Den Mount Vinson, den höchsten Berg von Antarktika, hat Ralf Dujmovits auf früheren Expeditionen schon mehrfach bestiegen. Jetzt zieht es ihn auf die Antarktische Halbinsel. | Foto: Dujmovits

Ralf Dujmovits aus Bühl

Abenteuer im Eis der Antarktis

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Mehr als 13 500 Kilometer sind es von Bühl bis nach Ushuaia. Doch die Hauptstadt der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (deutsch: Feuerland) am südlichen Zipfel Südamerikas ist erst der Ausgangspunkt für Ralf Dujmovits’ nächstes großes Abenteuer: Es führt ihn in diesem Winter in die Antarktis. Der Bühler Profibergsteiger – der einzige Deutsche, der bislang auf allen Achttausender-Gipfeln dieser Erde stand – und seine kanadische Partnerin Nancy Hansen begleiten eine international besetzte Expedition, die es sich zum Ziel gesetzt hat, als Erste das Plateau der Antarktischen Halbinsel zu durchqueren.

Bergsteiger begleiten internationale Expedition

„Eine solche Chance darf man sich nicht entgehen lassen“, betont Dujmovits mit Blick auf die Anfrage, die an die beiden erfahrenen Alpinisten herangetragen wurde. Sie sollen die Expeditionsteilnehmer auf das 2 500 Meter hohe Plateau sicher hinauf und wieder herunter bringen. Wildes, zerklüftetes alpines Gelände mit Eisbrüchen und großen Gletscherspalten erwartet die Abenteurer in dieser eisigen Region – bei bis zu minus 20 Grad Celsius. Hinzu kommen die Wetterkapriolen: Hoch- und Tiefdruckgebiete wandern um die Antarktis und wechseln sich schnell ab, weiß Dujmovits um die Problematik. „Das Hauptproblem ist jedoch, rauf und runter vom Plateau zu kommen.“
Bereits fünfmal war der 57-jährige Extrembergsteiger aus Bühl in der Antarktis unterwegs (viermal am Mount Vinson, dem mit knapp 5 000 Metern höchsten Berg des südlichsten Kontinents, und einmal in Queen Maud Land). Doch die Antarktische Halbinsel, eine über den südlichen Polarkreis hinausragende Halbinsel der Antarktika, ist auch für ihn Neuland. „Ich freue mich, in einer Region unterwegs zu sein, wo noch Leben ist.“ Pinguine in freier Natur, Seerobben, Seeelefanten und Wale hofft er dabei vor die Augen und Kameralinse zu bekommen.
Kletter-Freuden in Griechenland: Ralf Dujmovits und Nancy Hansen vor den markanten Felsen in Meteora. | Foto: Dujmovits

Kletter in unberührtem Terrain

Und natürlich freuen sich Dujmovits und Hansen auf jede Menge bergsteigerische Abenteuer in unberührtem Terrain. Denn sie werden die Expedition zwar auf das Plateau führen und später wieder herunterbringen, sind aber bei der 150 Kilometer langen Durchquerung nicht dabei. Drei Wochen sind für diese Pionierleistung angesetzt. Während dieser Zeit steht den beiden Bergsteigern die Expeditions-Segeljacht „Icebird“ samt australischer Skipperin und Assistent zur Verfügung, um im Eis der Antarktis und teils direkt im Gewässer zu Gipfeln zu gelangen, von denen bislang keine Besteigungen bekannt sind. Für alle Fälle sind sie per Satellitentelefon mit den Expeditionsteilnehmern in Kontakt, die – ausgerüstet mit Zelten und Schlitten – auf dem Plateau zu Fuß unterwegs sind.
Was bergsteigerisch möglich und interessant ist, das hat Nancy Hansen in einer umfassenden Recherchearbeit ausgelotet, den Mount Cloos North beispielsweise, der 1 100 Meter aus dem Wasser ragt, oder den Mount Wandel (980 Meter) auf Booth Island. Das ist alles ziemlich spannend, denn es ist überhaupt nichts bekannt von diesem Bergen“, sagt Dujmovits.

Tango Argentino zu Weihnachten

Am 23. Dezember werden sie nach Buenos Aires, Argentiniens Hauptstadt, aufbrechen. Dort ist momentan Sommer, und so wird an Weihnachten auf den Straßen getanzt, weiß Dujmovits von früheren Aufenthalten – feuriger Tango Argentino also statt „Oh du fröhliche“ unter Schwarzwaldtannen. Dann geht es durch den Beagle-Kanal auf die Insel Navarino im chilenischen Teil Feuerlands. Von dort schippert das zehnköpfige Expeditionsteam dreieinhalb Tage per Segelschiff über die Drake-Passage, bis das eigentliche Abenteuer im ewigen Eis beginnen kann.

Zahlreiche Expeditionen weltweit hat Ralf Dujmovits in seiner langen Bergsteigerlaufbahn bereits unternommen. Doch überwältigt ist selbst er von der Menge an Ausrüstung, die für das Antarktis-Abenteuer notwendig ist: „1 000 Kleinigkeiten“, von gefriergetrockneter Verpflegung, Gummistiefeln und Segel-Utensilien bis zu Skiern und Ausrüstung für schwere Bergtouren. Gilt es doch, für Fels, Eis, Schnee und Segeltörn gleichermaßen gewappnet zu sein. Sogar an einen Holzboden für das Gummiboot ist gedacht, von dem sie von der 17-Meter-Segeljacht an Land übersetzen – was mitunter nur mit angezogenen Steigeisen möglich ist. „Ich habe das Gefühl, wird sind ganz gut unterwegs“, sagt er. Ein Dreivierteljahr dauerte die Vorbereitung. Gerade sind Ralf Dujmovits und Nancy Hansen von einem dreieinhalbwöchigen Aufenthalt in Griechenland zurück. Beim Klettern unter Hellas Sonne haben sie sich „prima vorbereitet“.