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Ohne Maske geht es nur zu Fuß weiter

Wie ernst Fahrgäste die Maskenpflicht im Bruchsaler ÖPNV nehmen

Seit 27. April gibt es in Baden-Württemberg die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. Auch das KVV-Verbundgebiet ist davon betroffen. Doch wie ernst nehmen Bus- und Bahnfahrende diese Maßnahme und inwieweit werden Verstöße sanktioniert? Fahrgäste schildern ihre Erfahrungen.

Warten auf den Bus: Die meisten Fahrgäste ziehen ihre Maske erst auf, wenn sie einsteigen. Foto: Eva-Maria Schauer

Von Eva-Maria Schauer

11.57 Uhr, Bruchsaler Hauptbahnhof: Einige Fahrgäste stehen oder sitzen am Bahnsteig und warten auf die Regionalbahn nach Heidelberg. Nur wenige von ihnen tragen hier schon eine Maske, die meisten sieht man ohne oder mit heruntergezogenem Mund-Nasen-Schutz (MNS).

Als die Bahn einfährt, greifen viele in die Tasche, holen ihre Maske hervor, setzen sie auf und steigen ein. In der Bahn sieht man zwar niemanden ohne Schutz, jedoch tragen einige Gäste ihre Maske falsch: Zwei Jugendliche haben sie nur bis unter die Nase gezogen und nehmen sie zum mehrmaligen Trinken ab – dafür ernten sie zwar missbilligende Blicke anderer Fahrgäste, ermahnt werden sie aber nicht.

An der Bushaltestelle Rendezvous in Bruchsal sieht die Lage ähnlich aus. Für Fahrgast Erika Spyra ist das ein Ärgernis: „Viele tragen ihre Maske nicht richtig, sondern nur am Mund. Die Leute nehmen alles viel zu leicht und wissen gar nicht, was Corona bedeutet“, beschwert sie sich.

Im Großen und Ganzen wird die Maskenpflicht zwar eingehalten, jedoch gibt es ein paar Ausreißer.
Thomas Helwig, DB-Fahrdienstleiter Stadtbus Bruchsal

Wenn sie Gäste ohne Maske sieht, spreche sie diese sofort darauf an und bete darum, die Maskenpflicht einzuhalten. Laut Thomas Helwig, dem DB-Fahrdienstleiter vom Stadtbus in Bruchsal, seien solche Situationen kein Einzelfall: „Im Großen und Ganzen wird die Maskenpflicht zwar eingehalten, jedoch gibt es ein paar Ausreißer. Die werden dann von anderen Gästen darauf hingewiesen, ihre Maske im Bus zu tragen“, erklärt er.

Mindestens 100 Euro Strafe für Verstöße im KVV-Netz

Auseinandersetzungen mit Fahrgästen gab es bisher nur wenige beim Bruchsaler Stadtbus: „Wir hatten schon mal mit einem Fahrgast Stress, der sich generell gegen die Maskenpflicht geweigert hat und uns gegenüber ausfällig geworden ist. Das haben wir dann mit Abmahnungen geregelt“, erzählt Helwig.

Ich finde es schade, dass am Bahnhof wenig kontrolliert wird, weil hier immer mehr Leute ohne Masken unterwegs sind.
Marius Mahl, Fahrgast

Wer sich nicht an die Anweisungen hält, muss auch mit einem Bußgeld rechnen. Dieses wurde erhöht und liegt nun zwischen 100 und 250 Euro im KVV-Netz. Bahngast Marius Mahl zufolge könnte das Personal noch stärker durchgreifen: „Ich finde es schade, dass am Bahnhof wenig kontrolliert wird, weil hier immer mehr Leute ohne Masken unterwegs sind.“

Emilia Fuchs ist bei ihren Busfahrten mit dem Durchsetzungsvermögen der Busfahrer zufrieden: „Ich habe es bisher so erlebt, dass sie immer etwas unternommen haben, wenn Fahrgäste keine Maske tragen“, schildert sie.

Vorgegebene Durchsagen kommen im Bus zum Einsatz, die auf die Maskenpflicht und das richtige Tragen hinweisen. Wenn Fahrgäste auf Anweisung keine aufziehen, müssen sie raus aus dem Bus: „Es gibt Gäste, die keine Atemmaske tragen müssen“, erklärt Helwig. Dazu gehören Kinder unter sechs Jahren und Personen mit gesundheitlichen Problemen, die eine ärztliche Bescheinigung vorweisen können wie Karl Heneka.

Auf den Schutz komplett verzichten, möchte er trotzdem nicht: „Ich habe meine Maske immer dabei und ziehe sie auf, wenn im Bus viel los ist. Ich hoffe, dass das etwas bringt.“ Wie sinnvoll eine Maskenpflicht schlussendlich ist, kann er jedoch nicht beurteilen: „Ich weiß nicht, ob das vielleicht etwas übertrieben ist. Man muss abwarten, was die Zahlen sagen und wie die Wahrheit dann aussieht.“

Passanten kritisieren verantwortungslose Mitmenschen

Bahngast Marius Mahl ist sich der Effektivität der Maske bewusst. „Ich finde diese Pflicht sehr gut und der Schutz stört mich kaum. Da die Infektionszahlen in Deutschland derzeit wieder in die Höhe schießen, würde ich diese Maßnahme weiterhin befürworten“, erläutert er.

Leute, die das Maskentragen anstrengend finden, kann er nicht verstehen. Seiner Einschätzung nach tragen 60 bis 70 Prozent der Mitfahrenden ihre Maske richtig, also über der Nase. „Jeder sollte in Bus und Bahn eine Maske aufsetzen, weil man sich selbst und andere nur dadurch schützen und die Ausbreitung des Virus stoppen kann“, findet Passantin Serap Arabaci. „Menschen, die das nicht einhalten, sind für mich verantwortungslos.“

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