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Kreative in der Region

Wie früher häufig gebuchte Coverbands aus dem Kraichgau durch die Corona-Krise kommen

„Amy Sue & Friends“, die „Uptown Band“ oder die „Zap-Gang“ haben derzeit leere Terminkalender. Konzerte dürfen oder können schon länger nicht stattfinden. Auch die Proben gestalten sich oft schwierig. Das ist ein Problem für manchen Geldbeutel – und für die Moral der Musikerinnen und Musiker.

Volle Terminkalender und ausverkaufte Clubs – wie hier bei der Zap-Gang: Für Coverbands aus der Region ist das derzeit unvorstellbar. Foto: Markus Suermann

„Amy Sue & Friends“ ist eine vielgefragte Coverband. Vor Corona waren die Musiker bis zu eineinhalb Jahre im Voraus gebucht, hatten im Schnitt 60 bis 70 Auftritte pro Jahr. „Davon haben wir 2021 ein Drittel gespielt“, sagt Amy Sue.

Für das angefangene Jahr sieht es nicht besser aus: „Wir haben eine Anfrage für einen öffentlichen Auftritt, aber selbst das ist nicht sicher. Derzeit gehen nur private Feiern in kleinem Rahmen, da sind wir optimistisch. Wir sind in der Besetzung variabel, ich habe Wohnzimmerkonzerte zu zweit mit unserem Gitarristen gemacht. Man muss ja kreativ werden.“

Die Musiker sind Profis und wollen nicht aufgeben. „Meine Jungs bleiben alle der Musik treu“. Amy Sue kennt aber auch professionelle Musiker, die sich angesichts der Situation von ihrem Traumberuf verabschiedet haben und beispielsweise im Einzelhandel arbeiten. „Die Soforthilfe wollten sie nicht, weil 80 Prozent der Kollegen eine Rückforderung bekommen haben.“

So wie Amy Sue geht es vielen Musikern sonst gut gebuchter Coverbands. 50 Konzerte fielen 2020 aus, und „für 2021 kamen viel weniger Anfragen, auch Privatkonzerte gingen zunehmend weniger“, sagt Benjamin Brendelberger, Sänger der „Uptown Band“.

„Ich lebe nicht davon, aber ich brauche es fürs Gemüt und die Routine geht schnell verloren, wenn man den Betrieb nicht aufrecht erhält. Wir haben nie groß geprobt, weil wir ständig gespielt haben.“ Wie aber geht es dem Schlagzeuger der Band, dem einzigen Profi? „Er gibt Unterricht. Er kann ohne die Band überleben, aber es macht sicher nicht soviel Spaß und eigentlich braucht er auch die Gagen.“

Die ersten Auftritte der „Zap-Gang“ sind im Juni

„Die ersten Auftritte, von denen wir hoffen, dass sie zustande kommen, sind im Juni“, sagt Walter Batzler, Sänger der „Zap-Gang“, die normalerweise bis Juni bis zu zwei Dutzend Auftritte im Terminkalender hat. Batzler ist Profi. Sein Einkommen ist schmal geworden, immerhin konnte er die staatlichen Hilfen abrufen. „Unser Schlagzeuger ist bei der Radiophilharmonie Kaiserslautern angestellt, von daher braucht er sich keine Sorgen zu machen“, erzählt er.

Die übrigen Musiker der Band leben nicht ausschließlich von der Musik. „Aufgeben will keiner, aber die Probe-Moral lässt nach, wenn das Ziel aus den Augen gerät. Ich merke es bei mir selbst. Um ‚Child in Time‘ von Deep Purple hinzukriegen, muss ich heute einen verdammt guten Tag haben, weil das regelmäßige Singen fehlt.“

Während „Amy Sue & Friends“ als Profis nur bei Soundchecks proben, möchte die Zap-Gang dranbleiben. Aber „unser zweiter Sänger ist Masseur und arbeitet auch im Altersheim. Der kann natürlich jetzt nicht mit uns proben.“ Schon deshalb, weil bei sechs Musikern in einem Raum mit 20 Quadratmetern kein Abstand möglich ist. In Kürze kann die Band in einen Veranstaltungssaal umziehen, dann geht es weiter und „jeder soll sich zuhause testen, bevor wir proben.“

„Amy Sue & Friends“ haben Terminprobleme wegen der Nachholtermine

Die drei Musiker der „Uptown Band“ haben manches Mal nur im Proberaum zusammengesessen, um sich auszutauschen, ohne die Instrumente in die Hand zu nehmen, aber „wir haben angefangen, unsere 150 Songs zu überarbeiten und haben 20 neue Songs gemacht und ausgearbeitet.“

Alle hoffen auf den Sommer, wenn es hoffentlich wieder losgeht. Dann allerdings könnten sich die Anfragen so ballen, dass nicht alle Termine wahrgenommen werden können. „Wir haben jetzt schon Terminprobleme, weil wir erst mal die Nachholtermine haben“, sagt Amy Sue. „An einem Tag haben wir vier oder fünf Hochzeitsanfragen. Aber das sehe ich als Luxusproblem.“

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