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Gemeinschaft fehlt

Wie der Sportunterricht im Raum Bruchsal in Pandemie-Zeiten läuft

Lehrer aus Bruchsal und Bad Schönborn berichten, welchen Sport sie ihren Schülern während des Lockdowns anbieten können. Eins fällt auf: Lehrer können die Übungen der Schüler nicht kontrollieren.

Ein Pauschenpferd steht während des Sportunterrichts in der Sporthalle einer Grundschule. Der Deutsche Lehrerverband hat sich trotz der Sportfaulheit deutscher Kinder- und Jugendlicher gegen Veränderungen am Sportunterricht ausgesprochen. Foto: Sebastian Kahnert picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der Wohnzimmerteppich wird zur Gymnastikmatte, das Sofa zur Turnbank. Als Hanteln dienen handelsübliche Wasserflaschen, Handtücher als Thera-Bänder, Sockenknäuels als Bälle: Sportunterricht in Zeiten der Pandemie.

Das bedeutet auch in Bruchsal und Umgebung einsames Üben zu Hause ohne die vertrauten Schulfreunde und Lehrer und erfordert von Kindern, Jugendlichen wie jungen Erwachsenen ein beachtliches Maß an Selbstdisziplin.

Aber auch die Pädagogen sehen sich mit Kraftakten konfrontiert. „Die herausfordernde Lage der Sportlehrerinnen und Sportlehrer, ihre Passion zu vermitteln, ist in der Fernlernphase deutlich erschwert“, hat Jürgen Burkhardtsmaier vom Justus-Knecht-Gymnasium (JKG) in Bruchsal festgestellt.

„An Schülerinnen und Schüler die so wichtigen Fähigkeiten und Motivation weiterzugeben, weiter gesund zu bleiben, wird gerade in Zeiten des Lockdowns scheinbar verhindert“, sagt er.

Workouts auf Youtube

Burkhardtsmaier und seine Kollegen stemmen sich gegen die Probleme. „Wir haben Online-Aufgaben bereitgestellt. Beispielsweise gibt es Workouts im Internet auf YouTube“, berichtet Fabian Kimmich, der in der Bad Schönborner Realschule neben Mathematik und Physik auch Sport unterrichtet. Ein Kollege am JKG fügt an: „Die Kreativität und der Mut, auch mal im Sportoutfit vor laufender Kamera digital die Freude am Sport weiterzugeben, gleichen einiges aus.“

An Angeboten im Internet mangelt es jedenfalls nicht. Die Pädagogen in Bruchsal und in den umliegenden Kommunen verweisen auf Videos auf der Lernplattform Moodle, Angebote wie „Mach mit – bleib fit“, „Henriettas bewegte Schule“, den Yogakurs von Mady Morrisons oder die tägliche Sportstunde für die Oberstufe des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin. Ferner gibt es Ausdauerprogramme beispielsweise für Radfahrer oder Jogger im sozialen Netzwerk von Strava.

Wir sind darauf angewiesen, dass die Schüler die Übungen selbstständig machen.
Fabian Kimmich, Realschullehrer in Bad Schönborn

Auf die Frage, ob die Schülerinnen und Schüler das geforderte Pensum leisten, reagieren Lehrkräfte nicht selten mit Achselzucken. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Schüler die Übungen selbstständig machen oder von den Eltern angewiesen werden“, sagt Realschullehrer Kimmich.

Fachleute vermuten, dass Kinder und Jugendliche, die vor der Pandemie in ihrer Freizeit in Sportvereinen aktiv waren, sich auch während des Fernunterrichts fit halten; sogenannte Couchpotatoes würden hingegen weiterhin ihrem Phlegma frönen.

„Schwierig ist natürlich die Überprüfung, ob die Schülerinnen und Schüler tatsächlich vor der Kamera mitmachen“, erklärt eine Pädagogin am Justus-Knecht-Gymnasium: „Allerdings vertraue ich ihnen und merke bei meinen Fragen, die ich zum Workout stelle, dass die meisten aktiv mitgemacht haben.“

Positive Erfahrungen hat auch Stephanie Lipps, die Fachsprecherin Sport am Philippsburger Copernicus-Gymnasium, gesammelt. Sie hat Fragebögen erstellt und versichert: „Die Rückmeldung war sehr positiv. Die Kleinen schicken mir manchmal sogar Fotos, die sie bei den Übungen zeigen.“

Am Bruchsaler JKG stand in diesem Januar zum Beispiel eine Seilkür im Stundenplan. Im Anschluss sollen die jungen Sportler ihrem Lehrer zum Beweis, dass sie die Übung komplett und fehlerfrei absolviert haben, Videos schicken.

Eines eint die Erzieher: die Sehnsucht nach der Rückkehr in die mancherorts renovierungsbedürftigen Hallen. „Was besonders auch den Kleinen fehlt, ist die soziale Gemeinschaft beim Sporttreiben“, vermutet ein Lehrer am JKG, der wie viele andere Pädagogen ungeachtet deren Fächer in die Notbetreuung einbezogen ist.

Und der Bad Schönborner Kimmich spricht den Kollegen wohl aus der Seele, wenn er sagt: „Ich freue mich riesig darauf, eines Tages mit den Schülern wieder unter normalen Bedingungen Sport zu treiben.“

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