Beim Landschaftstreffen Schwarzwald ziehen Teilnehmer der Gruppe «Narrenzunft Waldsee e.V.» bei einem Umzug durch die Innenstadt von Offenburg. 46 Zünfte kommen bei dem Narrentreffen zusammen. Der Veranstalter erwartet rund 25 000 Zuschauer. | Foto: Uli Deck

Umzug in Offenburg

25.000 Besucher bei „Narrengipfel“

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Was für ein närrisches Wochenende! Bereits der 41. Offenburger Narrentag am Samstag wurde bei Frühlingstemperaturen von einer Zuschauerwoge heimgesucht. Die ebbte nicht ab, als der Mammutnarrenbaum gestellt wurde und der Nachmittag in eine halbe „Freinacht“ überging, wobei die natürlich nichts mit „kostenlos“ zu tun hatte, sondern mit verkürzter Sperrzeit. Und dann erst der Sonntag: Zehntausende standen beim Treffen der Althistorischen Narrenzunft zum 175. Geburtstag an den Straßen und jubelten den Gast- und lokalen Zünften zu. Wohl nie in der Geschichte des Narrentags gab es jemals mehr Publikum als am Samstag, bei gleichem Programm. Vorfrühlingshaftes Wetter lockte mehr als 25.000 Besucher nach Offenburg.

Der Narrentagsumzug lebt von der Vielfalt der örtlichen Zünfte, aber auch von der Kreativität der Privat-, Familienzentrums- und Schulgruppen. Mehrere nahmen Umweltfrevel oder Klimakatastrophe aufs Korn. Deftig zum Teil die Anklage der Kleinen: „Wir sind der Umwelt verpflichtet – ihr habt sie vernichtet!“ Auch die Lokalpolitik wurde thematisiert, etwa durch die Eltern-Kind-Gruppe Bühl: „Das Krankenhaus darf nicht hierher – wir haben so schon viel Verkehr!“

Auch Gäste aus Malsch marschieren mit

Auch Musikkapellen und Guggemusiken mit so witzigen Namen wie „Schnoogesurrer“ und „Nodepuuper“, „Knallfrosch-Combo“ und „Bläch Forest Guggys“ marschierten im Pulk, auch Funkenmariechen und, natürlich, die prächtigen Spättle der Althistorischen Narrenzunft und der Hexenzunft, beide für Roland Wehrle, den Präsidenten der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN), grandiose Verbandsvertreter. Zu Gast in Offenburg auch viele Gäste, darunter eine zehnköpfige Mädelsgruppe aus Malsch, als Nachteulen verkleidet. „Einmal im Jahr gehen wir an Fastnacht weg, wir waren auch schon in Lindau und Wolfach. Wir hatten irgendwann Kontakt zum Fanfarenzug der Althistorischen“, sagte Konni Junker.

Narrenbaum misst 35,60 Meter

Ein Blickfang war auch der Narrenbaum: „Super!“, freute sich Markus Vollmer beim Blick vom Rathausbalkon herab auf die riesige Menschenmenge. Der 45-Jährige ist „Ordensmeister“ des „Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stocken“, der Narrenzunft Stockach. Er moderiert das Aufstellen des „genau 35,60 Meter“ hohen Baumes. Der Zimmergilde, eine Gliederung der Zunft, ebenfalls VSAN-Mitglied, war es vorbehalten, den Baum zu stellen. Warum Stockach? „Wer sonst?“, fragt Vollmer zurück. Niemand in der Region könne sonst so was – „ach was, global!“ Bis zu 33 Leute seien beim Stellen solcher Kaventsmänner im Einsatz. Viel Muskelkraft sei gefragt, immer wieder müsse gezogen, immer wieder die Stützpfosten verstellt, zudem auf die Sicherheit geachtet werden. Nach zwei geschlagenen Stunden stand der Baum.

Liveübertragung im Fernsehen

Um den Narrenbaum herum fand zur offiziellen Eröffnung des großen Narrentreffens der „Landschaft Schwarzwald“ später noch ein Narrenspiel der Jubiläumszunft, ein Feuerwerk sowie ein Auftritt der „Narrenbolizei Hausach“. Nach dem Auftritt der „Klepperles“-Kinder aus Gengenbach, Waldkirch und Haslach setzte sich kurz vor 14 Uhr, die Stadt war von buntbekleideten Menschen übersät, der „Festumzug“ mit Tausenden von Narren in Bewegung. Am Mikrofon der Rottweiler Narren-Professor Werner Mezger, außerdem Sonja Faber-Schrecklein, Anina Wenderoth und Matthias Drescher. Über Stunden hinweg, mit Liveübertragung im SWR-Fernsehen, ließen sie Tausende von Narren aus der Vereinigung – von Rottenburg bis Willisau in der Schweiz – passieren, angereichert um Hästräger aus den Offenburger Ortsteilen, aus Durbach und Ortenberg.

(hrd)