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Nach 201.000 Impfungen ist Schluss

Das war’s: Die Kreisimpfzentren in Bruchsal und Sulzfeld sind geschlossen

Erst gab es zu wenige, dann zu viele: Termine in den Kreisimpfzentren Bruchsal und Sulzfeld waren 2021 begehrte Ware. Nach acht Monaten baut der Landkreis beide Standorte einer landesweiten Vorgabe entsprechend wieder ab.

Bis zum letzten Tag waren einige Stühle in der Wartehalle besetzt: Die Kreisimpfzentren sind Geschichte. Die Finanzierung des Landes Baden-Württemberg läuft am 30. September 2021 aus. Somit schließen auch die Standorte in Bruchsal und Sulzfeld ihre Türen. Foto: Janina Keller

Nach 235 Tagen beenden die Kreisimpfzentren in Bruchsal und Sulzfeld ihre Aufgabe. Die Wartebereiche, Arztkabinen und Infoschalter weichen und lassen leere Hallen zurück. Anfang des Jahres waren sie im Eiltempo aufgebaut worden.

Fehlender Impfstoff machte es zunächst schwierig, einen Impftermin zu ergattern. Bürger klickten sich nachts durch das Vergabe-Portal.

Später blieben die Zentren auf ihren Impfstoffen sitzen. Landrat Christoph Schnaudigel (CDU) zieht eine gemischte Bilanz. Nun sollen die Corona-Impfungen landesweit in die Regelversorgung durch die niedergelassenen Ärzte übergehen.

Rund drei Millionen Euro kostete jeder Standort

In acht Monaten ist die Nadel in den Kreisimpfzentren im Landkreis Karlsruhe rund 201.000 Mal gesetzt worden. Davon wurden alleine 24.000 Impfungen in etwa 520 Fahrten durch die mobilen Impfteams verabreicht.

Insgesamt 590 Mitarbeiter waren eingesetzt: darunter 120 Ärzte und 125 Bundeswehrsoldaten. Zahlen, die das Ausmaß der Aufgabe unterstreichen.

Der Ausstieg ist geordneter als der Einstieg.
Christoph Schnaudigel, Karlsruhe Landrat über das Ende der Kreisimpfzentren

„Ohne die Unterstützung der Bundeswehr hätte der Landkreis vieles in der Pandemie nicht leisten können, insbesondere die Kreisimpfzentren“, betont Landrat Christoph Schnaudigel im Abschlussgespräch in Bruchsal am Donnerstag.

Nun schließe man von Seiten der Verwaltung nicht nur die Impfzentren ab, sondern ziehe sich auch aus der Pandemiebekämpfung zurück.

Rund drei Millionen Euro habe der Betrieb jedes der beiden Kreisimpfzentren insgesamt gekostet. Geld, das das Land erstatte. „Der Ausstieg ist geordneter als der Einstieg“, so Schnaudigel weiter.

Ende Januar gingen die Impfzentren an den Start

Im November 2020 wurde der Aufbau der Impfzentren durch das Land Baden-Württemberg gestartet. Kurz vor Jahresende folgte die Eilentscheidung, in Bruchsal und Sulzfeld Kreisimpfzentren in Betrieb zu nehmen.

Einen Monat später gingen die Türen zum ehemaligen Praktiker-Baumarkt sowie der ehemaligen E.G.O.-Halle auf. Der Landkreis Karlsruhe weitete die Betriebszeiten schnell auf sieben Tage die Woche aus.

Zum Abschluss zieht der Landkreis Karlsruhe Bilanz: An den Kapazitätsgrenzen waren die Kreisimpfzentren in acht Monaten nie. Erst fehlte Impfstoff, dann das Interesse an den Terminen. Die Verantwortlichen zeigten sich am Donnerstag in Bruchsal-Heidelsheim dennoch zufrieden. Foto: Janina Keller

Das vorübergehende Aussetzen von Impfungen mit AstraZeneca, mangelnder Impfstoff und die Priorisierung von bestimmten Gruppen stellten die Kreisimpfzentren vor Herausforderungen. Mit dem Start von alternativen Stoffen wie Johnson&Johnson sowie Moderna im Frühjahr und Sommer verbesserte sich die Lage.

Aus Terminknappheit wurde innerhalb weniger Tage Terminüberschuss. Schließlich war gar kein Termin mehr nötig. Bis zum 15. Oktober soll der Abbau der Standorte erledigt sein.

Mobile Impfteams sind weiter für Kommunen buchbar

Der Landkreis ist an beiden Standorten lediglich Mieter. Der Vertrag laufe aus, dringende Nutzungskonflikte gebe es keine, teilte Knut Bühler, Erster Landesbeamter, bereits im Sommer mit.

Bis Ende des Jahres stünden den Kommunen weiterhin die Mobilen Impfteams für Aktionen vor Ort zur Verfügung, ergänzt er am Donnerstag. Diese sind in Heidelberg und Karlsruhe angesiedelt.

Am Anfang hatten wir keinen Impfstoff. Als wir ihn dann hatten, hat das Interesse daran gefehlt.
Christoph Schnaudigel, Karlsruhe Landrat über die Bilanz der Kreisimpfzentren

Landrat Schnaudigel erinnert sich an den Beginn der Planungen: „Aus Provisorien haben wir schnell einen funktionierenden Betrieb gemacht.“ Allerdings seien die Kreisimpfzentren nur wenige Tage auf Volllast gelaufen.

„Am Anfang hatten wir keinen Impfstoff. Als wir ihn dann hatten, hat das Interesse daran gefehlt“, betont er.

„Wenn alle das Angebot genutzt hätten, hätten wir eine höhere Impfquote.“ Doch das Ende der Zentren bedeute keineswegs das Ende der Impfungen. Das sei nun aber wieder originäre Aufgabe der Ärzte.

Hausärzte übernehmen das Impfen künftig komplett

Die Herausforderungen innerhalb der vergangenen Monate habe man gemeistert, resümiert Dieter Hassler, Ärztlicher Leiter der Kreisimpfzentren, abschließend.

Verärgerte Bürger, Diskussionen um den Impfstoff AstraZeneca oder die Priorisierung der Impfberechtigten hätten die Arbeit nicht immer leicht gemacht. Von großer Bedeutung für die internen Abläufe sei zudem des Apothekenpersonal gewesen. „Keine einzige Dosis haben wir weggeworfen“, sagt Hassler.

Sonst gehen die Patienten woanders hin und Impfmuffel schauen am Ende blöd aus der Wäsche.
Dieter Hassler, Ärztlicher Leiter der Kreisimpfzentren über die Aufgabe der Hausärzte

Bis zuletzt seien insgesamt rund 500 Personen pro Tag zur Impfung an beiden Standorten erschienen. Dass man nun stattdessen das Angebot der Hausärzte annehme, müsse sich in den kommenden Wochen einspielen. Die wiederum sieht Hassler in der Pflicht, auch Termine zu vergeben. Das regle sich aber durch den Wettbewerb untereinander, ist er sicher. „Sonst gehen die Patienten woanders hin und Impfmuffel schauen am Ende blöd aus der Wäsche.“

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