Die Beruflichen Schulen in Achern werden Teil eines Tablet-Schulversuchs. | Foto: Sandra Neuburger

Berufliche Schulen in Achern

Achern bekommt PTA-Berufkolleg und Tablet-Schulversuch

Anzeige

Von unserer Mitarbeiterin Sandra Neuburger

Gleich zwei gute Nachrichten hat es für die Beruflichen Schulen in Achern gegeben. Zum einen beteiligen sie sich als eine von vier Schulen im Südwesten am Schulversuch „Tablet-Einsatz in anerkannten Ausbildungsberufen in Baden-Württemberg“. Zum anderen wurde ein PTA-Berufskolleg Anfang dieses Jahres vom Regierungspräsidium in Freiburg endgültig genehmigt – trotz großen Widerstands der Bernd-Blindow Schulen in Baden-Baden. Zum Schuljahr 2019/2020 soll es losgehen.

 „Tablet-Einsatz in anerkannten Ausbildungsberufen in Baden-Württemberg“

Für den Schulversuch wurden 40 Tablets angeschafft. Teils wurden diese über den Förderverein der Schule, der auch Eigentümer der Tablet-Computer ist, und teils über die Betriebe der Auszubildenden gekauft. Die Ausstattung mit dem WLAN-Netz wurde über den Schuletat finanziert. „Darauf bin ich stolz“, sagt Schulleiter Jörg Krauß. „Damit wird die Attraktivität der Schule noch weiter gefördert.“ Das Landesinstitut für Schulentwicklung begleitet das Projekt, indem es regelmäßige Fortbildungen für die Projektleiter anbietet. Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und Konstruktionsbausteine für CAD-Zeichnen sind nur einige Beispiele für die Einsatzmöglichkeiten der Tablets. „Die Schüler sind begeistert“, sagt Krauß. Und auch Ralf Prost, Studiendirektor und Abteilungsleiter Technik ist die Begeisterung für dieses Projekt sofort anzumerken. Dass die Schüler während des Unterrichts die Tablets für andere Zwecke nutzen könnten, bereitet Jörg Krauß keine Sorgen. Der Lehrer habe ein spezielles Programm auf seinem eigenen Tablet das es ihm ermögliche, sich jederzeit einzuschalten.

Regierungspräsidium genehmigt PTA-Berufskolleg

Wie der Schulleiter der Beruflichen Schulen Achern, Jörg Krauß, sagt, hätten sich seine unermüdlichen Bemühungen endlich ausgezahlt. Das Berufskolleg für PTA wurde Anfang dieses Jahres vom Regierungspräsidium in Freiburg endgültig genehmigt. Zum Schuljahr 2019/2020 soll es losgehen.
Vorher müssen, trotz bereits vorhandener Labore, allerdings noch einige Umbauten erfolgen, so Krauß. Es fehlten noch Schülerarbeitsplätze, die unter anderem für Arbeiten mit Chemikalien ausgerüstet seien. Auch personelle Vorbereitungen seien nötig.

Pharmazeutin soll eingestellt werden

So soll zum Beispiel noch eine Pharmazeutin eingestellt werden, hierfür habe er sogar schon eine Bewerberin im Auge. Eine approbierte Apothekerin und eine Ärztin unterrichteten bereits an der Schule, da dort unter anderem auch medizinische Fachangestellte ausgebildet werden, erklärt der Schulleiter. Deshalb passe der Lehrgang auch sehr gut in das Schulprofil. Auch habe seine Schule bislang „zum Glück“ keinen nennenswerten Schülerrückgang zu verzeichnen und damit dies auch so bleibt, müsse man ein „attraktives Angebot“ haben.

Für Ausbildung ist mittlerer Bildungsabschluss nötig

„Es hängen auch Arbeitsplätze dran, dass diese Schule weiterläuft“, so Krauß, der für 85 Kollegen verantwortlich ist. Für die Ausbildung als Pharmazeutisch-technische Assistentin müssen die künftigen Schüler einen mittleren Bildungsabschluss mitbringen. Die schulische Ausbildung selbst dauert zwei Jahre. In dieser Zeit könne, mit ein wenig Zusatzunterricht, auch die Fachhochschulreife erworben werden, erklärt Krauß. Nach Beendigung der schulischen Ausbildung müsse dann noch ein sechsmonatiges Praktikum in einer Apotheke folgen, bevor die Schüler zur Prüfung zugelassen werden.

Apotheken stehen Projekt positiv gegenüber

Um sicherzustellen, dass die Apotheken im Ortenaukreis auch bereit sind, die Praktikanten aufzunehmen, habe Krauß bereits im Vorfeld 107 Apotheken angeschrieben, um deren Bedarf zu ermitteln. Die Rücklaufquote habe bei 70 Prozent gelegen. Die meisten Apotheken stünden dem Projekt positiv gegenüber. Er habe immer wieder Anfragen bezüglich der PTA-Ausbildung bekommen.

Nur zwei weitere staatliche Angebote in der Rheinebene

Es gebe entlang der Rheinebene nur zwei weitere staatliche Angebote in dieser Richtung. Eine Schule sei in Karlsruhe und eine in Freiburg. „Da ist noch viel Raum“, sagt er. Beide Schulen haben „grünes Licht“ für das Vorhaben gegeben, so Krauß. Der Schulleiter plant jetzt erst einmal die Werbetrommel zu rühren. Demnächst soll es einen speziellen Infoabend für die PTA-Ausbildung geben.

Hintergrund: Streit um PTA-Angebot
Lange gewehrt hatten sich die privaten Bernd-Blindow-Schulen in Baden-Baden gegen die Einrichtung eines PTA-Ausbildungsgangs in Achern. Schulleiterin Ulrike Haisch und Schulsprecher Alexander Bulazel kritisieren auch jetzt des Verfahren, das zu der Entscheidung führte. Das Schulgesetz sehe ein Beteiligungsverfahren vor, so Bulazel. Dieses Verfahren habe erst im Nachhinein stattgefunden, so dass sich die Frage nach dem Sinn stelle. Vom Regierungspräsidium habe man nämlich keine Rückmeldung mehr erhalten. Er kritisiert in diesem Zusammenhang, dass Privatschulen bei solchen Entscheidungen außen vor gelassen würden. Man dürfe zwar Stellung nehmen, aber in der Realität würden die Argumente in „keiner Weise berücksichtigt.“
Schulleiterin Ulrike Haisch hält es für „unsinnig, Parallelstrukturen zu schaffen, obwohl die Schülerzahlen sinken.“ Des Weiteren gebe es „ohnehin genug Schulen die PTA ausbilden auf diesem engen Raum“ und das bei „sehr begrenzten Schülerzahlen.“ Laut Haisch ist der Beruf der PTA nicht mehr so attraktiv, dass die „Schüler Sturm laufen.“ Dies könne auch für Achern ein Problem werden. Ab dem Schuljahr 2018 werde die Ausbildung an der privaten Ersatzschule in Baden-Baden kostenfrei sein. Das Privatschulgesetz ermögliche es, laut Alexander Bulazel, den Unterricht für die PTA-Schüler durch eine Erhöhung der Pro-Kopf-Pauschale künftig kostenfrei zu stellen. Sorgen um die Zukunft der Bernd-Blindow-Schulen in Baden-Baden macht er sich nicht.