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Auszeichnung für Arbeitgeber

Vorzeige-Unternehmen im Kreis Karlsruhe zählen Ehrenamt als Arbeitszeit

Michael Raab und Norbert Buhlinger müssen sich nicht zwischen ihrem Wunsch, Leben zu retten, und ihrem Vollzeit-Job entscheiden. Ihre Arbeitgeber stellen sie für die Einsatz beim DRK und den Maltesern frei.

Ein Sanitäter im Einsatz überprüft den Blutdruck einer verunglückten Person (Symbolbild) Foto: Rake Hora

Wenn der Pieper von Norbert Buhlinger los geht, packt er seine Sachen und fährt los. Zu welcher Tageszeit der Alarm eintrifft, spielt dabei keine Rolle. In der Nacht für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Einsatz zu sein, ist die eine Sache. Buhlinger kann seiner Aufgabe als sogenannter First Responder – sprich Ersthelfer – aber auch während der Arbeitszeit nachgehen. Möglich wird das durch die Unterstützung seines Arbeitgebers.

„Viele meiner DRK-Kollegen bekommen diese Möglichkeit nicht. Also können sie im Notfall nicht ausrücken“, sagt Buhlinger. Schon am Wochenende sei es schwer, ausreichend Einsatzkräfte zusammen zu bekommen. An Wochentagen ist das kaum möglich. „Ich hingegen muss bei einem Alarm nur schnell im Büro Bescheid geben, dass ich weg bin.“

Drei Unternehmen im Landkreis Karlsruhe wurden vom Land geehrt

Sein Geld verdient Buhlinger als Service-Techniker bei „Rowi Schweißgeräte und Elektrowerkzeuge Vertrieb“ in Ubstadt-Weiher. Das Unternehmen wurde 2019 als eines von insgesamt drei vom Land Baden-Württemberg als „ehrenamtsfreundlicher Arbeitsgeber im Bevölkerungsschutz“ ausgezeichnet. Die beiden weiteren sind Blanc und Fischer IT Services in Oberderdingen und SEW in Bruchsal.

Norbert Buhlinger ist seit rund 35 Jahren ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr und beim Deutschen Roten Kreuz aktiv. Foto: Michelle Buhlinger

Rund 38 Jahre widmet Buhlinger seine Freizeit bereits dem Ehrenamt – in der Freiwilligen Feuerwehr Bruchsal sowie dem DRK-Ortsverein Stettfeld. Dass Wohn-, Arbeits- und Einsatzort nahe beieinander liegen, macht seinen Einsatz erst möglich. „So bin ich als Ersthelfer nach wenigen Minuten schon beim Patienten. In den meisten Fällen kommt der Rettungswagen nach mir an“, erzählt Buhlinger. Dass er am Arbeitsplatz keine langen Erklärungen abgeben muss, schätzt er daher umso mehr. „Im Ernstfall entscheidet jede Minute.“

Konsequenzen wie Minusstunden oder Lohnausfälle gibt es keine

Zwischen 30 Minuten und bis zu zwei Stunden könne so ein Einsatz dauern, sagt Buhlinger. 60 bis 80 Stück fahre Buhlinger im Jahr. Die Hälfte davon ereigne sich während seiner regulären Arbeitszeit. Seine Arbeitsstunden im Anschluss nachholen oder gar anteilig auf Lohn verzichten, muss Buhlinger nicht. Auf einen Lohnausgleich, wie er etwa von Kommunen für Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr gezahlt werde, könne sein Chef Klaus Wieser nicht zugreifen.

Die Gesundheit ist das Wichtigste, alles Monetäre folgt danach.
Klaus Wieser / Geschäftsführer

Für Wieser ist die Toleranz gegenüber dem Ehrenamt jedoch eine Selbstverständlichkeit. Bereits seine Eltern hätten das im Familienunternehmen immer unterstützt. „Wenn man schon einmal selbst Erfahrungen damit gemacht hat, dass ein Helfer so schnell da war, steht das außer Frage“, meint Wieser. Neben Buhlinger sind noch zwei weitere seiner Mitarbeiter ehrenamtlich aktiv. Im Ernstfall könne es passieren, dass alle drei gleichzeitig im Einsatz seien. „Das sind knapp zehn Prozent der Belegschaft“, so Wieser. „Die Gesundheit ist das Wichtigste, alles Monetäre folgt danach.“

Arbeit könne bei Rowi sicher nicht einfach liegenbleiben, betont Wieser. Bei Verzögerungen drohen dem Unternehmen Strafen der Kunden. „Man kann einen lockeren Umgang und trotzdem Erfolg haben“, sagt er. Das eine schließe das andere nicht aus. Sein Team aus etwa 37 Personen vergleicht er mit einer Sportmannschaft: Wenn ein Mitarbeiter nicht alle Aufgaben erledigen könne, springe ein anderer ein. „Nur aus diesem Grund funktioniert das“, so Wieser. Das gehöre zur Unternehmensphilosophie.

Privates Engagement spiegelt sich wider

Eine bedeutende Rolle spricht auch Jörg Jahn, Leiter des SWE-Qualitätsmanagements, dem Ehrenamt bei der Verleihung der Auszeichnung zu: Das Engagement der Beschäftigten strahle über das Unternehmen hinaus und komme diesem letztlich wieder zugute. „Wer sich privat auf diese Weise einbringt, der tut das meistens auch bei der Arbeit“, meint Wilma Berweiler, Pressesprecherin von SEW.

Es ist eine Herausforderung, Menschen zu finden, die das noch leisten können.
Michael Raab / Ehrenamtlicher Helfer bei den Maltesern

Mehr als 35 Jahre hilft Michael Raab, Mitarbeiter bei SEW, als Rettungsassistent bei den Maltesern mit. Um bei Notfällen tagsüber rechtzeitig am Einsatzort zu sein, müsse man auch im Einsatzgebiet arbeiten. „Es ist eine Herausforderung, Menschen zu finden, die das noch leisten können“, sagt Raab, Stadtbeauftragter der Malteser in Bruchsal. „Wir sind die Unterstützung für den hauptamtlichen Rettungsdienst, wenn dort die Fahrzeuge sowie das Personal nicht ausreichen.“

Einfach weiterarbeiten schaffen die Ehrenamtlichen nicht immer

Im Schnitt fahre er fünf bis zehn Einsätze pro Jahr in der Arbeitszeit. Anschließend kehre er ins Büro zurück und arbeite weiter. „Wenn wir zum Beispiel nur die Feuerwehr absichern, geht das problemlos“, sagt Raab. Besonders schwere Unfälle könne man aber nicht so leicht beiseite schieben. „Dann ist es sowohl für mich als auch für die Kollegen besser, wenn ich den restlichen Tag zuhause bleibe.“ Seine Arbeit müsse dann aber niemand für ihn übernehmen.

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