Still ruht derzeit der Baggersee Diersheim. Doch der Auenwald im Hintergrund wird nach 2024 einer Erweiterungsfläche von etwa sieben Hektar weichen. | Foto: kec

Kieswerk Diersheim

Baggersee wächst bis 2036 um zirka sieben Hektar

Anzeige

Seine Erweiterungspläne hat das Kieswerk Diersheim (KWD) der Öffentlichkeit vorgestellt. „Wir nehmen der Natur etwas, wollen ihr aber auch wieder etwas zurückgeben“, betont KWD-Geschäftsführer Jan Minthe. Konkret: Nach 2024 wächst der Baggersee bei Rheinau-Diersheim um 6,9 Hektar am südlichen Ufer – knapp sechseinhalb Fußballfelder. Davon betroffen sind unter anderem auch gefährdete Vogelarten. Kürzlich hat ein Freistetter Kieswerksbetreiber ebenfalls Erweiterungspläne vorgestellt.

Bis etwa 2036 werden nach Angaben des Planers Bernhard Juris etwa 3,12 Millionen Kubikmeter Kies ausgebaggert, eine Abbaumenge von 220.000 Kubikmeter pro Jahr. Dafür muss Auenwald in einem Landschaftsschutzgebiet weichen, ebenso wird ein Forstweg an den Rand der künftigen Erweiterungsfläche verlegt. Das neue Ufer soll bis zu 50 Meter an den Rheinseitenkanal rücken. Die Abbaukonzession gilt von Ende 2020 an für weitere 15 Jahre. Die bisherige Konzession wurde 2005 erstellt. Seinerzeit erhielt das Kieswerk grünes Licht, im Norden des Sees die Gesteine mit einem elektrischen Schwimmgreifbagger abzubauen. Eine Schwimmförderbandanlage transportiert den Rohstoff zu einer Halde im Kieswerk. Der weitere Transport des bearbeiteten Materials erfolgt zu 90 Prozent über Rheinschiffe. Bis zu 2500 Tonnen fasst ein Schiff, dies sind 100 Lkw-Ladungen. Die Mengen im aktuellen Abbaugebiet reichen laut den Berechnungen des Planungsbüros um Bernhard Juris bis etwa 2024.


Erweiterungsfläche tangiert Vogelschutzgebiet

Einen Durchstich nach Norden zum ehemaligen Kieswerk Rheinbischofsheim, das zu Beginn der 1970er-Jahre stillgelegt wurde, lehnte der Regionalverband seinerzeit ab. Der KWD-Geschäftsführer schließt nicht aus, den See nach 2036 in diese Richtung zu erweitern, sollten die Behörden dies doch genehmigen: „Doch das spielt für das jetzige Genehmigungsverfahren keine Rolle“, so Minthe. Das aktuelle Vorhaben am südlichen Ufer des Baggersees hat der Regionalverband südlicher Oberrhein bereits 2016 abgesegnet. Zusätzlich sind weitere Flächen als Vorranggebiet für eine künftige Rohstoffgewinnung vorgesehen – allerdings im Westen, hinter dem Kieswerk. Die Abbautiefe ist bis zu 75 Meter genehmigt. Von der Erweiterung tangiert werden das FFH-Gebiet Westliches Hanauer Land sowie das Vogelschutzgebiet Rheinniederung Kehl-Helmlingen. Darin sind gefährdete Vogelarten heimisch, wie Grauschnäpper, Pirol und Star. Für sie organisiert der Kieswerksbetreiber zusätzliche Nistkästen und Baumgruppen. Für die Gelbbauchunke sind Ersatzgewässer geplant, Zaun- und Mauereidechsen erhalten ein neues Habitat, ebenso die dort zwölf nachgewiesenen Fledermausarten, verspricht Planer Bernhard Juris.

Aufforstungsflächen für Baggersee noch nicht bekannt

Am südlichen Ufer weichen Bäume, wie Eichen und Eschen, ein Silberweiden-Erlenwald sowie Schilfröhricht. In Zusammenarbeit mit der Rheinauer Stadtverwaltung will das KWD im gleichen Verhältnis die verlorene Waldfläche aufforsten. An welchen Stellen neue Bäume gepflanzt werden, ist nach Angaben von Juris jedoch unklar. Bekannt ist bislang, dass ein Pappelwald in der Größe von einem Hektar am südöstlichen Rand des Kieswerks umgebaut wird. Dort werden Silberweiden und Schwarzerlen gepflanzt. In vereinzelten Totholzpappeln können sich Scharlachkäfer einnisten. Zusätzlich sind größerer Wasserwechsel- und Flachwasserzonen am Rekultivierungsufer im Norden des Sees und Schilfpflanzungen am neuen Ufer angedacht. Nach der Informationsveranstaltung stellen die Planer nun sämtliche Antragsunterlagen zusammen. Dann liegt der Ball beim Landratsamt. Es wird die Träger öffentlicher Belange hören, bevor es über den Planfeststellungsbeschluss entscheidet.

Kritische Stimme aus dem Publikum

Auf Rückfrage aus dem Publikum versichert Geschäftsführer Jan Minthe, dass die zwölf Arbeitsplätze bis 2036 erhalten bleiben: „Es sind keine technologischen Erneuerungen zu erwarten.“ Kritische Stimmen waren ebenfalls zu hören. So meinte eine Besucherin, dass der Eingriff in die Natur und die Rohstoffentnahme unwiederbringlich sei: „Wer denkt an nachfolgende Generationen?“