Auf großes Interesse stößt die Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Klinikstandorts in Achern. An diesem Mittwoch übergaben Vertreter des Einzelhandels und der Acherner Firmen weitere Unterschriften an Sprecherin Franziska Müller. | Foto: Christian Schäfer

Debatte um Acherner Standort

Ärztlicher Direktor fordert Klinikneubau

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Neubau statt Sanierung? Auf den Erhalt und die Weiterentwicklung des Acherner Krankenhauses setzt nicht nur die neue Bürgerinitiative für den Klinikstandort (BI). Der ärztliche Direktor, Rüdiger Feik, geht einen Schritt weiter: Während der Übergabe weiterer Unterschriften an die BI betont er an diesem Mittwoch, dass ein Neubau günstiger sei als große Investitionen in die Sanierung in den kommenden zehn bis 15 Jahren. Die Bausubstanz sei veraltet, es bestehe Handlungsbedarf.

Wichtiger Standort

„Es muss neu gebaut werden“, unterstreicht er. „Achern ist ein wichtiger Standort, der erhalten bleiben soll. Wir wollen wachsen und Neues für die Region bringen“, erklärt Feik. Martin Lamm, Vorsitzender des Fördervereins Ortenau Klinikum Achern, schlägt zudem eine Erhöhung der Kreisumlage vor, um den Erhalt des Acherner Klinikums zu finanzieren. Von diesen Ideen zeigte sich Achern Oberbürgermeister Klaus Muttach überrascht: „Da werde ich bei der Heimfahrt nachdenken müssen.“

10.000er-Marke vor Ostern geknackt

Zugleich verspricht Franziska Müller von der BI: „Wir werden weiter kämpfen“. Ein Etappenziel hat sie erreicht: Die zuvor von ihr selbst „fast als utopisch“ bezeichnete 10.000er-Marke wurde bereits vor Ostern geknackt. Am Mittwochmorgen hatte die BI 11.000 Unterschriften gesammelt. Schätzungsweise weitere 2.000 kamen nun bei der Übergabe mit 25 Vertretern Acherner Unternehmer und Einzelhändler hinzu. Darunter stellvertretend Listen mit 750 Unterschriften aus Läden, die dem Einzelhandelsverband „Achern aktiv“ angeschlossen sind. „Die Listen liegen weiterhin in verschiedenen Geschäften aus“, so Philipp Schäfer, Vorsitzender von „Achern aktiv“.

Unterschriften aus dem Ausland

Sämtliche ausgefüllten Listen werden am Donnerstag, 19. April um 11.45 Uhr dem Landrat und den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen übergeben. An diesem Tag wird das Gutachten über die Neuaufstellung des Ortenau Klinikums im Krankenhausausschuss des Kreistags öffentlich präsentiert. Am Dienstag, 24. April, folgt die politische Entscheidung, wie es in der sogenannten Agenda 2030 mit dem Ortenau Klinikum als Gesamtkonstrukt weitergehen wird und welche Standorte dem Rotstift zum Opfer fallen könnten. Bis dahin bangt Franziska Müller um das Acherner Klinikum. Dort arbeitet sie seit 30 Jahren.
Die Resonanz aus der Bevölkerung mache ihr Mut. Selbst Bürger aus Karlsruhe und aus dem Ausland, die bereits in Achern operiert wurden, beteiligen sich an einer Online-Petition zum Standorterhalt, berichtet Müller. Es unterschreiben nicht nur Einwohner aus Achern, sondern auch aus dem Achertal, Rheinau, Ottersweier und Bühl.

Es geht um 500 Arbeitsplätze

Wie viele Unterschriften es am Ende sein werden, kann Franziska Müller nicht abschätzen. Wir sind es der Bevölkerung schuldig, dass wir um das Krankenhaus kämpfen“, sagt sie fest entschlossen. Sie sei Oberbürgermeister Klaus Muttach dankbar, dass er quasi 24 Stunden am Tag für die BI zur Verfügung stehe. Dieser wiederum lobte das Engagement der BI und das Interesse und den Einsatz über politische Lager hinweg zum Erhalt des Acherner Klinikstandorts: Er sei im ständigen Kontakt und in Gesprächen mit politischen Vertreten sowie mit der Wirtschaft. Es gehe nicht nur um den Erhalt der medizinischen Versorgung, sondern um den Arbeitsplatz 500 Beschäftigter und 100 Auszubildender, sagt das Acherner Stadtoberhaupt.

Podiumsdiskussion in der Schloßfeldhalle

Die Podiumsdiskussion zum Klinikstandort Achern mit Fraktionsvorsitzenden aus dem Kreistag findet, am Dienstag, 8. Mai, in der Schloßfeldhalle Großweier statt. Vorgesehen und angekündigt war als Veranstaltungsort zunächst der Bürgersaal des Rathauses Am Markt. Die BI hofft nach eigener Darstellung, dass in dem größeren Veranstaltungsort mehr Menschen die Diskussion verfolgen und sich daran beteiligen.