Bambi-Sammler Werner Kimmig
Eine kleine Herde Bambis nennt der Oberkircher Werner Kimmig sein Eigen. | Foto: Elisabeth Weidling

Sammler Werner Kimmig

Bambis sollen nicht im Keller verstauben

Herausragende Leistung muss honoriert werden, findet Werner Kimmig. Deshalb gehören Bambis von verstorbenen Berühmtheiten nicht in irgendeinen verstaubten Keller, sondern hinter Glas, in eine Vitrine. „Zurück ins Gehege“, sagt der TV-Produzent aus Oberkirch mit einem bestimmten Ton in der Stimme. Eine kleine Herde der anmutigen Rehkitze wohnt deshalb bei ihm oder besser in seinem Büro in der Oberkircher Produktionsfirma Kimmig Entertainment.  Er hat sie bei Ebay ersteigert. Das wohl wertvollste Exemplar ist auch sein liebstes – ein weißer Bambi aus Porzellan. Romy Schneider hat ihn für ihre Rolle als Sissi erhalten.

Bambis gehörten verstorbenen Berühmtheiten

Ehrfurchtsvoll hält er die Auszeichnung in den Händen. Um ihn herum sind für den Termin auf dem Tisch im Konferenzraum alle ersteigerten Rehkitze aufgebaut. Alle Sammelstücke sind älteren Jahrgangs, schließlich stammen sie aus den Nachlässen von verstorbenen Berühmtheiten. Die Bambis heutzutage sind aus Gold beziehungsweise vergoldet. Werner Kimmig erklärt: „In den Vierziger- und Fünfzigerjahren waren sie aus Porzellan, ab 1958 dann aus Bronze“.

Farbe der Trophäen verriet den Preisträger

Die Bambis aus Porzellan haben unterschiedliche Farben. Wer der Preisträger war, war damals an der Farbe zu erkennen. „Schauspieler erhielten weiße, Produzenten blaue, Regisseure grüne und die Verleiher gelbe Bambis“, sagt Kimmig, der mit seiner Firma seit 1990 die Bambi-Verleihung für das Haus Burda produziert und gemeinsam mit Kurt Felix 1983 die Sendung „Verstehen Sie Spaß“ ins deutsche Fernsehen brachte. Vor etwa zehn Jahren hatte er zufällig auf Ebay entdeckt, dass dort Bambis versteigert werden. „Mein erster Bambi war der von Gustav Knuth und stammt aus dem Jahr 1967“, erinnert sich der TV-Produzent. Wie viel er für das bronzene Rehkitz bezahlt hat, will er nicht verraten. Aber seine Sammelleidenschaft hat Grenzen: „Vor Kurzem wurde der Bambi aus dem Nachlass von Heinz Schenk auf Ebay versteigert. Ich habe mitgeboten, ihn aber leider nicht gekriegt. Er ging letztlich für 20 000 Euro weg.“

Die Sammelleidenschaft hat Grenzen

Bei einer Charity-Aktion in Wien vor zwei Jahren wurden persönliche Gegenstände von Peter Alexander versteigert. Der Schauspieler und Sänger hat zehn Bambis in seinem Leben erhalten und wurde dabei nur von Heinz Rühmann (zwölf Bambis) übertroffen. „Ich war bei der Versteigerung und bot mit. Aber 25 000 Euro für einen Bambi war mir dann aber doch zu viel“, berichtet Kimmig. Der Oberkircher ist ein leidenschaftlicher Bambi-Sammler, beim Erzählen leuchten seine Augen, man spürt förmlich das Jagdfieber.

Auch ein anonymes Bambi ist dabei

Sieben Bambis sind bisher in Kimmigs Besitz, mehrere Filmauszeichnungen dabei. „Aus dem Jahr 1953 für den Film ,Am Brunnen vor dem Tore‘, aus dem Jahr 1949 für ,Das Lied von Bernadette‘ und aus dem Jahr 1951 für ,Schwarzwaldmädel’“, zählt er auf. „,Das Lied von Bernadette‘, wahnsinnig – das ist mein ältester“, bemerkt der TV-Produzent und klopft dabei anerkennend auf das Porzellankitz. Ins Auge fällt ein bronzefarbenes, namenloses Rehkitz. „Der letzte Bambi, den ich ersteigert habe, ist dieser anonyme, von dem ich nicht weiß, wem er gehört hat. Der Besitzer hat den Sockel abmontiert“, bedauert Kimmig. Er nimmt an, dass die Auszeichnung in den Sechziger Jahren vergeben wurde. „Vielleicht finde ich noch heraus, wer der Geehrte war, wobei man es nicht 100-prozentig beweisen kann“, meint der Bambi-Jäger.

Werner Kimmig ist selbst im Showgeschäft

Sicher sagen, woher das braune Rehkitzpaar aus Keramik kommt, kann er hingegen. „Diese Skulptur diente 1948 als Vorlage für den Goldenen Bambi und ist bis heute erhältlich.“ Und zwar in der Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe. Entworfen hat sie bereits 1936 die Künstlerin Else Bach. In seinem Büro stehen noch zwei weitere Bambis in Lebensgröße, die von zahlreichen Bambi-Preisträgern handsigniert sind. „Die versteigern wir bei Charity-Aktionen, etwa für die Stiftung ,Tribute to Bambi‘.“ Obwohl er Tag für Tag mit VIPs zu tun hat und seit seiner Jugend – zunächst als Künstlermanager, dann als Produzent – im Showbusiness ist, bleibt die Faszination ungebrochen. Kimmig sammelt Autogrammkarten, und seine Bürotüre lässt sich nicht mehr schließen, weil so viele VIP-Bändchen von Shows und Galas an der Türe hängen.

Als „Medienmann des Jahres“ ausgezeichnet

Dabei ist er eigentlich selbst ein VIP, auch wenn er sich immer im Hintergrund hält. Seine Bürowand ist mit unzähligen Urkunden und Auszeichnungen geschmückt. Werner Kimmig, der bis zuletzt den Echo produzierte (mit zwei Ausnahmen) hat die Trophäe vor mehr als zehn Jahren als „Medienmann des Jahres“ selbst erhalten. Schade findet er das Aus des Echos in diesem Jahr. „Es war ein schöner Preis.“ Er wundert sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass die Musiker Kollegah und Farid Bang mit solchen Texten unter Vertrag genommen, von Millionen Fans unterstützt und dann auch noch ausgezeichnet wurden. Dennoch: „Ich werde meinen Echo nicht zurückgeben. Ich habe den ja für eine Leistung bekommen, die ich auch erbracht habe“. Überhaupt werde Leistung immer belohnt, ist er sich sicher und geht auch davon aus, dass es im kommenden Jahr wieder einen deutschen Musikpreis geben wird – „unter welchem Namen auch immer“.

Von Elisabeth Weidling