Skip to main content

I hätt do mol e Frog

Wann wird endlich auf der „Wiesen-Beerdigungsstätte” in Bruchsal gemäht?

Die „Wiesen-Beerdigungsstätte” auf dem Bruchsaler Friedhof wird als äußerst pflegeleicht beworben. Dennoch greifen dort immer mehr Angehörige zur Gartenschere, denn die Wiese ist in schlechtem Zustand. Wann kümmert sich die Stadtverwaltung?

Die Grabstellen versinken in meterhohem vertrocknetem Gras. Viele Angehörige greifen deshalb zur Selbsthilfe Foto: Irmgard Duttenhofer

Von Irmgard Duttenhofer

Auf dem Hinweisschild am Wegesrand sind die Vorzüge klar aufgelistet: „Diese Grabstätten entbinden Sie von jeglicher Pflegeverpflichtung. Das Gräberfeld wird von der Friedhofsverwaltung als Wiesenfläche 2 – 3 mal pro Jahr gepflegt…“

Aber wann wird endlich gemäht, fragen sich Gerhard und Elisabeth Siebenborn seit Wochen. Sie ärgern sich Jahr für Jahr über die ungepflegte Anlage, die keineswegs an eine Wiese erinnert. „Jeder Blühstreifen am Feldrand sieht schöner aus“, so das Ehepaar, das im Kontakt mit vielen weiteren Grabbesitzern steht. Sie alle sind der gleichen Meinung: „So haben wir uns die letzte Ruhestätte unserer Angehörigen nicht vorgestellt.“

Viele ergreifen mittlerweile selbst Initiative

Viele von ihnen sind inzwischen dazu übergegangen, den Bereich um ihre Gräber selbst zu pflegen, haben sich elektrische Scheren gekauft oder kürzen den Wildwuchs um den Grabstein auf den Knien mit einer Gartenschere. Andere haben den Bewuchs niedergetreten.

„Blumen und Kräuter kann man nicht beschädigen. Hier wuchern nur Disteln und Brenneseln“, erzählen die Betroffenen. Selbst Bienen und Schmetterlinge sind nur selten zu beobachten“, bedauert auch Familie Siebenborn. Sie haben mehrfach Eigeninitiative ergriffen, Wiesenblumen-Samen gekauft, ausgestreut und immer wieder gegossen.

Kein Platz für Blumen? Disteln und Brenneseln wuchern auf der Wiese. Foto: Irmgard Duttenhofer

Aber ohne Erfolg. Der Boden scheint nicht geeignet für eine blühende Wiese, vermuten die Grabbesitzer. Diese Erfahrung sei kein Einzelfall. Auch andere Angehörige mussten ähnliche Erkenntnisse sammeln.

Wird zu spät gemäht?

Seit wenigen Tagen weist ein Aushang im Schaukasten darauf hin, dass das Feld vom 3. bis 7. August gemäht wird. Viel zu spät, urteilen die Fragesteller. Denn sie wissen aus Erfahrung, dass das, was jetzt noch nachtreibt, in diesem Jahr nicht mehr gemäht werden muss. Dann haben wir zwar für zwei bis drei Pflegegänge bezahlt, aber nur einmal eine Leistung erhalten, begründen sie ihren Unmut.

Die Friedhofsverwaltung weist in ihrem Aushang auch darauf hin, dass Grabschalen und Grableuchten auf diesem Grabfeld offiziell nicht geduldet sind. Daran halten sich nur wenige, wie Friedhofsbesucher unschwer erkennen können. Familie Siebenborn hat auch dazu eine klare Meinung: Wenn das Umfeld schon ungepflegt ist, versuchen die Angehörigen, wenigstens den Bereich um den Grabstein herum schön zu gestalten. „Das kann man niemandem verdenken.“

Die Stadtverwaltung wurde am 20. Juli um eine Stellungnahme gebeten. Sie hat sich bisher nicht geäußert. Zumindest ist die Frage geklärt, wann endlich gemäht wird: Laut Aushang vom 3. bis 7. August.

Leserfragen

Was wollten Sie schon immer wissen? Neugierde ist für Journalisten eine Grundvoraussetzung. Warum, wer, wo, was, wann, wie – diese Fragen begleiten uns. Die Redaktion der BNN möchten für Sie spannende lokale Themen aufbereiten.

Wenn Sie auch neugierig sind zu Themen aus unserer Region, können Sie Ihre Frage an die Redaktion hier stellen .

nach oben Zurück zum Seitenanfang