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I hätt do mol e Frog

Warum man Fahrgäste am Bruchsaler Bahnhof oft rennen sieht

Am Bruchsaler Bahnhof fahren immer wieder Züge auf dem falschen Gleis ein. Das sorgt für Stress und Frust. Warum passiert das? Wir haben nachgefragt.

Erwin Philipp ist oft mit dem Fahrrad unterwegs: Wenn seine Bahn nach Odenheim unangekündigt das Gleis wechselt, gerät er, aber auch viele Mitreisende in Stress. Foto: Martin Heintzen

Erwin Philipp aus Tiefenbach ist es leid. Als Bahnfahrer hat er diese Situation jetzt oft genug erlebt. Philipp steht am Bruchsaler Bahnhof und wartet auf Gleis 1 auf seine gelbe Bahn S31 Richtung Odenheim. Doch kurz vor der planmäßigen Ankunft „biegt” die Bahn auf Gleis 2 oder 3 ein.

In Dutzende Wartende am Bahnsteig 1 kommt jede Menge Bewegung. Plötzlich spurten die ersten los. Runter über die Treppen in die Unterführung und am nächsten Bahnsteig wieder nach oben. Wer jung und fit ist, hat Glück. Alle anderen schauen sprichwörtlich in die Röhre.

Gleisverlegungen werden erst kurz vorher angesagt

„Das könnte man als Kummer gewohnter Bahnfahrer hinnehmen. Völlig inakzeptabel ist aber, dass diese „Gleisverlegungen“ unerträglicherweise regelmäßig erst extrem kurz vor der Einfahrt visuell und akustisch angekündigt werden. Diese Ankündigungen erfolgen oft erst dann, wenn man den gelben Zug schon aus Richtung Karlsruhe kommen sieht, man aber noch nicht erkennen kann, auf welchem Gleis der Zug ankommen wird”, beschreibt Philipp das Problem.

Weil die Züge am Bahnhof auch sofort Richtung Odenheim weiterfahren, muss man sofort losrennen, um überhaupt noch die Chance zu haben, seinen Anschluss zu erreichen. „Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste wie Rollstuhlfahrer, Rollator-Benutzer, Personen mit Kinderwagen und Fahrradfahrer, die auf die Benutzung der Fahrstühle angewiesen sind, und solche, die nicht so sportlich sind, haben keine Chance”, bemängelt Philipp, der selbst oft mit seinem Rennrad unterwegs ist.

Bei der Bahn ist das Problem bekannt. Deshalb wird über die Gleisverlegung auch per Lautsprecherdurchsage informiert. Allerdings immer nur ganz kurzfristig. Und vorausgesetzt das Servicepersonal ist vor Ort. Problem hierbei: Diese „händische” Durchsage kann erst erfolgen, wenn die automatische Durchsage erfolgt ist. Das bestätigt die Bahn auf BNN-Anfrage.

Ein Bahnsprecher erklärt, dass man das Problem bereits bearbeitet. Dass die gelben Bahnen der AVG, aber auch andere Züge, immer mal wieder auf dem „falschen” Gleis ankommen, liege auch an der dichten Streckenbelegung. Kommt es zu Verspätungen, gerät diese durcheinander, Bahnen müssen unplanmäßig an anderen Bahnsteigen halten. Das alleine wäre aber noch nicht das Problem. Passiert das mit einem Zug der Deutschen Bahn, etwa einem IC, wird die Gleisverlegung frühzeitig an den Bahnhof gemeldet, die Fahrgäste per Anzeige oder auch per App informiert.

Das klappt bei den Bahnen der AVG aber noch nicht, bestätigt der Bahnsprecher. Die AVG-Züge können ihre Informationen bisher noch nicht direkt an die Bahn senden, erklärt der Sprecher die komplizierte Technik, die dahinter steckt. So erfährt auch das Servicepersonal am Bahnhof erst kurz vor der Einfahrt von der Gleisverlegung. Die Information kommt in diesem Falle nicht vom Zug - wie bei DB-Zügen - sondern von der Weiche, und damit zu spät, um die Fahrgäste schneller zu informieren, erklärt die Bahn weiter.

Die Bahn arbeitet an einer Lösung

„Derzeit können Informationen über Gleiswechsel noch nicht automatisch vom System am Bahnhof Bruchsal verarbeitet werden. Die Deutsche Bahn arbeitet hier eng mit der AVG zusammen, um noch in diesem Jahr eine Lösung zu realisieren”, verspricht ein Bahnsprecher. Derzeit arbeite man zudem an einer Interimslösung, die so schnell wie möglich kommen soll. Immerhin: „Eine Möglichkeit wurde gefunden und wird nun schnellstmöglich realisiert.”

Kann man denn nicht wenigstens die automatisierten Durchsagen stumm stellen, um die Fahrgäste nicht unnötig zu irritieren? Nein, das gehe nicht. Das Bahnpersonal vor Ort kann nur per eigener Ansage die fehlerhafte automatisierte Ansage korrigieren. Man versuche aber, so hat BNN-Leser Philipp am Bahnhof erfahren, den S31-Zugführer zu informieren und zum Warten auf betroffene Fahrgäste hinzuwirken.

Doch, so Philipp weiter: Was ist, wenn der Pavillon am Bahnhof gerade nicht mit Bahnpersonal besetzt ist? Dann wird man, zumindest die nächsten Tage und Wochen, auch weiterhin so manchen Fahrgast überrascht und dann losspurten sehen. BNN-Leser Philipp jedenfalls freut sich, dass die Sache nun ins Rollen kommt. „Ich werde da ein Auge drauf haben, ob es auch wirklich funktioniert.



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