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Auch die Stimmung ist tiefergelegt

Wie die Bruchsaler Polizei die Autoposer kontrolliert

Bei einer Großkontrolle der Tuner- und Poser-Szene in Bruchsal zieht die Polizei acht Fahrzeuge aus dem Verkehr.

Autoposer bei der Kontrolle. Foto: Armin Herberger

Von unserem Mitarbeiter Armin Herberger

Am Ende des Tages hatte das T-Shirt doch recht: „Stillgelegt“ stand in leuchtenden Buchstaben über der Brust des Fahrzeughalters. In der Hand hielt er ein gelbes Formular, das ihm das Gleiche für sein Auto bescheinigte. Die Betriebserlaubnis erloschen, das Kennzeichen entstempelt, der Abschleppwagen bereits beladen: So hatten sich acht Autotuner den Freitagabend nicht vorgestellt.

Wie jedes Wochenende hatten sich auf dem Parkplatz beim Burger-King Autoposer und viele weitere Autoliebhaber eingefunden, saßen auf Klappstühlen zusammen und fachsimpelten. Die Idylle wurde um 22.30 Uhr von mehreren Einsatzfahrzeugen der Polizei unterbrochen: Im Einsatz waren 54 Beamte vom Polizeirevier Bruchsal, dem Innenstadtrevier Karlsruhe, der Verkehrspolizei sowie vom Präsidium Einsatz. Dazu drei Gutachter, drei Mitarbeiter vom Ordnungsamt der Stadt Bruchsal, zwei Mitarbeiter des Landratsamtes sowie 14 Feuerwehrleute mit vier Flutlichtanlagen.

Zunächst kontrollierten die Beamten die Papiere und bekundeten näheres Interesse an 48 Fahrzeugen, die sie auf den taghell beleuchteten Parkplatz vor das Gartencenter lotsten.

Dort gab es Interessantes zu sehen: Eine hydraulische Absenkung, mit der man auf Knopfdruck das Gefährt tieferlegt, ist an sich nicht problematisch – wenn man es via Handy während der Fahrt machen kann oder der Tiefenbegrenzer deaktiviert wurde, dann schon. Permanent glimmende Blicklichter oder abgedunkelte Rücklichter sind ebenso unerlaubt wie ein zusätzlich beklebtes Kennzeichen: Weil die blaue Europaflagge nicht zur Wagenfarbe passte, setzte der Fahrer das „D“ einfach auf schwarz.

Wenn die Beamten vor den Boliden auf die Knie gingen, dann nicht aus Ehrfurcht, sondern um die Lautstärke am Auspuff zu messen. Die zulässigen 84 Dezibel wurde auch mal erheblich überschritten, weil der Auspuff zwar original aussah, im Innern jedoch ausgeräumt war.

Pech, wenn der Polizist bereits anderweitige Berufserfahrung hat: „Als gelernter Schlosser erkenne ich eine Schweißnaht, wenn ich sie sehe“, so ein Beamter. Und wenn man schon mal unten ist schaut man auch gleich nach, ob der Radkasten Schleifspuren vom Reifen hat.

Es ist teilweise schon eine hohe kriminelle Energie vorhanden, die Änderungen zu vertuschen.
Heinrich Koch, Gutachter

„Es ist teilweise schon eine hohe kriminelle Energie vorhanden, die Änderungen zu vertuschen“, sagt Gutachter Heinrich Koch. Sein Team lässt sich von Drohungen mit Anwälten oder Regressforderungen nicht sonderlich beeindrucken, sondern wittert bei so viel Gegenwehr noch mehr Verstöße und schaut bei der ausführlichen Untersuchung einige Tage später umso genauer hin.

Manchmal ist das auch nicht nötig, wenn der Fahrer bereits auf Instagram alles vorgeführt hat. Die Rechnung mit einem Stundensatz um die 100 Euro sowie die Abschleppkosten um die 350 Euro geht an den Fahrzeughalter.

Jeder einzelne Verstoß wird teuer

Ebenso das Bußgeld: Die Stilllegung an sich schlägt mit vergleichsweise milden 90 Euro zu Buche, aber jeder einzelne Verstoß kann nochmals bis zu 270 Euro kosten, Wiederholungstäter unter Umständen mit Aufschlag. Rechnet man Gerichtskosten dazu und den Aufwand für den Rückbau, kann eine ordentliche Summe entstehen.

„Uns ging es nicht darum, möglichst viel Fahrzeuge stillzulegen“, sagt der Bruchsaler Revierleiter Wolfgang Ams, „sondern die rauszufiltern, die mit unangemessenem Fahrverhalten oder Lautstärke durch die Wohngebiete fahren.“

Von den 48 kontrollierten Fahrzeugen waren immerhin 32 ohne Beanstandung gewesen. Neben den acht stillgelegten Fahrzeugen gab es acht weitere mit kleineren Mängelberichten, insgesamt wurden 12 Ordnungswidrigkeiten verhängt.

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