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Ergebnis aus Philippsburg noch offen

Erdwärme in Waghäusel möglich: Jetzt beginnt die Standort-Suche für Geothermie-Anlage

Mit Tausenden kleinen Mikros hat man in die Erde unter Waghäusel gehorcht. Jetzt steht fest: Tief unter Waghäusel gibt es geeignete Reservoirs mit heißem Thermalwasser, aus denen man geothermische Energie „zapfen“ könnte. Nun fehlt nur noch ein Standort für ein oder mehrere Kraftwerke.  Für Philippsburg gibt es noch keine Ergebnisse.

Geplante Anlage: In Graben-Neudorf ist man bereits einen Schritt weiter. Hier eine Planskizze des vorgesehenen Geothermie-Kraftwerks. Augenfälligstes Merkmal ist eine Luftkühleranlage von etwa 190 Metern Länge entlang der dortigen Bahnstrecke. Foto: SCG Architekten-München

Die Karlsruher Firma Deutsche Erdwärme hat ihre Messungen ausgewertet, und das ist das Ergebnis: Erdwärme in Waghäusel ist möglich. Die dreidimensionalen Messungen haben vor knapp einem Jahr stattgefunden. In mehreren Kilometern Tiefe gibt es heißes Wasser in einer porösen Gesteinsschicht. Und dieses Wasser könnte schon bald für eine Geothermie-Anlage an die Oberfläche gepumpt werden.

Wir sehen die Möglichkeit, hier in Waghäusel Anlagen auf die Beine stellen zu können.
Ron Zippelius, Deutsche Erdwärme

Auf BNN-Anfrage bestätigt der Pressesprecher Ron Zippelius, dass die Ergebnisse nun vorliegen, die 3D-Seismik ausgewertet ist. „Wir sehen die Möglichkeit, hier in Waghäusel Anlagen auf die Beine stellen zu können.“ Mit tausenden kleinen Erdmikrofonen und schweren Rüttelmaschinen hatte man Signale in den Boden gesendet und nach einem Echo gelauscht. (Die BNN berichteten.)

Große Reservoirs gefunden

Gesucht wurde nicht nur nach heißem Wasser in gut drei Kilometern Tiefe. Davon konnte man im Oberrheingraben ausgehen. Sondern auch nach geeigneten Bruchzonen, die die Förderung des Wassers an die Erdoberfläche erst ermöglichen. Diese Reservoirs sind im Buntsandstein unterhalb Waghäusels vorhanden. „Wir erwarten hier eine hohe Durchlässigkeit.“

Keine Aussage allerdings konnte Zippelius über die mögliche Fördermenge und damit die Leistung einer Geothermie-Anlage auf Waghäuseler Gemarkung treffen. Dazu muss erst gebohrt werden.

Die Chancen für die Verwirklichung einer Geothermie-Anlage in Waghäusel stehen also nicht schlecht, jetzt fehlt nur noch ein Standort für die oberirdische Anlage. Dort kommen die Leitungen aus der Tiefe an, die das bis zu 160 Grad heiße Wasser per Pumpe nach oben bringen. Oben angekommen wird dem Wasser die Wärme entzogen und mittels Turbinen in elektrischen Strom umgewandelt.

Noch effektiver wäre die Nutzung des heißen Wassers für ein Nahwärmenetz. So oder so: Am Ende wird das abgekühlte Wasser über eine zweite Leitung zurück in das selbe Reservoir in den Untergrund gepumpt. Für die oberirdische Anlage benötigt man ein etwa 1,5 Hektar großes Gelände.

Ich appelliere an alle, da objektiv ranzugehen und andere Meinungen zu akzeptieren.
Walter Heiler, Oberbürgermeister von Waghäusel

Um dieses zu finden, sei man jetzt mit Waghäusels Oberbürgermeister Walter Heiler und den Fraktionen des Gemeinderats im Gespräch, erklärt der Sprecher der Deutschen Erdwärme. „Verschiedene Plätze wären geeignet“, erklärt OB Heiler. Unter anderem einer im Stadt- und einer im Staatswald. „Aber eine Anlage im Wald kommt nicht in Frage“, stellt er klar. „Das wäre nicht vermittelbar.“ Andere Standorte seien hingegen eher denkbar.

Der bereits vor Jahren vom Gemeinderat ausgewiesene Platz für eine Geothermie-Anlage in Wiesental eigne sich laut Heiler aber nicht. Er habe darauf gedrängt, dass die Fraktionen vorab umfangreich informiert werden, und er setzt auch auf eine Bürgerinfo. Heiler selbst ist dem Thema gegenüber aufgeschlossen: „Wenn ich für die Energiewende bin, dann kann ich bei solch einem Thema nicht von vornherein sagen, geht nicht. Ich appelliere an alle, da objektiv ranzugehen und andere Meinungen zu akzeptieren.“

Bürgerinfo hängt von Corona-Entwicklung ab

Bis Ende des Monats laufen die Gespräche, im November könnte es dann eine Bürgerinfo geben. „Ob das vor Ort passiert oder eher virtuell in einem sogenannten Webinar oder einer Videokonferenz, hängt an den Corona-Entwicklungen“, erklärt Zippelius. Bis zum Frühjahr, so hofft man, sei die Entscheidung für einen Standort gefallen. Danach folgten weitere Gutachten, etwa zu Umweltschutz-Fragen oder zum Schutz vor Erdbeben.

Schweres Gerät: Mit diesen Rüttlern hat man vor gut einem Jahr die Gegend um Waghäusel und Philippsburg erkundet. Tausende kleine Mikrofone in der Erde haben Schallwellen nach unten geschickt und ihr Echo aufgefangen. Foto: Deutsche Erdwärme

Aus Philippsburg, wo vergangenes Jahr ebenfalls die Mikrofone horchten, gibt es keine Neuigkeiten. Noch ist nicht ausgewertet, ob der Untergrund ähnlich gut geeignet ist, wie der von Waghäusel. „Die Reservoir-Studie läuft noch“, erklärt die Deutsche Erdwärme. Sie klärt ab, wohin man oberirdisch die Zielbohrung ansetzt. In Graben-Neudorf hingegen ist man schon einige Schritte weiter. Hier gibt es in der Ernst-Blickle-Straße bereits ein Grundstück für ein Kraftwerk. Im Frühjahr 2021 wolle man einen Bohrplatz einrichten, für Ende 2023 ist die Inbetriebnahme der Anlage anvisiert.

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