Skip to main content

Abends kommt die Einsamkeit

Wie ein Häftling der Justizvollzugsanstalt Bruchsal die Corona-Zeit erlebt

Marcel W. ist seit anderthalb Jahren in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal inhaftiert. Eingesperrt zu sein, das sei nie schön, sagt er. In Zeiten von Corona sei es noch schlimmer. Seine Familie sieht der 33-Jährige momentan nur selten. Besuch dürfen die Häftlinge seit Beginn der Pandemie nur eingeschränkt empfangen.

Abends kommt die Einsamkeit: In der JVA Bruchsal sind Besuche seit Beginn der Corona-Pandemie nur eingeschränkt möglich. Während einige Freizeitangebote wegfallen, geht die Arbeit in den Werkbetrieben unter Auflagen weiter. Foto: Ronald Wittekt/dpa

Wenn am Ende des Tages die schwere blaue Stahltür hinter Marcel W. ins Schloss fällt, ist er alleine. Alleine auf dreizehn Quadratmetern. Ein Bett, eine Kommode, ein Kleiderschrank. In der Ecke ein kleiner Tisch, darauf ein Fernseher und ein altes Radio. Im Nebenraum Toilette und Waschbecken. Viel mehr gibt es nicht. Und trotzdem ist es in der Zelle irgendwie wohnlich. Die karierte Bettdecke ist ordentlich gefaltet, es riecht nach Männerparfüm und Kaffee. An einer Leinwand pinnen Grußkarten und Fotos: Der junge Mann Arm in Arm mit seiner Freundin, daneben ein Bild seiner Tochter.

Seit anderthalb Jahren sitzt Marcel W. wegen eines Körperverletzungsdeliktes in Bruchsal im Gefängnis. Anderthalb Jahre hat er noch vor sich. Was ist das für ein Gefühl, eingesperrt zu sein? „Ein Horrorgefühl“, sagt er. In Pandemie-Zeiten sei es noch schlimmer.

Seine Familie sieht der 33-Jährige momentan noch seltener als sonst. Normalerweise dürfen die Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt mindestens zweimal im Monat für je zwei Stunden Besuch empfangen, am Wochenende und an Feiertagen auch länger. Wegen Corona ist die Besuchszeit momentan auf eine Stunde beschränkt, die Besucheranzahl auf zwei Personen.

Kostenlos weiterlesen

  • 7 Tage BNN+ lesen
  • Kein Abo, keine Kosten
  • Weniger Werbung

Informationen zur Verarbeitung personenbezogener Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die BNN ist berechtigt, Ihre E-Mail-Adresse zur Information über eigene und ähnliche Produkte (wie BNN+, ePaper oder Zeitung) zu nutzen. Sie können der Verwendung jederzeit hier widersprechen, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.
nach oben Zurück zum Seitenanfang