Zum großen Finale vereinten sich alle Künstler auf der Bühne. | Foto: Fischer

Bluegrass-Festival in Bühl

„Auf unser Publikum können wir stolz sein“

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Zwei Tage pulsierte die Bluegrass-Musik in Bühl – und nicht nur diese. Überaus facettenreich präsentierte sich die 16. Auflage des jährlich von der Stadt ausgerichteten Festivals, bei dem die Künstler den musikalischen Bogen weit spannten bis hin zum Jazz, aber auch zur Klassik. Der bunte Mix kam bei der großen Mehrheit der Festivalbesucher bestens an. Für den ein oder anderen war es dann aber doch „etwas zu viel Jazz“, wie beispielsweise ein Fan während der Konzertpause im Bürgerhaus Neuer Markt meinte.
„Es war uns klar, dass wir unseren traditionellen Bluegrass-Freunden viel zumuten“, sagt Patrick Fuchs. „Schwere Kost“ gab es für diese laut Auskunft des künstlerischen Festivalleiters gleich am Freitagabend zum Auftakt mit dem Bluegrass-Punk der kanadischen Band Murder Murder, und auch der Samstagabend bot mit dem fulminanten Auftritt der Mandolinenvirtuosin Sierra Hull im Duo mit dem Kontrabassisten Ethan Jodziewicz für manchen Traditionalisten ungewohnte Klänge.

Schwere Kost für manche Traditionalisten

Einige taten sich damit schwer, weiß Fuchs und lobt in gleichem Atemzug die unglaublich toleranten und begeisterungsfähigen Fans in Bühl: „Auf unser Publikum können wir echt stolz sein.“ „Wollen wir die Asche von Bill Monroe (Anmerkung der Redaktion: des Gründers der Bluegrass-Musik) anbieten oder das Bluegrass-Feuer bewahren?“, fragt Fuchs und bekräftigt damit den Anspruch des Festivals, eine möglichst große Bandbreite des musikalischen Genres zu bieten und auch neue Wege zu gehen.

Was ist Bluegrass im 21. Jahrhundert?

„Die Diskussion wollen wir auch haben: Was ist Bluegrass im 21. Jahrhundert?“ Aber auch die traditionellen Bluegrass-Fans werden nicht vergessen, versichert er. „Alle Bands haben die Erwartungen übertroffen“, so Fuchs in seiner positiven Festivalbilanz. Besonders habe es ihn gefreut, dass das multinationale Trio „St. Beaufort“ („Berliner, die keine Berliner sind“) mit seinem Urban-Folk so gut ankam und das Publikum die Bluegrass-Legende Peter Rowan (USA) auf seiner wohl letztmaligen Europatournee erleben konnte. Fuchs sieht hier auch eine soziale Aufgabe des Festivals, Stars aus Übersee zu präsentieren. Denn nicht jeder Fan könne sich eine Reise über den großen Teich leisten.

Steigende Besucherzahlen

Organisatorisch lief laut Fuchs alles super, dies bestätigt auch der städtische Fachbereichsleiter Klaus Dürk, der hier- bei die Arbeit des Kulturbüros unter der Federführung von Susanne Schirmann-Drescher lobend hervorhebt. 400 Fans kam zum Auftakt in die Halle der Firma Oechlse, 700 strömten ins Bürgerhaus Neuer Markt und nochmals 400 zum Open-Air auf den Johannesplatz, freut sich Dürk über steigende Besucherzahlen und ein vermehrt auch jüngeres Publikum. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, so der Fachbereichsleiter. Patrick Fuchs habe bei der Bandauswahl wieder eine glückliche Hand gehabt. Dürks Fazit: „Das Festival war von vielen unterschiedlichen Eindrücken geprägt. Klasse Bands, tolle, sympathische Musiker, die mit viel Herzblut und mit großer Freude aufgetreten sind.“