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Demo zum Grundgesetzjubiläum

3500 Acherner Schüler gehen für Demokratie auf die Straße / Schäuble zu Gast

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Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes haben sich die Schulleiter in Achern gemeinsam mit der Stadtverwaltung ein ganz besonderes Geschenk ausgedacht: Am 23. Mai werden 3500 Schüler ins Hornisgrindestadion einziehen und ihre Solidarität mit der deutschen Verfassung verkünden.

Zehn Prozent würden die AfD wählen. Das musste die geschäftsführende Schulleiterin Karin Kesselburg bei einer simulierten Bundestagswahl in ihrer Klasse feststellen. Mit der Absage an die europäische Gemeinschaft, durch die viele Rechtspopulisten sich zu profilieren suchen, sieht Kesselburg auch den europäischen Wertekanon und den Frieden in Gefahr.

Jubiläum als Chance

Im 70-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes erkannte Kesselburg zusammen mit ihren Schulleiterkollegen und der Stadtverwaltung die Chance, die demokratischen Werte auch einer Generation ins Gedächtnis zu rufen, für die die Machtergreifung der NSDAP ein ähnlich historisches Datum zu werden droht wie der Dreißigjährige Krieg.

Beispielloses Vorhaben

Aus dieser Zusammenarbeit der Acherner Schulen und der Heimschule Lender ist ein beispielloses Vorhaben entstanden, das in seiner Größenordnung manche Schüler vor Ehrfurcht und manche Lehrer vor Stress erschauern lässt: Am 23. Mai werden 3 500 Schüler, ausgerüstet mit Bannern und Transparenten, in einem großen Festzug ins Hornisgrindestadion einziehen.

Die Kosten liegen schon im fünfstelligen Bereich

Für die Menschenwürde

Dort werden Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse unter anderem in Form von Vorträgen, Filmen und Musik ihre Solidarität mit der demokratischen Idee bekunden und sich gegen die Missachtung der Menschenwürde aussprechen.

Von Klein bis Groß

„Was wäre, wenn es das Grundgesetz nicht gäbe?“– das ist die Frage, die die Vorbereitungen zu diesem Großereignis an den Schulen vorangetrieben hat. Von den kleinsten Grundschülern, die einen Friedenstanz eingeübt haben, bis zu den Großen, die im Geschichtsunterricht mit den Lehrern ihren persönlichen Zugang zum Gesetzestext erarbeitet haben.

2600 Gedanken

Udo Lindenbergs „Wir ziehen in den Frieden“ ist die Hymne, die die Schüler seit Wochen einstudiert haben, um sie am 23. Mai gemeinsam anstimmen zu können. Im Stadion werden die Schüler nicht nur ihre Banner und Transparente, sondern auch 2 600 Baumscheiben, auf denen sie ihre individuellen Gedanken zum Grundgesetz verfasst haben, auf eigens angelegten Gestellen anbringen.

Diskussion mit Bundestagspräsident

Die Schulbands von Lenderschule und Gymnasium werden die Tribüne in eine Bühne verwandeln, bevor sich alle Schüler in einer konzertierten Aktion versammeln, um den Schriftzug „70 GG“ zu bilden, der von einer Drohne dokumentiert werden soll. Das Video wird am Folgetag im Bürgersaal des Rathauses um 19 Uhr Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble präsentiert, bevor dieser, gemeinsam mit den älteren Schülern, über die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung diskutieren wird.

Unterstützung für den guten Zweck

Da die Kosten „im fünfstelligen Bereich“ liegen, freuten sich die Verantwortlichen über die Mithilfe der Bürgerstiftung und der Sparkasse sowie weitere Spenden. Auch die beteiligten Sach- und Dienstleister zeigten sich gegenüber dem guten Zweck erkenntlich. Für den Festzug werden am 23. Mai von 8.30 Uhr an die Kaiser-Wilhelm- sowie die Berliner Straße bis zum Friedhof einstündig gesperrt, bevor die Sperre um 9.30 Uhr zum Engert vorgezogen wird, um den Verkehr zu entlasten.