Auf der Suche: In einem Straßburger Schallplattenladen stöbern Karim Moulaa alias Kayo (hinten) und Stefan Wilczynski nach neuen Samples. | Foto: Marija Ambrazeviciute

Das perfekte Sample

Beatmaker-Duo aus Achern und Straßburg bringt Album heraus

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Musik überwindet Sprachbarrieren: So auch im Fall von Stefan Wilczynski (Achern) und Karim Moulaa alias Kayo (Straßburg). Beide verbindet die Leidenschaft zur Jazz- und Hip-Hop-Musik und all ihren reichhaltigen Facetten. Die Männer teilen eine weitere Passion – das Produzieren von Beats. Das sind Instrumentalstücke, meist im gleichmäßigen Rhythmus. Drums, Snares und Klangschnipsel, beispielsweise aus alten Jazz- und Krautrock-Schallplatten, vereinen sich so zu einer neuen Komposition.

Der kommerzielle Durchbruch dieser Art der Musik, des sogenannten Sampelings, gelang in den 1990er Jahren in den USA, als in der Hip-Hop-Szene Produzenten alte Samples auf Schallplatten fanden und neu verarbeiteten. Seit einigen Jahren erlebt das Sampeling in Europa eine Renaissance, jedoch eher im Kleinen. Dank erschwinglicher Musikbearbeitungsprogramme, Drumcomputer und dem erneuten Run auf Schallplatten, entdecken Musikliebhaber das Sampeln für sich.

Sampeln erfordert Geduld

Wie Stefan Wilczynski. Neben dem Hip-Hop aus den 1990er Jahren lernte er auch andere Musikgenres für sich kennen – so zum Beispiel Jazz aus den 1970ern oder psychodelischer Krautrock. Das Produzieren von Hip-Hop-Beats fasziniert ihn. Erste Gehversuche unternahm der Acherner vor zehn Jahren mit einer MPC, einem elektronischen Tasteninstrument, mit diesem sich mehrere Klangschnipsel und Elemente von Schlaginstrumenten kombinieren lassen – zu einem völlig neuen Stück. „Am Anfang war ich nicht zufrieden“, gibt er zu. Das Sampeln erfordere Geduld und ständiges Üben. Dann wurden seine Beats nach eigener Aussage immer besser. Es folgten Remixe von Beats für andere Künstler und 2014 seine erste eigene Platte „Zwischen Küche und Couch“. Das Label VinDig wurde auf Stefan Wilczynski aufmerksam. Es hat sich darauf spezialisiert, Beatmaker einem größeren Publikum bekannt zu machen. Mit Erfolg: Wilcynskis vergangenes Album „Me, Myself And I“ erschien im Mai 2018 analog auf Vinyl und digital über Plattformen wie Spotify – und hatte dort mehr als 900.000 Klicks.

Musik verbindet über Grenzen

Vor fünf Jahren entdeckte er das Album „The Revolution Was Not Televised“ von Kayo aus Straßburg. „Seine Beats haben mir sofort gefallen“, erzählt der Acherner Beatmaker. Stefan Wilczynski kontaktierte Kayo und bastelte für ihn einen Remix eines Tracks. Der Straßburger war von dem Talent des Acherner Künstlers überzeugt. Auch stellten beide fest, dass ihr Musikgeschmack sehr ähnlich ist. „Denn Musik verbindet über Grenzen und kennt keine Sprachbarrieren“, betont Wilczynski.

Album erscheint am 12. Oktober

Mit „Duality“ erscheint am 12. Oktober ihr erstes gemeinsames Werk, jeder Künstler steuerte sechs Tracks bei. „Das war Kayos Idee, er hatte mich gefragt, ob wir dieses Projekt machen“, so Wilczynski. Das Besondere: Beide Beatmaker haben sich eine einzige Jazzplatte ausgesucht und sich drauf geeinigt, dieselben Klangschnipsel von dieser LP neu zu verarbeiten – jeder auf seine Weise. Um welche Jazzplatte es sich handelt, verraten die beiden Beatmaker nicht – „Künstlergeheimnis“, betonen sie mit einem Augenzwinkern. „Bis auf wenige Ausnahmen klingen die sechs Stücke von jedem deutlich unterschiedlich“, stellt Kayo fest. Die unterschiedliche Klangkultur sei hörbar – und so gewollt. Auch das verdeutliche der Name des Albums – „Duality“, unterstreicht Kayo. Zugleich bedauert er, dass es in der Beatmaking-Szene am Oberrhein bislang kaum eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit gebe. Für das Schallplatten-Cover kontaktierten beide via Internet eine Designerin aus Portugal. „Die Illustration erinnert mich an eine Krautrock-Platte aus den 70ern“, schmunzelt Wilczynski. Er und Kayo sind mit dem Gesamtergebnis zufrieden.