Das Straßennetz weist viele Schäden auf. Der Finanzbedarf für die Beseitigung liegt nach Hochrechnungen der Stadtverwaltung bei 8,5 Millionen Euro. | Foto: Archiv/Mario Beltschak

„Versäumnisse der Vergangenheit“

Acherner Straßennetz mit beträchtlichem Sanierungsstau

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Für Autofahrer ist diese Nachricht nicht wirklich neu: Die Straßen im Besitz der Stadt Achern weisen einen gewaltigen Sanierungsstau auf. Dem Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats legte die Stadtverwaltung jetzt eine Übersicht vor: Danach summieren sich allein die 2018 eigentlich erforderlichen Sofortmaßnahmen in der Gesamtstadt auf ein Kostenvolumen von 8,5 Millionen Euro, davon entfallen 3,3 Millionen Euro auf die Kernstadt und das Gewerbegebiet. Für die Jahre von 2019 bis 2026 wurden jährliche Investitionssummen zwischen 1,3 und 2,75 Millionen Euro hochrechnet. Ungeachtet dieser Zahlen spricht die Stadtverwaltung mit Blick auf andere Kommunen von „einem vergleichsweise guten“ Straßenzustand in Achern.

„Straßenerhaltungsmanagementsystem“

Allein schon das Wort ist ein Ungetüm: Immerhin bietet das im Jahr 2011 in Achern eingeführte Straßenerhaltungsmanagementsystem der Firma GSA-Gesellschaft für Straßenanalyse (Kaiserslautern) die Grundlage für eingehende Untersuchungen des Straßennetzes. Dabei erfolgte eine flächendeckende Bestands- und Zustandserfassung der Innerortsstraßen in einer Länge von 146 Kilometern sowie der befestigten Wirtschaftswege in einer Länge von 110 Kilometern.

Fünf Farben für die „Restnutzungsdauer“

In fünf Farben informiert eine Übersicht über die jeweils hochgerechnete „Restnutzungsdauer“: In „roter“ Farbe dargestellt sind Straßen mit „dringendem Sanierungsbedarf“ (zum Beispiel die Severinstraße oder die Güterhallenstraße), „orange“ bedeutet „hoher Sanierungsbedarf“ (Fautenbacher Straße oder Allerheiligenstraße). In „rot“ und „orange“ erscheinen nach den Worten von Georg Straub (Fachgebiet Tiefbau) derzeit rund 35 Kilometer Straßen. Besonders betroffen seien aufgrund der höheren Verkehrsbelastung die Kernstadt und das Acherner Gewerbegebiet. „Gelb“ markiert sind Straßen, für die ein „idealer Zeitpunkt für die Sanierung“ erreicht ist (Teile der Kapellenstraße und der Martinstraße). In Grüntönen erscheinen Straßen in gutem Zustand (viele Wohnstraßen, aber auch die aktuell erst erneuerte Kaiser-Wilhelm-Straße).

Bündelung von Projekten angestrebt

Da die im Raum stehenden 8,5 Millionen Euro weder finanzierbar noch für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zeitlich zu „verarbeiten“ sind stellt die Stadt Achern für Straßensanierungen pro Jahr „nur“ 550000 Euro sowie für die Sanierung von Wirtschaftswegen 150000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommen jährlich rund zwei Millionen Euro anteiliger Straßenbaumittel aus Tiefbauprojekten. Wie Straub dazu anmerkte, ist nicht zuletzt aus finanziellen Gründen die Bündelung notwendiger Straßensanierungen mit Projekten der Abwasserentsorgung und Wasserversorgung ein Hauptkriterium bei der Priorisierung anstehender Maßnahmen.

„Immense Kosten“

Die Stadträte nahmen den Bericht zur Kenntnis. CDU-Fraktionschef Karl Früh sprach von „immensen Kosten“, Gebhard Glaser (Freie Wähler) von einer „Bugwelle“. Manfred Nock (Acherner Bürger Liste) sah den großen Sanierungsstau als Folge von „Versäumnissen der Vergangenheit“.