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Belastung bleibt hoch

Die Kliniken in Bretten und Bruchsal können noch nicht aufatmen

Die Zahl an Corona-Fällen auf den Intensivstationen in Bretten und Bruchsal gehen zwar zurück. Von einer Entspannung spricht man bei der Regionalen Kliniken Holding aber noch nicht.

Das Personal ist erschöpft: Der fehlende Impfstoff stößt auch beim Personal in den RKH-Kliniken in Bruchsal und Bretten auf Frust. Die Lage rund um die Corona-Pandemie bleibt weiterhin angespannt. Foto: Jens Büttner / dpa

Bretten/Bruchsal. Die Wirkung des Lockdowns und die sinkenden Fallzahlen kommen langsam auch in den Kliniken an. Um eine Entspannung zu erreichen, müsse die Inzidenz aber auf unter 20 fallen, teilt Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionale Kliniken Holding (RKH) mit Häusern im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis, mit.

„Man kann aber nicht sagen, dass alles gut ist, sobald eine Inzidenz von 50 erreicht ist“, betont er bei einem Pressegespräch am Freitag.

Die Kliniken würden der Belastung zwar Stand halten, die Mitarbeiter seien sich ihrer Aufgabe bewusst. Erschöpfung erkenne er trotzdem.

Auf den Intensiv- und Überwachungsstationen der acht RKH-Kliniken sind 18 von hundert Betten derzeit mit Corona-Fällen belegt. In der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal sind es vier, in der Rechbergklinik zwei Personen.

Intensivbetten zeigen nicht die ganze Belastung

„Wir arbeiten an der Belastungsgrenze und vielfach darüber hinaus“, bewertet Martin Schuster, Ärztlicher Direktor der Intensiv- und Notfallmedizin in Bruchsal und Bretten, die Lage in den Häusern im Landkreis Karlsruhe.

Wenn Betten dort leer stehen, heißt das nicht, dass wir nichts zu tun haben.
Martin Schuster, Ärztlicher Direktor der Intensiv- und Notfallmedizin der RKH-Kliniken im Landkreis Karlsruhe

Dass sich die Anzahl der belegten Intensivbetten normalisiere, bedeute noch lange keine Entspannung. „Wenn Betten dort leer stehen, heißt das nicht, dass wir nichts zu tun haben“, so Schuster. Man halte schließlich mehr Kapazitäten vor als üblich.

Ein Drittel der Betten sind Corona-Stationen gewichen

Rund ein Drittel der Betten in Bretten und Bruchsal mussten für Corona-Schwerpunkt-Stationen weichen. Zahlreiche Operationen, die traditionell die Intensiv-Kapazitäten belegen, wurden verschoben. Das könne man jedoch nicht unbegrenzt so fortführen. „Irgendwann wollen die schmerzgeplagten Patienten versorgt werden“, betont Schuster.

Diese beinahe ein Jahr andauernde Belastung durch Corona macht sich auch finanziell in den Kliniken bemerkbar. „Wir kämpfen um jeden Cent“, sagt RKH-Geschäftsführer Jörg Martin. Wenn die Fallzahlen weiter hoch bleiben, brauche man jede Unterstützung. Prognosen des Landkreises Karlsruhe zufolge, fehlen im Jahr 2021 in den Kliniken in Bretten und Bruchsal rund 548.000 Euro.

Dennoch stehen weitere Investitionen an, die auch dem Kreis als Träger Geld abverlangen. Dazu zählt unter anderem der Neubau des OP-Bereichs in Bruchsal.

Kreistag beschließt Prämie für Klinikpersonal

Zusätzlich beschloss der Kreistag eine Anerkennungsprämie: 1.000 Euro pro Vollzeitäquivalent, die im ersten Quartal ausbezahlt werden. Am Standort Bruchsal profitieren davon 946, am Standort Bretten 387 Mitarbeiter, die dort mindestens drei Jahre angestellt waren.

Damit der Betrieb am Laufen bleibt, gibt es weiterhin strikte Vorschriften: Alle Patienten werden zwei Mal pro Woche mit einem Abstrich auf Corona getestet, erklärt Susanne Stalder, Regionaldirektorin der RKH-Kliniken in Bretten und Bruchsal. Bei den Mitarbeitern gehe man genauso vor.

Wir haben uns dazu entschieden, das ‘und’ aufrechtzuerhalten und sehen die Kombination aus FFP2-Maske und Test als erhöhtes Sicherheitslevel.
Stefan Weiß, Krisenstabsmanager der Regional Kliniken Holding

Auch für Besucher oder externe Dienstleister wie Handwerker gelten strenge Vorgaben: Neben dem Tragen einer FFP2-Maske ist ein negativer Corona-Test Pflicht. Das wurde zunächst so in der Corona-Verordnung Anfang Januar festgelegt, sagt Stefan Weiß, RKH-Krisenstabsmanager.

Eine Woche später sei die Vorgabe, beide Kriterien erfüllen zu müssen, revidiert worden. „Wir haben uns dazu entschieden, das ‘und’ aufrechtzuerhalten und sehen die Kombination aus FFP2-Maske und Test als erhöhtes Sicherheitslevel“, erklärt Weiß.

Fehlender Impfung sorgt für Frust in den Kliniken

Beim Thema Impfung seien viele der Mitarbeiter hingegen frustriert, sagt der Ärztliche Direktor Martin Schuster. „Es wäre schön gewesen, wenn es für die Impfung einen geregelten Ablauf gegeben hätte“, kritisiert er.

Die Situation zehre an den Nerven. Schließlich seien rund 20 Prozent des Personals in der Vergangenheit positiv auf Corona getestet worden. Um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten, sei es daher wichtig, die Mitarbeiterzu schützen. Die Bereitschaft sei da, der Impfstoff fehle.

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