Wann bei Honau entlang der Dämme wieder Bagger anrollen, wie bereits 2009, steht noch nicht fest. Doch der Bau des geplanten Polders Kehl/Rheinau wird im nächsten Jahrzehnt das Landschaftsbild prägen. | Foto: Archiv kec

Geplanter Polder Kehl/Rheinau

„Polder-Bau nicht vor 2028 abgeschlossen“

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Es ist eines der größten Bauprojekte im kommenden Jahrzehnt in Rheinau und ein womöglich ein umfangreicher Eingriff in das Landschaftsbild: Für das integrierte Rheinprogramm wird ein Polder zwischen Leutesheim und Freistett entstehen.

Kosten: Mindestens 100 Millionen Euro

Wie das für dieses Großprojekt zuständige Regierungspräsidium Freiburg (RP) auf Anfrage des ABB mitteilt, wird das Planfeststellungsverfahren nach derzeitigem Stand im Jahr 2020 beginnen. Der Bau des neuen Polders könnte, so eine erste vorsichtige Prognose, nicht vor 2028 abgeschlossen sein, sagt Behördensprecher Matthias Henrich. Die Planer rechnen, ausgehend von bereits realisierten Rückhalteräumen, mit Baukosten von mindestens 100 Millionen Euro.

Infoveranstaltung in der Stadthalle Freistett

Bis dahin ist es ein weiter Weg, den die Bürger der umliegenden Gemeinden begleiten können: Den Auftakt verschiedener Informationsveranstaltungen macht ein Infomarkt am 14. Juni in der Stadthalle Freistett. „Dabei werden erste konzeptionelle Planungen vorgestellt“, blickt Henrich voraus. Auch werde ein Übersichtsplan ausgehändigt.

„Mittlere“ und „kleinere Lösung“

Während der jüngsten Sitzung des Honauer Ortschaftsrates erklärte Ortsvorsteher Manfred Knörle, dass er davon ausgehe, dass zahlreiche Grundstücksbesitzer und Vereine von dem vorgesehenen Rückhalteraum betroffen sein werden. Das RP bestätigt, dass sich verschiedene Kieswerke und das Tanklager bei Honau in dem künftigen Flutungsgebiet befinden. Diese Flächen werden innerhalb der Planungen berücksichtigt, so Henrich. Vorgesehen ist entweder eine „mittlere Lösung“ mit einer Rückhaltefläche von 475 Hektar, oder eine „große Lösung“, das ein 650 Hektar großes Gebiet umfasst.

Rhein soll Überflutungsfläche zurückgewinnen

Das integrierte Rheinprogramm zum Schutz flussabwärts liegender Städte unterhalb von Iffezheim vor 200-jährlichem Hochwasser sieht auf baden-württembergischer Rheinseite den Bau von 13 Poldern vor. So soll zum Beispiel zwischen Kehl und Freistett der Rhein seine natürliche Überflutungsfläche zurückgewinnen, die der Fluss bis 1974 hatte, bevor die Staustufe Gambsheim in Betrieb ging.

Zahlreiche Fragen bleiben vorerst offen

Die hierfür auf Kehler und Rheinauer Gemarkung vorgesehene Flutungsfläche sollte laut RP mindestens neun Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Dieses wird über den durchgehenden Altrheinzug nördlich des Petersees abfließen. Dabei bleiben zahlreiche Fragen offen: Welche Konsequenzen und Auswirkungen der Polder für Landwirte haben wird, könne derzeit noch nicht beantwortet werden. Ebenso ist noch nicht geklärt, ob und wie Grundstückeigentümer entschädigt werden. „Es ist derzeit noch nicht bekannt, wo und in welchem Umfang es Betroffenheiten geben wird“, erklärt Henrich.

Experten berechnen Grundwassermodell

Die Planer im RP gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass es innerhalb der Forstwirtschaft aufgrund der Überflutungen Veränderungen geben wird. Wie sich der Betrieb des Rückhalteraums auf den Grundwasserspiegel angrenzender Ortschaften auswirkt, werden die Experten anhand eines Grundwassermodells mit mathematischen Berechnungen untersuchen. Der RP-Sprecher betont, dass es innerhalb der Ortschaften zu keinem Grundwasseranstieg und somit nicht zu Schäden kommen werde.

Auch ökologische Flutungen?

Ob auch regelmäßige ökologische Flutungen im geplanten Rückhalteraum vorgesehen sind, hänge davon ab, ob der Bau des Polders Kompensationsmaßnahmen nach dem Naturschutzrecht erforderlich macht. Dies werde das RP in den Planungen untersuchen.

Widerstand bei vorherigen Projekten

Der Bau von Poldern entlang des Rheins ist umstritten. So bildete sich in Schwanau heftiger Widerstand gegen den Rückhalteraum Elzmündung, womit sich der Verwaltungsgerichtshof Mannheim sowie das Bundesverwaltungsgericht befassten. Anwohner befürchteten unter anderem Schäden an Häusern aufgrund steigender Grundwasserspiegel. Die Gerichte wiesen die Klagen der Bürger und der Gemeinde Schwanau gegen den Bau des Polders letztlich ab.