In Aktion: Experten des Kommunalen Arbeitskreises zur Bekämpfung der Schnakenplage bekämpfen Stechmücken in den Auenwäldern entlang des Rheins mit einem Granulat, das die Därme dieser Insekten zerstört. | Foto: dpa

Stechmücken im Raum Achern

Aus Fernost an den Oberrhein

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Sie stechen wieder zu: Die Mückensaison hat in der Region begonnen. Neben den heimischen Schnaken haben sich auch invasive Arten unter den fliegenden Plagegeistern mittlerweile etabliert. Ob es angesichts des trockenen Aprils und der feuchten Witterungsphase seit Anfang Mai tatsächlich zu einer Plage kommt, ist nach Angaben von Artur Jöst, Biologe des Kommunalen Arbeitskreises zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) noch nicht vorherzusehen. Jedoch begünstigen kleinere Überschwemmungen entlang des Rheins das Wachstum heimischer und invasiver Stechmücken. Der ABB und bnn.de stellen vier der wichtigsten Vertreter der insgesamt 51 Stechmückenarten vor.

Tigermücke

Aus Fernost über die USA und Italien an den Achernsee: Die asiatische Tigermücke ist nun auch vor den Toren der Hornisgrindestadt heimisch. Im vergangenen Jahr entdeckten Biologen der Kabs zwischen Juni und September am Rasthof mehrere Larven und bis zu 31 Eier des invasiven Insekts. Genauer: „Auf dem Lkw-Stellplatz am Schnellrestaurant und auf der anderen Seite auf dem Stellplatz neben der Tankstelle“, so Kabs-Biologe Artur Jöst. Die Tendenz sei jährlich steigend, von einer „massiven Zunahme“ könne allerdings noch keine Rede sein. Auch an den Tank- und Raststätten Bühl-Ost sowie Renchtal fanden die Experten mehrere Tigermücken-Larven. Für Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kabs, ist es kein Zufall. Besonders entlang der A5 seien immer wieder Tigermücken-Populationen zu finden. „Über Lastwagen, Autos oder Wohnwagen kommen sie aus Italien“, weiß der Experte. An den Rastplätzen gelangen sie dann ins Freie.

Aus Italien eingewandert

Nach Italien kamen diese Insekten um 1990 über den Altreifenhandel aus dem US-Bundesstaat Georgia. Zuvor gelangte die Tigermücke von Ostasien in die Staaten. An der Innenseite der Pneus legen die Weibchen ihre Eier: Ideale Bedingungen für diese Insekten, um sich zu vermehren. Aber auch in Wasseransammlungen innerhalb von Astlöchern fühlen sie sich wohl. Erkennungsmerkmale der asiatischen Tigermücke sind markante weiße Längsstreifen auf dem Vorderkörper. „Bislang ist sie nicht in Siedlungen vorgedrungen“, beruhigt Becker. „Doch sie hat sich in der Region etabliert, deshalb wollen wir sie loswerden“, betont der Schnakenbekämpfer.

Asiastische Tigermücke Aedes albopictus | Foto: Kabs

Bakterium zerstört Därme der Stechmücken

Sein Rüstzeug sind Tabletten und sterile Männchen, um mit die Fortpflanzung der Plagegeister zu unterbinden. In den Tabletten befindet sich das Bakterium Bacillius thuringiensis israelensis (Bti). Es produziert ein Gift, das die Därme der Stechmücken zerstört.

An der Rastanlage Achern haben die Kabs-Experten sämtliche möglichen Nistplätze mit Bti versehen, zum Beispiel Gullydeckel, da dort in stehendem Wasser Populationen entstehen können, oder in weggeworfenem Müll, wie Joghurtbecher und Altreifen. Außerhalb des Rasthofareals bauten die Biologen zur Stichprobenkontrolle Fallen auf, um mögliche weitere Brutstätten zu lokalisieren. „Die Tigermücken-Populationen sind ortstreu“, erklärt Jöst. Auch können diese Populationen wieder zusammenbrechen.

Überträger des Denguevirus

Die asiatische Tigermücke überträgt Krankheitserreger wie das Dengue-, Chikungunya-, Gelbfieber- und West-Nil-Virus. Jedoch bestehe am Oberrhein kein Grund zur Panik. „Die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering“, sagt Jöst. Zunächst müsse ein Mensch das Virus aus dem Ausland einschleppen. Die Viren müssen sich zudem noch im peripheren Blut befinden. Erst wenn eine Tigermücke zufällig den infizierten Menschen sticht, kann sie diese Viren übertragen.

Japanische Buschmücke

Eine weitere invasive Stechmückenart in der Region, vor allem in den Auenwäldern wie in Rheinau, ist die japanische Buschmücke. Der Eindringling hat sich in den vergangenen Jahren von der Schweiz aus über den Hochrhein ausgebreitet. Im Gegensatz zur Tigermücke verhält sich die Buschmücke gegenüber Menschen nach Angaben von Artur Jöst weniger aggressiv.

Japanische Buschmücke Aedes japonicus | Foto: Kabs

Sie ist auffallend dunkelbraun und hat silbrigweiße Querbinden an Körper und Beinen. Die japanische Buschmücke legt lange Strecken zurück. Eine Gefahr in Form von Krankheitsübertragungen gehe von ihr nicht aus. Weibchen leben vier bis sechs Wochen, Männchen haben eine Lebenserwartung von drei Wochen.

Frühjahrsmücke

Die Frühjahrsmücke ist hauptsächlich nach Überflutungen in den Auenwäldern entlang des Rheins vorzufinden. Sie bevorzugt, so Artur Jöst, sumpfige Waldareale. Insbesondere bei Holzhausen haben die Kabs-Experten mehrmals Populationen entdeckt. Prinzipiell könne die Frühjahrsmücke Krankheiten übertragen. „Doch das ist eher selten der Fall und für den Menschen harmlos“. Dies gilt auch für die folgende Art.

Rheinschnake

Die in der Region heimischen Rheinschnaken Aedes vexans sind laut Jöst ähnlich aggressiv wie Tigermücken. Rheinschnaken bevorzugen Zeiten der Dämmerung oder die Schwüle vor einem Gewitter. Sie sind in einem Streifen von zehn bis 15 Kilometer um den Rhein angesiedelt. Zwar übertragen sie keine Krankheiten, da sie den Menschen nicht piesacken, weil ihnen schlicht das notwendige Schneidewerkzeug fehlt.

Rheinschnake Aedes vexans | Foto: CDC

Dennoch bekämpft die Kabs diese Schnakenart, damit sie zu keiner Plage wird. Dabei setzen die Biologen ebenfalls Bti ein. Die Konsequenz: Die Schnaken konzentrieren sich mittlerweile auf Waldregionen und bleiben Siedlungen fern. Die Rheinschnaken sterben im Herbst, ihre Eier überwintern im Boden.

Hausschnake

Eine weitere aggressive heimische Stechmückenart ist die Hausschnake Culex pipiens, auch gemeine Stechmücke genannt. Sie kommt nach Angaben der Kabs oft in ländlichen Ortschaften vor, auch im Raum Achern. Ihre Populationen entstehen unmittelbar auf der Wasseroberfläche, zum Beispiel in offenen Sickergruben. Sie verlagert sich mittlerweile weiter nach Nordeuropa aufgrund veränderter klimatischer Verhältnisse. Für den Menschen geht von der Hausschnake keine Gefahr aus.

Hausschnake Culex pipiens

Insekt verursacht Amselsterben

Jedoch übertragen diese Insekten Krankheitserreger, wie das afrikanische Usutu-Virus, von bereits infizierten Vögeln, was ein Sterben der Amseln auslöst, weiß Jöst. Auch im Acherner Umland waren Hausschnaken für die Dezimierung dieser Singvögel verantwortlich. Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich, so Jöst. Lediglich Hautausschläge oder leichtes Fieber können als Symptome vorkommen. Weibchen der Hausschnaken überwintern in Erdstollen.