Der Bestand an Aalen hat am Oberrhein und seinen Nebenflüssen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, wie eine Zählung am Fischpass Rheinau/Gambsheim ergab. Die genauen Hintergründe und Auswirkungen werden noch erforscht. | Foto: dpa

Zählung an Fischtreppe Rheinau

2018 war Rekordjahr der Aale

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2018 war ein Rekordjahr an der Fischtreppe: So viele Aale wie noch nie überwanden das Bauwerk, seit es 2006 in Betrieb genommen wurde. Insgesamt 70.678 dieser Langdistanzwanderer zählten Biologen zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember des vergangenen Jahres. Zum Vergleich: Laut Fünf-Jahresdurchschnitt sind am Gambsheimer Fischpass 9.926 Aale zu erwarten. Das bisherige Maximum von 27.930 Aalen aus dem Vorjahr ist somit bei weitem übertroffen.

Biologe Frederic Schaeffer von der französischen Association Saumon-Rhin hat dafür mehrere Erklärungen: „Aale mögen Wassertemperaturen von mindestens 20 Grad. Aufgrund des langen Sommers 2018 war das Wasser des Rheins überdurchschnittlich warm.“ Das Wasser heizte sich von Mitte Juli bis Ende August auf 25 bis 27 Grad auf. Ein weiterer Grund ist die seit der Sandoz-Katastrophe 1986 erfolgreiche Wiederansiedlung des Aals im Rhein.

Videokamera erfasst Aale

Wie ermitteln die französischen Experten die Fischarten? Eine Videokamera erfasst die Wassertiere an einem Durchfluss der Fischtreppe hinter einer dicken Glasscheibe. Dabei rauscht das Wasser mit 1,5 Kubikmeter pro Sekunde vorbei. Die Kamera übermittelt die Bilder an einen Computer. Biologen werten diese Aufnahmen aus. Zudem unterstützt der Fischereiverein Freistett die französischen Biologen an der Fischtreppe, wenn zu Forschungszwecken Lachse gefangen werden. Die Erforschung des Fischbestands im Rhein ist nach Worten Schaeffers ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt.

Wasser war zu warm

Des Aals Freud, ist der anderen Fischen Leid: Bei weiteren Arten der Langdistanzwanderer wie Meerforelle, Maifisch, Lachs und Meerneunage verzeichnete Schaeffer am Fischpass einen deutlichen Rückgang: „Den anderen Fischarten war das Wasser einfach zu warm“, so der Biologe. Zählte die Association Saumon-Rhin in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 82 Lachse bei Gambsheim, waren es 2018 nur 49, der Rekord von 152 aus dem Jahr 2015 wurde bei weitem unterboten. Noch deutlicher ist der Rückgang bei der Meerforelle. Im vergangenen Jahr erfasste die Kamera 32 dieser Exemplare, bei einem Fünf-Jahres-Schnitt von 82. Ein ähnliches Bild bei den Kurz- und Mitteldistanzwanderern wie Bachforelle, Barbe, Nase und Rapfen. Eine Ausnahme bilden Brachse (5.885 Stück, Durchschnitt bei 2.651) sowie Welse (193 statt durchschnittlich 71).

Biologe Frederic Schaeffer kontrolliert in der Fischtreppe eine Kamera, welche die Wassertiere erfasst. | Foto: Christian Schäfer

Höhepunkt der Wandersaison im Juni und Juli

Laut Schaeffer beginnt die Haupt-Wandersaison der Fische im April, ihren Höhepunkt erreicht sie Juni und Juli, bevor die Wanderung im September abebbt. Bereits im März machen sich Arten wie Nasen auf den Weg: „Ab zehn Grad Wassertemperatur fangen die Wanderbewegungen an“, weiß Schaeffer. Bei zu hohen Wassertemperaturen sind die meisten Fische indes nicht unterwegs. Sie bleiben am Grund des Rheins sowie in seinen Nebenflüssen und bevorzugen Stellen, wo frisches, kühles Grundwasser in das Gewässer eindringt. Aufgrund der hohen Wassertemperatur sei, so der Biologe, jedoch kein Fisch zu Schaden gekommen. So zermalmen Turbinen des Cerga-Kraftwerks zehn bis 20 Prozent der Aale, weil sie nicht in die Nebenströmung zum Fischpass gelangen.

Mehr Fischpässe gefordert

Für den Biologen steht fest: „Es müssen mehr Fischpässe gebaut werden.“ So wird stromaufwärts bei Gerstheim demnächst eine Fischpass vollendet. Ebenso sind bei Rhinau, Marckolsheim und Vogelgrün weitere Fischtreppen geplant, da sich oberhalb von Breisach Laichplätze befinden und auch Fische aus Schweizer Gewässer in den weiteren Verlauf des Rheins gelangen sollen. Bei Iffezheim ist ebenfalls eine Fischtreppe in Betrieb. „Dort werden wegen der Ill-Mündung meistens doppelt so viele Fische gezählt als in Gambsheim. Ob und wie sich der Klimawandel sich auf die Wanderbewegungen der Rheinfische auswirkt, wagt Frederic Schaeffer nicht zu analysieren. „Es ist normal, dass die Wassertemperatur des Rheins immer wieder schwankt“, stellt der Biologe klar. Genaue Auswirkungen gelte es noch zu erforschen.