Das Outlet in Roppenheim
Das Fabrikverkaufszentrum im elsässischen Roppenheim wird im Moment beim Schlussverkauf gestürmt. Der badische Einzelhandel wehrt sich gegen die geplante Erweiterung. | Foto: Haendle

IHK-Neujahrsempfang Karlsruhe

Badischer Einzelhandel wehrt sich gegen Erweiterung des Outlets in Roppenheim

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Der badische Einzelhandel zwischen Achern und Bruchsal wehrt sich gemeinsam mit Industrievertretern gegen die geplante Erweiterung des Outlets im elsässischen Roppenheim direkt hinter der Staustufe Iffezheim. 

Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe warnte IHK-Präsident Wolfgang Grenke vor einem schleichenden Sterben des inhabergeführten Fachhandels. „Die geplante Erweiterung des Factory Outlet Centers im elsässischen Roppenheim empfinden wir als problematisch, denn sie wird die Konkurrenz im Einzelhandel beiderseits des Rheins deutlich verschärfen“, sagte der Vertreter der regionalen Wirtschaft.

Verdoppelung der Verkaufsfläche

In dem Schnäppchen-Mekka Roppenheim sollen laut Grenke zu den bislang über einhundert Geschäften – womöglich auf weiteren zehn Hektar – Einzelhandelsgeschäfte entstehen, also letztendlich eine Verdopplung der Verkaufsfläche. „Im Zuge des verschärften Wettbewerbs durch den Onlinehandel findet derzeit eine Marktbereinigung statt, die den stationären Einzelhandel – und insbesondere den inhabergeführten Fachhandel – ohnehin schon erheblich trifft“, sagte der IHK-Präsident vor mehreren hundert Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur in der Karlsruher Gartenhalle. Eine Erweiterung des Fabrikverkaufszentrums könne das Geschäftsleben in den umliegenden Ortskernen gefährden. Das konterkariere die Bemühungen beiderseits des Rheins, lebenswerte und attraktive Innenstädte zu schaffen.

Ansturm auf Roppenheim beim Schlussverkauf

Das Fabrikverkaufszentrum wirbt im Moment mit einem Schlussverkauf und wurde am vergangenen Samstag von Kunden aus Baden-Württemberg und dem Elsass regelrecht gestürmt. Schon um 12 Uhr gab es auf den Zufahrtsstraßen zahlreiche wilde Parker,  weil alle Parkplätze belegt waren. In den vergangenen Monaten hatte es bereits mehrere politische Vorstöße der badischen Seite gegen die Erweiterungspläne gegeben. Seit der Eröffnung im Jahr 2012 hat das Outlet seine Besucherzahlen auf nahezu rund drei Millionen verdoppelt.

Oberrheinregion mit Modellcharakter

IHK-Präsident Grenke sprach sich in seiner Rede für eine engere Zusammenarbeit in den Regionen Europas aus. Notwendig seien mehr konkrete Projekte der deutsch-französischen Zusammenarbeit. „Aus Sicht der Wirtschaft begrüßen wir die derzeitige Entwicklung, die Departements Bas Rhin und Haut Rhin bis 2021 zu einer Eurocollectivité d’Alsace – einer europäischen Gebietskörperschaft Elsass – zusammen zu legen.“ Auch auf der badischen Seite des Rheins gebe es den Wunsch nach einer Gebietskörperschaft, die als eigenständiger Rechtsträger auch Entscheidungskraft hätte, betone Grenke. „Die Oberrheinregion hätte dann Modellcharakter für ganz Europa.“

  • Volkmar Triebel, Geschäftsfaührer der Druckerei Printpark, ist jedes Jahr Gast beim IHK-Neujahrsempfang.
  • Andrea Scholz, stellvertretende Direktorin der Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe, und Oliver Sternagel, Geschäftsführer der Karlsruher Bäder.
  • Regen Zusprach findet der Neujahrsempfang Jahr für Jahr. Zum zweiten Mal findet er in der Gartenhalle statt.
  • Alexander Pischon, Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbundes, kurz vor dem Empfang.
  • Beatrice Kindler, Leiterin Unternehmenskommunikation der Volkswohnung Karlsruhe, und Evelyn Knappe, Geschäftsführerin von Knappe 1a.
  • Michael Kaiser, Leiter der Wirtschaftsförderung Karlsruhe.
  • Friedrich-Georg Hoepfner, Vorstand der Hoepfner Stiftung, und Gerda Frank, Geschäftsführerin der Hoepfner Bräu Friedrich Hoepfner Verwaltungsgesellschaft.
  • Tom Høyem, Politiker und Journalist, und Anton Goll, Initiatior von "Karlsruhe Kunst erfahren" (von links).
  • Sascha und Claudia Binoth sowie Thomas Herlan haben sich über das Wiedersehen in Karlsruhe gefreut.
  • Jenny Geis von der IHK Karlsruhe.
  • Siegfried Weber, Gastronom aus Karlsruhe, und Michael Kant, Geschäftsführer der DEHOGA Baden-Württemberg (von links).
  • Daniel Wensauer und Elke Susanne Sieber sind gut in das neue Jahre gestartet.
  • Martin Wacker moderiert im Sitzen die Veranstaltung, da seine Verletzung noch nicht ganz auskuriert ist.
  • IHK-Präsident Wolfgang Grenke bei seiner Ansprache.
  • Sylvain Waserman, Vize-Präsident der französischen Nationalversammlung, bei seiner Rede beim Neujahrsempfang der IHK Karlsruhe.
  • Klaus Michael Baur, Verleger der Badischen Neuesten Nachrichten, Frank Mentrup, OB der Stadt Karlsruhe, Sylvain Waserman, stellvertretender Präsident der französischen Nationalversammlung, Wolfgang Grenke, IHK-Präsident (von links).
  • Klaus Gaßner, Redaktionsleiter der Badischen Neuesten Nachrichten, und Andreas Hahn, Vorstand der Volksbank Stutensee-Weingarten,

Fessenheim soll deutsch-französischer Gewerbepark werden

Weitere Themen in der Rede von Grenke waren die Künstliche Intelligenz, der Brexit, der Ausbau der 5-G-Netze sowie eine Folgenutzung für das Atomkraftwerk Fessenheim, das demnächst stillgelegt werden soll. Nach Aussage von Grenke gibt es hier Pläne für einen deutsch-französischen Gewerbepark auf einer noch unbebauten Fläche von 200 Hektar. „Dies wäre ein Vorzeigeprojekt, wie es der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag und die CCI Grand Est  mit ihrem Technologieabkommen vereinbart haben“, kündigte Grenke an.

Wasermann kritisiert rechtliche Hürden

Der stellvertretende Präsident der französischen Nationalversammlung Sylvain Waserman kritisierte in seiner Rede beim Neujahrsempfang die rechtlichen Hürden im Grenzgebiet. Es könne doch nicht sein, dass ein Florist in Kehl einen Vertrag ausfüllen müsse, bevor er seinen Blumenstrauß über den Rhein im Elsass ausliefern dürfe. Er habe deshalb die Schaffung einer Task Force mit dem Präfekten an der Spitze empfohlen, um diese Ärgernisse des Alltags zu beseitigen. Mit dem neuen Freundschaftsvertrag zwischen Frankreich und Deutschland, der am 22. Januar in Aachen von Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Emanuel Macron unterzeichnet werden soll, akzeptiere Frankreich zum ersten Mal rechtliche Ausnahmegenehmigungen im Grenzbereich, erklärte Waserman. „Wir wissen, dass wir Europa brauchen. Aber heute wissen wir auch, dass Europa uns braucht“, so der Vize-Präsident unter dem Applaus der Gäste in der Gartenhalle.