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Bruchsal-Heidelsheim und Sulzfeld

Landkreis Karlsruhe rüstet sich für Massenimpfungen: Personal ist die Herausforderung

Zwei Hallen in Bruchsal-Heidelsheim und Sulzfeld werden unter der Federführung des Landkreises bis 15. Januar zu Kreisimpfzentren umfunktioniert. Noch stehen die Hallen leer und die Aufgabenlisten sind lang.

Derzeit noch eine Lagerhalle: Landrat Christoph Schaudigel, der Erste Landesbeamte Knut Bühler, Geschäftsführer Karlheinz Hörsting und Bürgermeisterin Sarina Pfründer besichtigten die E.G.O-Halle 4 in Sulzfeld, in der von 15. Januar an gegen das Corona-Virus geimpft wird. Foto: Judith Midinet-Horst

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Das betonte Landrat Christoph Schnaudigel am Mittwoch, als er sich vor Ort von den künftigen Kreisimpfzentren in Bruchsal-Heidelsheim und Sulzfeld ein Bild machte.

Da dort schon ab dem 15. Januar geimpft werden soll, steigt der Landkreis jetzt in die Organisation ein. „Wir starten, obwohl noch nicht alles abschließend geklärt und unterzeichnet ist“, erklärte Schnaudigel.

Land finanziert die Kreisimpfzentren

Das Land hat mit dem ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Heidelsheim und der E.G.O.-Halle 4 in Sulzfeld zwei verkehrsgünstig gelegene Hallen als Kreisimpfzentren gewählt, die sofort umfunktioniert werden können. „Die Standorte sind geeignet, es muss aber einiges gemacht werden“, erklärte der Landrat, dass Betten, Wände, EDV, Glasfaser und Kühlgeräte für den Impfstoff beschafft sowie Zugangsmöglichkeiten und Trennwände aufgebaut werden müssten.

Federführend in der Organisation ist der Landkreis, die Finanzierung liegt komplett in der Verantwortung des Landes.

Impfen ohne Ärzte geht nicht.
Christoph Schnaudigel, Landrat

„Was wir nicht leisten können, ist die Bereitstellung des medizinischen Personals“, sprach Schnaudigel die größte Herausforderung für die Organisation der Impfzentren an. Für die Impfungen reiche zwar medizinisches Fachpersonal, aber Aufklärung und Beratung der Impflinge sei Aufgabe eines Arztes. „Impfen ohne Ärzte geht nicht“, sagte er. Deshalb reiche auch nicht nur ein Arzt pro Schicht.

Ehemaliger Baumarkt: Die leerstehende Halle des „Praktiker“ in Heidelsheim wird zu einem Kreisimpfzentrum umfunktioniert. Foto: Judith Midinet-Horst

Das Land arbeitet derzeit an Vereinbarungen, unter anderem mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Schnaudigel warb dafür, dass sich pensionierte Ärzte oder Arbeitsmediziner gerne schon freiwillig melden könnten. Die Resonanz auf einen ersten Aufruf des Sozialministeriums sei groß gewesen. „Wir sind zuversichtlich“, sagte Schnaudigel.

Noch vor Weihnachten soll der Aufbau der Kreisimpfzentren beginnen. „Anfang Januar stehen die Impfzentren“, sagte Schnaudigel. Eventuell gebe es auch einen Probelauf. „Da warten wir aber die Erfahrungen mit dem zentralen Impfzentrum an der Messe Karlsruhe ab“, erklärte der Erste Landesbeamte Knut Bühler.

Impfstoff muss bei Minus 70 Grad gekühlt werden

Die Impfung gegen das Coronavirus soll, so ist es in allen Landkreisen in Baden-Württemberg vorgesehen, im Sommer 2021 in die Regelvorsorge bei den Hausärzten übergehen. Ein wesentlicher Grund für den Aufbau der Impfzentren ist, dass der erste Impfstoff von Biontech und Pfizer bei Minus 70 Grad gekühlt werden muss. „Das ist für Hausärzte nicht leistbar“, erklärte Schnaudigel.

Auch die Vorgaben, wer zuerst geimpft wird, sind landesweit einheitlich geregelt. Ältere Menschen und Risikogruppen werden aufgefordert, sich beim Impfzentrum zu melden und die Termine für die erste und zweite Impfung zu vereinbaren — zwei Impfungen sind nötig, die zweite nach 21 bis 28 Tagen. „Einfach vorbeifahren“ wird nicht möglich sein.

Landesweit einheitlich geregelt: Der Ablauf in den Kreisimpfzentren ist in allen Landkreisen gleich: Die Impflinge werden in einem Einbahnstraßen-Betrieb durch vier Zonen geleitet, in der sie aufgeklärt und geimpft werden. Foto: Judith Midinet-Horst

Gesunde junge Menschen werden sich wahrscheinlich mit einer Impfung gedulden müssen, bis sie bei den Hausärzten möglich ist. Die Kapazitäten in den Kreisimpfzentren werden, so Bühler, es nicht leisten können, die breite Masse zu impfen. Jeweils zwei mobile Impfteams pro Kreisimpfzentrum werden zusätzlich Pflegeheime sowie Menschen, die nicht selbständig zu den Impfzentren kommen können, aufsuchen.

Zuteilung zu Impfzentren ist nicht an Wohnort gebunden

Zwar wird es eine Zuteilung zu den Impfzentren über die Postleitzahlen geben, doch der Landrat stellte klar, dass es bei den Impfungen landesweit keine Kreisgrenzen geben wird. Wer also lieber an seinem Arbeitsort statt in der Nähe seines Wohnorts geimpft werden möchte, kann dies bei der Terminvergabe angeben.

Ob auch die Nachbarn aus der Pfalz in den Kreisimpfzentren geimpft werden könnten, sei zwar noch nicht abschließend geklärt, „aber wir werden das wahrscheinlich offen handhaben“, erklärte Bühler.

In Rheinland-Pfalz hingegen ist die Zuteilung zu den Impfzentren an den Wohnort gebunden.

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