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Ungeplante Erfolgsgeschichte

Wie der Bruchsaler "Pugilist" zum größten Boxclub der Welt wurde

Der größte Boxclub der Welt befindet sich in Bruchsal. Dabei war die Größe zu Beginn gar nicht das Ziel der sechs Gründer. Pugilist-Geschäftsführer Dörr erklärt die ungeplante Erfolgsgeschichte des Vereins und welches Konzept hinter dem Club steckt, der jeden Monat wieder neue Mitglieder anzieht.

Allein zwischen Fitnessgeräten: Geschäftsführer Holger Dörr hat mit seinen Mitarbeitern den Pugilist Bruchsal zum weltweit größten Boxclub gemacht. Derzeit ist die sonst gut besuchte Anlage gegenüber dem Bruchsaler Schwimmbad wegen der Corona-Pandemie allerdings fast menschenleer. Foto: Heintzen

Der Anblick ist gewöhnungsbedürftig. Wo sonst an späten Nachmittagen und frühen Abenden bei rund 250 Sportlern Trainingsschweiß rinnt, herrscht fast gespenstische Leere. Das aktuelle Übungsverbot gilt auch für den Pugilist Bruchsal, den mit 3.500 Beitragszahlern weltweit größten Boxclub und mit Abstand mitgliederstärksten Verein im Sportkreis Bruchsal.

Angesichts der verwaisten Halle blickt Geschäftsführer und Vizepräsident Holger Dörr zwar etwas zerknirscht drein, beim Gedanken an die Clubhistorie hellt sich seine Miene allerdings auf. „Das ist eine ungeplante Erfolgsgeschichte“, sagt Dörr nicht ohne Stolz. 1998 hat er den Pugilisten – der Name geht auf das lateinische Wort für Boxer, Pugil, zurück – mit sechs Mitstreitern gegründet. „Unsere Basis war immer der Breitensport“, betont der Diplom-Betriebswirt.

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Das Konzept fand auf jeden Fall Anklang; immer mehr Sportfreunde schlossen sich den Athleten in Bruchsal an. Um dem Andrang Herr zu werden, kauften die Vereinsverantwortlichen 2001 das ehemalige Tenniscenter in der Schwetzinger Straße gegenüber dem Bruchsaler Schwimmbad mit einer Gesamtfläche von etwa zwei Hektar und renovierten die Anlage.

Treffpunkt für Breiten- und Spitzensportler: Anlage des Pugilisten Bruchsal in der Schwetzinger Straße. Foto: Heintzen

Vielfältige Trainingsangebote garantierten stetes Wachstum

2008 war eine umfangreiche Sanierung notwendig, und vier Jahre später wurde ein Anbau für Sanitäranlagen errichtet. Die verschiedenen Trainingsangebote beispielsweise für Faustkämpfer, Breakdancer, Fitnessfreunde, Kraftsportler oder Reha-Patienten sind laut Dörr einer der Gründe für das enorme Wachstum des Clubs. Er nennt aber auch die Flexibilität und „günstige Preisgestaltung“ als Markenzeichen. „Bei uns gibt es keine verdeckten Kosten oder Vertragsfallen“, versichert er.

Zudem müssen sich die Mitglieder nur jeweils für einen Monat an den Verein binden. „Wir merken, wie wichtig diese Freiheit für die Leute ist, besonders auch für die Kinder“, sagt der Geschäftsführer: „Natürlich haben wir eine gewisse Fluktuation. Die hält sich aber in Grenzen. Es kommen monatlich mehr Leute als weggehen.“

Corona-Konzept steht

Mehr als 30 Übungsleiter und Übungsleiterinnen betreuen die Sportler. Für die Amateurboxer sind fünf ausgebildete Wettkampftrainer im Einsatz, darunter Rustam Rahimov, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und A-Lizenz-Inhaber. „Ohne qualifizierte Trainer funktioniert es nicht“, ist sich Dörr sicher.

Immerhin hat der Pugilist in Junior Francesco Messineo und Kadettin Charlotte Rötten zwei amtierende deutsche Meister im Boxen in seinen Reihen. Und 91-Kilo-Athlet Jamshid Timury verstärkt immer wieder Bundesligastaffeln wie die von Traktor Schwerin oder des Box-Clubs Straubing. „Wir sind so gut aufgestellt, weil wir Breitensport anbieten, aus dem sich Spitzenathleten entwickeln“, erklärt Vizepräsident Dörr und hofft, dass sich auf dem Freigelände und im Gym bald wieder Sportler tummeln werden.

Um unter Auflagen während der Corona-Krise wieder öffnen zu dürfen, hat er sich mit seinen Mitarbeitern ein Konzept ausgedacht. So könnten sich die Mitglieder telefonisch einen Trainingsplatz reservieren, und der Verein würde dafür sorgen, dass die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände gewahrt werden.

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