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Verlierer und Gewinner im Erntejahr 2021

Kleine Körner, aber dennoch zufrieden: Die Landwirte im Kraichgau ziehen Bilanz zum Erntejahr

Der Sommer mit seinen vielen Wetterwechseln macht sich bei der Ernte bemerkbar. Die Getreidebauern sind mit dem Ergebnis der Ernte zufrieden, Spargel- und Erdbeererzeuger sprechen von Verlusten. Bei den Winzern ist die Situation sehr unterschiedlich.

Erntejahr 2021: Getreideernte zwischen Obergrombach und Gondelsheim. Foto: Franz Lechner

„Da habe ich mich getäuscht. So gut wie ich das Erntejahr noch im Juni erwartet habe, ist es leider nicht geworden“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Karlsruhe, Werner Kunz.

Damals hatte der Zeuterner Landwirt gesagt, er erwarte ein gutes bis sehr gutes Erntejahr. Dass jetzt zumindest die Getreide- und Rapsernte „nur“ durchschnittlich war, hatte einen überraschenden Grund. „Die Getreide- und Rapskörner waren ungewöhnlich klein“, berichtet Kunz. Warum das so war, darüber hätten selbst die Fachleute lange gerätselt, erzählt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Ein wenig tun sie es auch heute noch. Aber wahrscheinlich waren zumindest teilweise die vielen Wetterwechsel mit daran Schuld. Vor allem der abrupte Wechsel von kühlen verregneten Tagen zu der kurzen aber sehr heißen Sommerphase im Juli hätte wohl eine negative Rolle gespielt, vermuten die Fachleute. „Das ist nämlich bei uns in der Region meist genau die Zeit, wann die Körner wachsen“, erläutert Kunz.

Aber auch der viele Regen im Hochsommer und die damit verbundenen Pilzkrankheiten hätten das anfangs so gut beginnende Erntejahr beeinträchtigt, sagt Kunz. „Insgesamt war das Jahr für die Getreidebauern in der Region schwierig, aber am Ende war das Ernteergebnis doch noch zufriedenstellend“, fasst er zusammen. Und damit deutlich besser als die Getreideernte bundesweit aussah. Die lag nämlich gut zehn Prozent unter einem Durchschnittsjahr.

Gute Ernte bei Mais und Kartoffeln erwartet

Und wie sieht es bei den Nutzpflanzen aus, die erst jetzt im Spätsommer und Herbst geerntet werden? „Deutlich besser“, sagt Kunz „Auch wenn man den Tag nicht vor dem Abend loben soll, wie man beim Getreide gesehen hat, bei Mais, Soja, Kartoffeln und bei Zuckerrüben erwarten wir derzeit eine gute Ernte.“

Landwirte wie die Familie Franck, die noch Weidevieh halten, bewerten das Jahr auch eher positiv. Im letzten trockenen Jahr mussten wir unsere Rinder oft schon nach zwei Wochen auf eine andere Weide treiben, in diesem Jahr ist das Gras und die Kräuter auf unseren Weiden so gut gewachsen, dass wir unsere Rinder oft mehrere Wochen auf einer Weide stehen lassen konnten, berichtet Paul Franck.

Den richtigen Zeitpunkt zum Heu machen zu finden, sei allerdings nicht leicht gewesen in diesem regenreichen Sommer, „aber insgesamt sind wir auch mit der Menge und der Qualität unseres Heus zufrieden“, sagt seine Frau Trudel Franck.

Nicht ganz so gut sieht der Geschäftsführer und Vorstandssprecher des Verbandes der süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE), Simon Schuhmacher, das Erntejahr. „Das feucht-kalte Frühjahr hat die Erdbeerente um 13 Prozent verringert und die Spargelernte um fast 20 Prozent“, berichtet Schuhmacher und ergänzt: „Ohne die umstrittenen Folientunnel wäre die Ernte noch viel schlechter ausgefallen.“

Bei den Winzern schwankt es

Bei den Winzern ist die Situation sehr unterschiedlich. Der warme und trockene Spätsommer hat das Jahr für viele gerade noch rechtzeitig gerettet. Manche erwarten sogar einen guten Jahrgang, während andere Winzer durch den Falschen Mehltau große Teile ihrer Trauben verloren haben.

„Richtig schlecht war das Jahr für Imker wie Helena Raff aus Linkenheim-Hochstetten. „Wir haben kaum 15 Prozent von einer normalen Honigernte“, berichtet die Berufsimkerin.

Alles in allem war das Erntejahr 2021 also so, wie Erntejahre meist sind: Es gibt Verlierer und Gewinner.

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