Offene Ohren finden Betroffene in der Außenstelle Achern bei Maria Seibert, Christian Baumgartner, Ute Benzinger und Alexandra Bruhin (von links). | Foto: Peter Meier

Suchtberatung

Acherner Fachstelle findet dauerhafte Heimat in der Illenau

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Es ist ein sehr schwerer Weg, wenn sich ein suchtkranker Mensch dafür entscheidet, ein Beratungs- und Behandlungsangebot anzunehmen, um so zu versuchen, „durch die Nacht ins Licht“ zu kommen. So lautete der Titel des Buchs von Maria Seibert, die darin ihren Weg aus der Alkoholsucht beschreibt. Nach mehreren Umzügen hat die Außenstelle Achern der Fachstelle Sucht Offenburg – wie schon länger geplant – in der Illenau ihre Räume bezogen.

Von unserem Mitarbeiter Peter Meier 

Einfach zu finden ist sie momentan nicht, da rings um den Ostflügel der Illenau noch Arbeiten am Platz vor dem Maison de France und an der Außenanlage anstehen. Die Parkplätze entlang der Karl-Hergt-Straße sind bereits hergestellt, von dieser Seite her ist die Außenstelle mit der Adresse Karl-Hergt-Straße 11 in wenigen Wochen dann leichter als jetzt noch zu erreichen.

Sanierte Ostflügel erlauben Umzug

Rund 30 Jahre lang war die Außenstelle Achern im Gebäude der Sozialen Dienste, Friedrichstraße 1, untergebracht. Dann erfolgte 2016 der Umzug in Räume in der Hauptstraße 116a. „Das war damals nur eine Zwischenlösung“, sagt Christian Baumgartner, der als Sozialarbeiter und Suchttherapeut zusammen mit der psychologischen Psychotherapeutin Ute Benzinger in Achern für das Beratungs- und Behandlungsangebot zur Verfügung steht. Die sozialen Dienste waren bereits in die Illenau umzogen, für die Fachstelle Sucht reichte der Platz damals noch nicht aus. Nachdem inzwischen die Räume im Ostflügel der Illenau saniert sind, hat hier die Außenstelle Achern der Fachstelle Sucht nun dauerhaft ihren Platz gefunden.

Alkohol-, Medikamenten- oder Glücksspielsucht

Die Außenstelle in Achern besteht seit 1984 und wurde von 1993 an kontinuierlich ausgebaut. Träger der Einrichtung ist der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV) mit Sitz in Renchen, der größte Suchtkrankenträgerverein Deutschlands. Das Beratungs- und Therapieangebot richtet sich an Menschen mit Alkohol- und Medikamentenproblemen sowie Glücksspielsucht, deren Angehörigen und Partner sowie an alle, die Fragen zu Suchtmitteln, Suchtgefahren oder zu Sucht allgemein haben. Begleitet werden die Klienten nicht nur durch Informations- und Beratungsgespräche, sondern es gibt auch ein flexibles Angebot einer ambulanten Behandlung für Betroffene; sie erfolgt in wöchentlichen Einzel- sowie Gruppengesprächen.

Den Menschen dort abholen, wo er steht

Selbsthilfegruppe Anlaufstelle und Motivationsbasis

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Motivations- und Selbsthilfegruppe, die seit 2006 in Achern besteht. Die ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer sind ehemals selbst Betroffene, die vom BWLV ausgebildet und für ihre Arbeit qualifiziert wurden. Unter dem Motto „den Menschen dort abholen, wo er steht“ ist die Gruppe in Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen Anlaufstelle und Motivationsbasis, in der die von der Sucht betroffenen Menschen über ihre Ängste offen reden und sich über Wege informieren können, die aus der Sucht herausführen. Die Abhängigen treffen hier auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, sie finden Verständnis, Solidarität und das Erlebnis von Zugehörigkeit.

Selbsthilfegruppen sind Säulen im Kampf gegen die Sucht

Von Betroffener zu Betreuerin

„Die Gruppen haben eine nicht zu unterschätzende tragende Kraft, sie sind Säulen im Kampf gegen die Sucht“, sagt Maria Seibert. Sie kam vor 21 Jahren als Betroffene zu Christian Baumgartner, hat 2005/06 die Ausbildung zur ehrenamtlichen Suchtkrankenhelferin absolviert und führt seit 14 Jahren zunächst im Wechsel mit Baumgartner und seit 2016 mit Alexandra Bruhin durch die Gruppe. Deren Besuch ist auch nach einer Therapie ratsam, denn die bis dahin gelebte Abstinenz gewährleistet nicht unbedingt, dass kein Rückfall mehr erfolgen kann. In der Gruppe ist es selbstverständlich, dass Stillschweigen über die Gespräche gewahrt wird. Jeder Gruppenbesucher kann, wenn das gewünscht wird, eine Person seines Vertrauens mitbringen.

Lesungen über Wege aus der Sucht

Jährlich werden in Achern rund 50 Personen betreut, die Gruppenabende finden stets donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr statt. Im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit hält Maria Seibert auch regelmäßig in Suchtkliniken Lesungen aus ihrem Buch „Durch die Nacht ins Licht“, in dem sie ihren Weg aus der Alkoholsucht beschreibt.

Kontakt
Zur Beratung in Achern stehen Ute Benzinger und Christian Baumgartner zur Verfügung. Unter (0 78 41) 6 30 79 71 kann von Montag bis Donnerstag telefonisch Kontakt aufgenommen und Einzeltermine vereinbart werden. Ab sofort sind Termine auch an Samstagen möglich. Eine Sprechstunde ohne vorherige Anmeldung kann montags in der Zeit von 16 bis 17 Uhr besucht werden. m
Internet: http://www.bw-lv.de