In vermeintlich "sauberen" Branchen wie beispielsweise in Wäschereien engagiert sich die Mafia in Deutschland. | Foto: Jens Wolf

Verdächtiger war unauffällig

Nach Mafia-Festnahme: „Achern keine Insel der Seligen“

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Die Festnahme eines 36-jährigen mutmaßlichen Angehörigen der ’Ndrangheta in Achern sorgte gestern für reichlich Gesprächsstoff in der Hornisgrindestadt. Die mögliche Verstrickung des Mannes in Angelegenheiten der Mafia und das Schweigen der Ermittlungsbehörden zu Einzelheiten gaben reichlich Anlass zu Spekulationen.

36-jähriger bislang nicht aufgefallen

Oberbürgermeister Klaus Muttach wollte sich daran nicht beteiligen: „Dieser Fall von Kriminalität zeigt jedenfalls, dass wir in Achern nicht auf einer Insel der Seligen leben“, meinte er am Mittwoch. Das jedoch sei keine neue Erkenntnis. Muttach zufolge sei der ursprünglich aus Kalabrien stammende 36-jährige Festgenommene bislang in Achern nicht aufgefallen.

Festgenommener „saß“ im Acherner Revier

Ähnlich äußerte sich Guido Kühn, Leiter des Polizeireviers Achern/Oberkirch. „Wir hatten keine Auffälligkeiten in Sachen organisierte Kriminalität“, sagte er dem „Acher- und Bühler Boten“. Achern sei gewiss nicht „als Zelle der Deutschland-Mafia bekannt gewesen“, so Kühn. Allerdings seien die Beamten an den Ermittlungen ebenso wenig wie an der Festnahme des 36-Jährigen durch Spezialeinheiten beteiligt gewesen. Allerdings sei der Festgenommene in der Nacht zum Dienstag kurzzeitig in einer Zelle des Acherner Reviers untergebracht worden.

Erpressung und Geldwäsche

Ob sich die Sicherheitslage in Achern seit der Festnahme des mutmaßlichen Mafiosi verändert hat? Kühn bleibt im Allgemeinen: „Jeder Straftäter, der nicht mehr da ist, macht Achern sicherer.“
Wie berichtet, wurden bei der auch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière gelobten Aktion gegen die kalabrische Mafiavereinigung ’Ndrangheta mehr als 170 Verdächtige festgenommen, darunter vier Männer im Alter zwischen 36 und 47 Jahren in Baden-Württemberg. Ihnen werfen die Ermittler von Bundes- und das Landeskriminalamt unter anderem Erpressung und Geldwäsche vor.

Clan aus Kalabrien

Die von den italienischen Carabinieri gesteuerte „Operatione Stige“ richtete sich offenbar gegen den Clan Farao-Marincola, der im süditalienischen Kalabrien beheimatet ist. Dem Clan aus der dortigen Gemeinde Cirò sei es laut den Ermittlern gelungen, in der Region bedeutende Wirtschafts- und Handelszweige „radikal“ unter seine Kontrolle zu bringen: die Herstellung und den Vertrieb von Wein, Brot, Fisch und anderen Lebensmitteln, Dienstleistungen in Häfen, Glücksspiel, Wäschereien, Müllentsorgung, Beerdigungsunternehmen und die Verwaltung eines Auffangzentrums für Flüchtlinge.

Mehrere operative Zellen

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ habe der Farao-Marincola-Clan in Deutschland über mehrere „operative Zellen“ verfügt, denen als legale Tarnung Restaurants, Eisdielen und eine Vereinigung italienischer Gastwirte dienten.