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Wie im Mittelalter

Fachwerk-Dorado: Ein Ausflug nach Eppingen im Kraichgau

Die Altstadt von Eppingen gibt es zahlreiche historische Fachwerkhäuser. Was es damit auf sich hat, erzählt das Museum „Alte Universität“.

Das Kraichgau-Städtchen Eppingen ist für seine vielen historische Fachwerkhäuser bekannt. Foto: Konrad Plank

Ein Spaziergang durch Eppingens Gassen ist gefährlich. In gewissem Sinne jedenfalls. Denn mit jedem Schritt verwandelt man sich mehr in Hans- Guck-in-die-Luft und vergisst auf die Straße zu sehen.

Der Blick wandert die Hausfassaden hoch, bleibt einen Moment an einer geschnitzten Rosette oder einem verzierten Balken hängen und geht dann weiter zu den kleinen, kunstvoll umrahmten Fenstern im Giebel.

Dass Besucher wie die Struwwelpeter-Figur durch Eppingen spazieren, überrascht nicht. Das Städtchen in der Region Heilbronn-Franken gehört zu den Orten in Deutschland, in denen Fachwerk das Stadtbild prägen. Im historischen Zentrum gibt es rund 120 Häuser mit fast vollständig freigelegtem Holzskelett.

Eppingen beeindruckt durch prachtvolles Fachwerk

Das Besondere ist: Viele Gebäude stammen aus dem Mittelalter. Das Baumannsche Haus wurde um 1582 errichtet – in einer Zeit, als in Eppingen Wohlstand herrschte und man sich offenbar fünfstöckige Bauten mit aufwendigen Holzkonstruktionen und viel Schnickschnack leisten konnte.

Das Baumannsche Haus gilt als das schönste Fachwerkhaus Süddeutschlands. Foto: Petra Hirschel

Das imposante Bürgerhaus gilt als eines der schönsten Fachwerkbauten in Süddeutschland. Eine noch längere Geschichte hat die „Alte Universität“. Bereits 1495 stand das größte und höchste Fachwerkhaus Eppingens an der Ecke von Fleischgasse und Altstadtstraße. Metzger und Kaufleute boten in seinen Räumen einst ihre Waren an, die oberen Geschosse dienten als Speicher.

Für eine kurze Zeit gingen Gelehrte in der „Alten Universität“ ein und aus: Als 1564 die Pest in Heidelberg grassierte, zog ein Teil der Universität nach Eppingen. Die Professoren und Studenten verabschiedeten sich zwar bald wieder, der Name „Alte Universität“ aber blieb. In ihr ist heute ein Museum untergebracht.

In der „Alten Universität“ in Eppingen ist das Fachwerkmuseum untergebracht. Foto: Petra Hirschel

Wer die knarrenden Stufen bis unter den Dachstuhl erklimmt, bewegt sich durch Eppingens Geschichte – von der Eiszeit über das Mittelalter in die Neuzeit. Dabei wird vom Leben und Alltag der Menschen im Kraichgau erzählt.

Blick in die Vergangenheit: In der „Alten Universität“ ist ein historischer Kaufladen ausgestellt. Foto: Petra Hirschel

Doch nicht nur das: Die sehenswerte Ausstellung widmet sich dem Thema Fachwerk. Filigrane Modelle helfen Besuchern, den Aufbau der Holzkonstruktionen zu verstehen. Weshalb ist das schmale Ackerbürgerhaus in Eppingen ein Zeugnis gotischer Baukunst? Wie hält das riesige Dach des Loire-Schlosses Sully? Warum ist der Turm der Kathedrale von Amiens ein Meisterwerk?

Modelle von Fachwerkbauten gibt es im Eppinger Fachwerkmuseum. Foto: Petra Hirschel

Die Ausstellung nimmt immer wieder auch Kinder an die Hand. Sollten die Mini-Häuser, der Mammutzahn oder der alte Kaufladen sie dann irgendwann langweilen: Im Erdgeschoss befindet sich eine kleine Feuerwehrausstellung. Die jungen Besucher können beim Gucken sogar Feuerwehrhelme tragen.

Hätte Eppingen nicht die Landesgartenschau wegen Corona um ein Jahr verschoben, würden Gäste der Stadt spätestens nach dem Museumsbesuch den Fachwerkpfad ansteuern. Doch der Weg zwischen Altstadt und Bahnhof ist momentan gesperrt. Er liegt auf dem Gartenschau-Gelände.

Über die B293 gelangen Autofahrer nach Eppingen. Foto: BNN

Ottilienberg und Jägersee sind nahe Ziele

Genug Fachwerk? Der Besuch Eppingens lässt sich schön mit einem Ausflug in die Umgebung verbinden. Vor der Haustür, im Süden der Stadt, befindet sich der Naturpark Stromberg-Heuchelberg. Das nächste Ziel ist keine sechs Kilometer vom Zentrum entfernt: der Ottilienberg und seine pittoreske Wallfahrtskapelle. Bei gutem Wetter reicht der Blick von der Anhöhe aus bis zum Schwarzwald und Pfälzerwald.

Unterhalb des Ottilienberges versteckt sich im Wald der idyllische Jägersee. Vor allem Familien zieht es hierher. Sie halten nach Vögeln und Fischen Ausschau und folgen dann dem „Eppinger Waldfühlpfad“, der sich drei Kilometer zwischen den Bäumen hindurchschlängelt und zum Hören, Fühlen und Entdecken einlädt.

Fachwerkstadt Eppingen: Museum, Anfahrt, Rundgang

Kurzsteckbrief: Eppingens Altstadt ist bekannt für ihre vielen historischen Fachwerkhäuser. Die Stadt ist daher Teil der Deutschen Fachwerkstraße, die im Zickzack von der Elbe an den Bodensee verläuft und rund 100 Städte miteinander verbindet.

Anfahrt: Von Karlsruhe aus auf der B293 nach Eppingen, es gibt mehrere Parkplätze in der Nähe der Altstadt. ÖPNV-Nutzer fahren mit der S4.

Museen: Das Stadt- und Fachwerkmuseum „Alte Universität“ ist täglich außer montags von 14 bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos. In der Stadt gibt es weitere Museen.

Rundgang: Ein Spaziergang auf eigene Faust erleichtert der Flyer „Historischer Stadtrundgang“, als Download unter www.eppingen.de. Außerdem gibt es geführte Rundgänge, Anmeldung unter Telefon (07262) 9201155 oder (07262) 9201501.

Radfahren: Eppingen liegt an zwei Etappen einer Radtour entlang der Deutschen Fachwerkstraße: Mosbach nach Eppingen (64 Kilometer), Eppingen nach Bietigheim-Bissingen (45 Kilometer). Den Flyer gibt es als Download unter www.deutsche-fachwerkstrasse.de.

Landesgartenschau: Die für 2021 geplante Veranstaltung wurde wegen Corona auf 2022 verschoben. Der neue Termin ist 20. Mai bis 2. Oktober 2022.

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