren“, von Kuchen über Desserts, von der Wurst bis zum Käse. „Backwaren in höchster Bio-Qualität, mit Liebe gebacken. Was anderes kommt bei uns nicht mehr in die Tüte“, lobt ein Kunde die Bäckerei.

„Alles schmeckt sehr lecker.“ Gerne kommen die Biofans auch wegen Rosemarie Niegl hinter der Theke. Betriebsleiter ist Martin Lunks. An der Wand hängen seine Meisterbriefe als Bäcker und als Konditor.

Seit 2018 gibt es die „Brezelschmiede“

Seit März 2018 betreibt das Paar die „Brezelschmiede“. Dort gibt es nicht nur eine große Auswahl an Backwaren, sondern auch einen Kaffee von einer Rösterei mit südamerikanischen Spezialitäten. Durch Zufall landeten die zwei Brezelschmiede in Waghäusel. In der neuen Heimat verwenden die Betreiber keinerlei Zusatzstoffe, alles ist „Bio pur“.

Über 50 neue Brotsorten haben sie in jüngster Zeit entwickelt. Weggeworfen wird am Ende des Tages nichts. Was übrig bleibt, geht komplett an die Tafel der Caritas.

„Allein mit Waghäusel könnten wir nicht überleben. Die Mehrheit unserer Kunden kommt von außerhalb. Bei uns kaufen vorwiegend jüngere Leute, die sich als Bioliebhaber bezeichnen.“ Dazu gehört Karin Vogelbacher.

Kundenstamm lobt familiäres Ambiente

Die Psychotherapeutin schwärmt: „Es ist das einzige Biogeschäft in der Nähe, alles andere ist weit weg. Als Biofan mag ich das Brot und die tollen Biobrötchen. Die haben einen ganz anderen Geschmack als die industriell gefertigten.“ Gelobt wird vom Kundenstamm das familiäre Ambiente, die netten Gespräche im Laden, die Gelegenheiten zu einem Kaffee auf der Couch.

Den Ideenreichtum des Bäckers rühmt Lehrer Mathias Misch aus Oberhausen: „Ich bin fasziniert von dieser Hingabe. Der gute Mann geht vollkommen in seinem Beruf auf.“ Auch andere Kunden loben das Handwerk: „Man merkt an den Backwaren, dass hier noch selbst gebacken wird. Ich komme öfters von Kirrlach gefahren.“

Namenlos will ein Waghäuseler bleiben, der sich aufregt, dass der Stadtteil „immer weiter ausstirbt“. Weil es billiger ist, fährt er mit dem Auto zu einem Discounter nach Philippsburg und kauft dort seine Brötchen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang