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Motiv bleibt weiter unklar

Die Angeklagten der Gleisattacke von Waghäusel schweigen vor Gericht

Sie sollen im vergangenen Juni einen 54-Jährigen am Bahnhof Waghäusel ins Gleisbett geworfen haben. Der Mann überlebte knapp. Die beiden Angreifer müssen sich in einem spektakulären Verfahren vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten.

Schwieriges Verfahren: Die beiden Angeklagten schweigen vor Gericht. Sie sollen im Juni 2020 einen 54-Jährigen vor einen Güterzug geschubst haben. Foto: Armin Herberger

Die Videoaufnahme war beeindruckend, obwohl alltäglich: Ein Güterzug fährt mit fast 90 Stundenkilometern durch den Bahnhof in Waghäusel. Die Kriminalpolizei hat diese Aufnahmen an der Stelle gemacht, an der im vergangenen Sommer ein Mann ins Gleisbett gestoßen wurde, als sich ein solcher Zug näherte.

Mit der Vorführung des Videos begann der zweite Prozesstag im Karlsruher Landgericht, vor dem sich zwei Brüder im Alter von 26 und 23 Jahren verantworten müssen.

Ihnen wird vorgeworfen, an einem Tag im Juni vergangenen Jahres einen 54-Jährigen aus heiterem Himmel angegriffen und ins Gleisbett gestoßen zu haben.

Da sie in der Verhandlung noch immer keine Aussage zum Hergang machten, lag der Fokus der Beweisaufnahme bei den Polizisten, die die Angeklagten sowie Zeugen vernommen hatten sowie auf jenen, die den Tatort untersucht hatten.

Polizisten stellen Tat am Bahnhof nach und filmen alle Details

Eine weitere Videoaufnahme zeigte eine baugleiche Lok, die auf dem Gleis anhält: Mit dem Metermaß werden kaum 20 Zentimeter Abstand zwischen Gleiskante und Lok abgemessen. Eine Kriminaltechnikerin mit zierlichem Körperbau hat sichtlich Mühe, sich an die Betonwand zu pressen, ohne den Zug zu berühren.

Man ahnt, wie viel Glück das Opfer hatte. Sowohl auf der Basecap als auch auf den Socken des Geschädigten konnte das Labor DNS der Verdächtigen feststellen.

Eine Spurenübertragung ist allerdings nicht auszuschließen, da nur einer der Brüder handgreiflich geworden sein soll, soweit es eine Gruppe Jugendlicher vom Nachbargleis erkennen konnte. Die Überwachungskamera einer angrenzenden Firma brachte die Polizei bald auf die Spur der Tatverdächtigen.

Labor findet DNS-Spuren vom Täter an der Kleidung des Opfers

Immer noch ungeklärt ist das Motiv: Opfer und Täter kannten sich nicht, auch für einen Raubversuch gibt es keine Anhaltspunkte. Aus dem Umfeld der syrischen Brüder wurde der ältere als der motiviertere beschrieben, der eifrig deutsch lernte und Arbeit suchte.

Er habe sich auch um seinen jüngeren Bruder gekümmert, der psychische Auffälligkeiten gezeigt habe. Bei der polizeilichen Vernehmung habe der ältere jedoch überhaupt nichts gesagt, der jüngere ließ sich laut den Protokollen mehrfach Fragen wiederholen vor seinen dürren Antworten.

Sind die Angeklagten Cannabis-süchtig?

Dieses Verhalten war den Ermittlern schon bei IS-Anhängern begegnet, hieß es in der Verhandlung, allerdings konnte nach Anfragen bei den entsprechenden Ämtern kein Bezug hergestellt werden. Bekannte sprachen davon, dass beide ihre Handys zerstört hätten, um nicht vom Geheimdienst überwacht zu werden. Über den Cannabis-Konsum der beiden wurde ein Zeuge zitiert, sie hätten „gefühlt nichts anderes gemacht“.

Am Nachmittag des Prozesstags war noch der Bericht einer Psychologin vorgesehen, zu dem die Verteidiger der Angeklagten jedoch beantragt hatten, die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

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