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Talkrunde mit Gemeinderäten

Tiefengeothermie-Anlage in Waghäusel bleibt in der Diskussion

In Waghäusel wird das Thema Tiefengeothermie heiß diskutiert. Deshalb initiierte Veranstaltungsmanager Jürgen Vogel unter dem Motto „Miteinander reden – statt übereinander“ das Format „Waghäusel-Talk“.

Talkrunde im Waghäuseler Rathaus zur Geothermie v.l., Dr. Herbert Pohl, Prof. Dr. Frank Schilling, Jonas Wilke und Moderatorin Rosa Omenaca-Prado Foto: kurt Klumpp

Die vielleicht spannendste Frage kam von Stadträtin Ebru Baz ganz am Ende einer 90-minütigen Talkrunde über die in Waghäusel geplante Tiefengeothermie-Anlage. „Was geschieht, wenn der Gemeinderat den Verkauf des städtischen Grundstücks ablehnt?“, fragte die Vertreterin der Fraktion Die Unabhängigen. „Dann werden wir nach einer Alternative suchen“, antwortete Herbert Pohl, Gründer und Geschäftsführer der Deutsche Erdwärme GmbH. Auf Nachfrage bestätigte er, dass dies dann ebenfalls auf Waghäuseler Gemarkung sein würde.

Im Atrium des Rathauses konnten coronabedingt nur 30 Personen anwesend sein. Darunter waren bis auf die Grünen auch Vertreter aller im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen. Am heimischen PC verfolgten 120 Interessierte die live gestreamte Talkrunde, die noch in der Mediathek zu sehen ist.

Auf dem Podium saßen neben Herbert Pohl auch Professor Frank Schilling, Leiter des Landesforschungszentrums Geothermie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), sowie Jonas Wilke von der Umwelt- und Energieagentur des Landkreises Karlsruhe. Abgesagt hatte aus terminlichen Gründen eine Vertreterin der Bürgerinitiative Graben-Neudorf/Waghäusel sowie Jens Linowski von der IG Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe, der jedoch ein schriftliches Statement vorgelegt hatte.

Erdbebengefahr durch Geothermie? Experten können beruhigen

Moderatorin Rosa Omenaca-Rado vom Mannheimer SWR-Studio erinnerte zu Beginn daran, dass Deutschland bis 2045 und Baden-Württemberg bereits in 14 Jahren klimaneutral sein sollen. Deshalb soll in Waghäusel bis 2025 ein Geothermie-Kraftwerk gebaut werden. Der ideale Standort habe sich durch umfangreiche 3D-Messungen ergeben. Alle Sprecher zeigten Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung, wollten aber gleichzeitig deren Ängste nehmen.

Die in Waghäusel geplante Anlage unterscheide sich grundsätzlich von der nach einem Erdbeben stillgelegten Anlage in Vendenheim bei Straßburg. „Dort gab es keine 3D-Daten und zudem wurde in das harte Grundgebirge gebohrt, während es in Waghäusel der deutlich weichere Buntsandstein sein wird“, sagte der KIT-Wissenschaftler.

Im Vergleich zu vielen anderen Kommunen beschrieb Professor Schilling die Situation in Waghäusel mit Blick auf eine klimaneutrale Zukunft als ideal und komfortabel, weil dann eine Wärmequelle direkt vor Ort sei. Die Lärmbelästigung in Wohngebieten liege bei 35 Dezibel und sei mit der eines Kühlschrankes oder eines leichten Regens vergleichbar.

Die einzigen kritischen Stimmen waren der Stellungnahme von Jens Linowski zu entnehmen. Er äußerte Zweifel an der Sicherheit und sprach sich für eine Bürgerversammlung aus. Zudem gäbe es bisher kein Tiefengeothermie-Projekt im Oberrheingraben ohne negative Schlagzeilen.

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