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Abriss in den kommenden Tagen

In Waghäusel verschwinden die Silos des Südzucker-Werks – was sagen die Menschen dazu?

Bald werden die beiden markanten Silos des Südzucker-Werks in Waghäusel abgerissen. Die großen Gebilde gelten in der Region als Landmarke. Wie stehen die Waghäuseler zum „Verlust“?

Ende einer merkwürdigen Nachbarschaft: Die Zuckersilos wurde nach 1968 gleich neben dem Schlösschen Eremitage erbaut. Foto: Martin Heintzen

In wenigen Tagen werden die beiden Silos auf dem ehemaligen Südzucker-Gelände Geschichte sein. Die Meinungen über den Abriss waren nicht nur im Waghäuseler Gemeinderat geteilt. Manche Bürger aus Waghäusel bedauern das Ende der Landmarke, andere sind froh darüber.

Jürgen Vogel sieht den Abriss mit gemischten Gefühlen. Mit einem Freund habe er neulich über den Abriss gesprochen, sagt Jürgen Vogel. „Zu Studentenzeiten haben wir gemeinsam als Ferienjobber in der Zuckerfabrik gearbeitet und deshalb eine besondere emotionale Bindung zu den beiden Silos“, erzählt er.

Roland Langer (l.) und Jürgen Vogel Foto: Kurt Klumpp / BNN-Montage

„Beim Blick auf die zerstörten Bauwerke kam schon etwa Wehmut auf“, sagt der Waghäuseler Veranstaltungsmacher, der im Eremitage-Garten das Festival „Zucker, Wag & Häusel“ veranstaltet. Er ergänzt zudem, dass die beiden 50 Meter hohen Silos sein Bild von diesem bedeutsamen Industriestandort geprägt habe.

Weniger emotional sieht Roland Langer den Abriss. „Ich kann den Abriss nicht bedauern. Sie waren fraglos ein Wahrzeichen der Zuckerfabrik, aber man wird sie auch bald vergessen haben. Entscheidend für den Abriss war wohl, dass für die Bauwerke keine Verwendung zu finden war. Meiner Meinung nach werden das historisch wertvolle Ensemble der Eremitage und die dort stattfindenden kulturellen Veranstaltungen durch den Abriss der Silos aufgewertet.“

Silos halfen bei der Wegbeschreibung

„Die Abrissarbeiten an den beiden Zuckersilos sind für unsere Lehrkräfte und die Schüler eine große Herausforderung“, sagt Philipp Zink, Leiter der benachbarten Musikschule Waghäusel-Hambrücken. Nicht nur Lärm und Staub beeinträchtigen zurzeit den Unterricht, sondern auch die deutlich spürbaren Erschütterungen des Schulgebäudes.

Philipp Zink (l.) und Manfred Schuhmacher Foto: Kurt Klumpp / BNN-Montage

Zink bedauert den Abriss vor allem wegen einer besonderen Funktion der Silos: „Bisher konnten wir bei der Wegbeschreibung immer sagen, dass sie sich an den beiden Türmen orientieren können.“ Eine Sorge plagt aber noch den Leiter der Musikschule: „Hoffentlich fällt bei der künftigen Nutzung des Gewerbeparks Eremitage nicht auch unser Schulgebäude der Spitzhacke zum Opfer.“

Eine klare Meinung vertritt der Kirrlacher Manfred Schuhmacher: „Ich war schon immer für den Abriss der Silos und bedauere nur, dass es so lange gedauert hat.“ Für ihn sind die erst vor 50 Jahren errichteten Türme auch kein Industrie-Denkmal. Viel besser wäre es seiner Meinung nach gewesen, wenn die Kommune – wie in anderen Städten auch – in einer der historischen Fabrikhallen ein Kultur- und Veranstaltungszentrum eingerichtet hätte. Eine größere Bindung an die Zuckerfabrik hat seine Frau Ingrid Schuhmacher, weil ihr Vater dort gearbeitet hat.

Ob Kletterpark oder Aussichtscafé - keine Idee wurde umgesetzt

„Ich bin wirklich traurig, dass die Silos dem Erdboden gleich gemacht werden und war schon immer ein absoluter Gegner des Abriss“, sagt Susanne Woll. „Ideen zur Umgestaltung in einen Kletterpark, Freizeitzentrum, Aussichtscafé auf dem Dach und Disco im Keller gab es genug. Es gibt Türme, die von Künstlern bemalt wurden und ein Anziehungspunkt sind. Auch ein Ausbau wäre möglich gewesen“, zählt sie auf. „Vielleicht hätte man intensiver nach Möglichkeiten einer Finanzierung suchen oder eine Gestaltung europaweit ausschreiben sollen. Die beiden Silos haben ja nicht wirklich gestört.“

Susanne Woll Foto: Kurt Klumpp

Die Relation der Abrisskosten zur frei werdenden Gewerbefläche hält sie für indiskutabel. „Für mich war der Kontrast der Zuckersilos zur barocken Eremitage wertvoll. Das letzte Baudenkmal der Zuckerfabrik, die Waghäusel groß gemacht hat, liegt am Boden“, bedauert Susanne Woll.

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