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Auswirkungen der Erdölsuche

Warum ein Experte gerade die Nachtfalter in Weingarten zählt

Bevor eine Bohranlage gebaut wird, sucht ein Experte nach Auswirkungen auf die Flora und Fauna bei Bruchsal. Nacht für Nacht lockt Axel Steiner Insekten an und macht Bestandsaufnahme.

Spezialist im Einsatz: Axel Steiner studiert im Wald mit einem ringförmig angeordneten Netz und Scheinwerfern das Verhalten von Nachtfaltern. Foto: Franz Lechner

Von Franz Lechner

Angefangen hat er vor vielen Jahren als Experte für Tagfalter, so wie viele andere Schmetterlingsfreunde auch. Inzwischen aber schlägt sich Axel Steiner oft allein im Wald fast die ganze Nacht um die Ohren und wartet vor seinem Leuchtturm auf unbekannte Flugobjekte. Steiner ist nämlich Nachtfalterexperte, sein Leuchtturm ist eine spezielle, aus einem ringförmig angeordneten Netz und zwei Scheinwerfern bestehende Konstruktion zum Anlocken von Nachtfaltern. Sie steht derzeit regelmäßig im Wald zwischen Untergrombach und Weingarten.

Dort, unweit der Stelle, wo Rhein-Petroleum demnächst mit Erdöl-Probebohrungen beginnen will, untersucht Steiner, welche Auswirkungen die Beleuchtung der Bohranlage auf die Nachtfalterpopulation in der Umgebung haben könnte. „Sechs Monate brauchen wir etwa, bis wir die Probebohrungen abgeschlossen haben, und so lange wäre die Anlage rund um die Uhr beleuchtet“, erklärt der Geschäftsführer von Rhein-Petroleum, Carsten Reinhold, warum nicht nur Axel Steiner, sondern auch ein Fledermausspezialist und andere Fachleute die Auswirkungen der Anlage auf die Umgebung untersuchen.

Der Nachtfalterspezialist vom Naturkundemuseum in Karlsruhe ist schon seit dem Frühjahr aktiv. „Seit März und noch bis in den Herbst baue ich jeden Monat einmal meinen Leuchtturm und an einer zweiten Stelle am Waldrand eine zweite Nachtfalter-Lichtfalle auf“, erklärt Steiner. Ab der Dämmerung bis nachts gegen 2 oder 3 Uhr bewegt er sich dann in einer Tierwelt, die den meisten Menschen völlig fremd ist. Eulen, Spanner, Spinner heißen einige der großen Nachtfalterfamilien. Allein Steines Lieblingsfamilie, die der Eulenfalter, umfasst in Deutschland mehr als 600 verschiedene Arten.

Konsequenzen für Rhein-Petroleum

„Insgesamt haben wir etwa 1.160 verschiedene Nachtfalterarten in Deutschland“, erklärt der Fachmann. Immerhin 145 davon konnte er bei seinen nächtlichen Fangaktionen im Wald beim Weingartner Baggersee bis Mitte Juli nachweisen. Darunter auch einige wie beispielsweise der Weiße Gabelschwanz oder der Silberfleck-Zahnspinner, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. „Sehr seltene, hochgradig vom Aussterben bedrohte Arten habe ich bis jetzt allerdings noch keine entdeckt“, berichtet Steiner.

Konsequenzen haben seine Ergebnisse für Rhein-Petroleum trotzdem. „Zum Schutz der Nachtfalter schlage ich unter anderem vor, Lichtquellen mit geringem UV-Anteil zu verwenden und die Beleuchtung gezielt auf das Innere der Bohranlage zu beschränken“, erklärt Steiner. Die Maßnahmen sollen verhindern, dass die Bohranalage während ihrer voraussichtlich sechsmonatigen Bohrphase zur Falle für zigtausende Nachtfalter wird.

„Wir berücksichtigen gern, was Herr Steiner und andere Gutachter vorschlagen, aber wir müssen natürlich auch die Arbeitsschutz-Vorschriften für unsere Mitarbeiter beachten“, betonte Reinhold, dass man nach Kompromissen suchen müsse.

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