Im Dialog: Stefan Martin, Ingenieur im Regierungspräsidium Freiburg (Mitte), diskutiert mit Rheinauer Bürgern. | Foto: Christian Schäfer

Polder bei Rheinau

Behörde beginnt mit konkreten Planungen

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Zahlreiche Fragen, erste konkrete Ideen: Mehr als 100 Rheinauer und Kehler Bürger informierten sich bei einer Veranstaltung über den künftigen Hochwasserrückhalteraum Freistett/Rheinau/Kehl. An sieben Ständen diskutierten Planer und Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) am Donnerstagabend in der Freistetter Stadthalle über das Großprojekt für das Integrierte Rheinprogramm.

Polder: Maximale Flutungshöhe bei 2,50 Meter

Wie berichtet, plant das RP zwischen Kehl-Auenheim und dem Petersee bei Freistett innerhalb der bestehenden Tulladämme ein Hochwasserrückhalteraum, der neun Millionen Kubikmeter Wasser fassen soll. Das Ziel ist eine Renaturierung der Auenlandschaft sowie ein verbesserter Hochwasserschutz nördlich von Iffezheim. Das Planfeststellungsverfahren peilt die Behörde für 2020 an, im Jahr 2028 könnten die Baumaßnahmen abgeschlossen sein, so eine erste Prognose des Referatsleiters im RP, Harald Klumpp.
„Eingriffe und Einschränkungen müssen so gering wie möglich ausfallen“, betonte Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche. Es dürfen auf keinen Fall zusätzliche Gefahren für die Bürger entstehen. Bei geringstem Ansatz werde sich die Gemeinde mit allen Mitteln wehren, gab sich der Bürgermeister kämpferisch. Klumpp und seine Kollegen beschwichtigen in Gesprächen mit den Bürgern: Die maximale Flutungshöhe werde an den geplanten Querdämmen, die die einzelnen Teilräume des Polders abtrennen, nicht höher als 2,50 Meter sein.

Überflutungsfläche umfasst sechs Teilbereiche

Vorgesehen ist, dass die alten Tulladämme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ertüchtigt und Dammverteidigungswege angelegt werden. Zusätzliche Querdämme schließen vorhandene Lücken der alten Dämme: Bäche aus dem Hinterland fließen künftig über Einlassbauwerke in den Polder. Im Straßendamm der L87 ist bei Freistett ein Auslassbauwerk vorgesehen. Das Wasser fließt dann über den Petersee und den Altrheinzug bei Helmlingen in den Rhein. Innerhalb des Rückhalteraumes sind sechs Stauriegel geplant, die den Wasserfluss zwischen den einzelnen Teilbereichen regulieren. Bei der mittleren Lösung reduziert sich das Vorhaben auf vier Teilbereiche. Das Einlassbauwerk würde sich dann nördlich des Honauer Tanklagers befinden. Letzteres könnte, so Klumpp, ausreichend geschützt werden, dies haben Untersuchungen ergeben. Um steigendem Grundwasser in Ortschaften wie Honau und Diersheim entgegen zu wirken, ist ein Regulierungssystem aus Pumpen, Gräben und Teiche wie im Kehler Ortsteil Marlen eine Option.


Ökologische Flutungen sollen Wild trainieren

Weitere Anlieger fragten, wie oft die EDF-Straße, eine Ausweichstrecke für den Schwerlastverkehr entlang des Rheins zwischen Freistett und Auenheim, überflutet wird. „Bei einer Flutung bei Hochwasser, was statistisch nur alle zehn Jahre der Fall sein könnte, wäre diese Straße unterbrochen“, räumte Stefan Martin im Gespräch mit Anliegern ein. Der RP-Mitarbeiter stellte klar, dass dies bei niedrigeren ökologischen Flutungen jedoch nicht der Fall sei. Diese seien notwendig, damit sich die Vegetation an Flutungen gewöhnen könnte, und Wildtiere Fluchtkorridore entdecken. Wann und wie oft diese Flutungen im Jahr stattfinden, sei unterschiedlich. Sie erfolgen nur, wenn mit 1.550 Kubikmeter pro Sekunde weiterhin genügend Wasserdurchfluss für die Kraftwerksturbinen bei Gambsheim vorhanden ist.

Sorgen bei Rheinauer Landwirten

Sorgenfalten auch bei einigen Rheinauer Landwirten, die Felder in und an der Überflutungsfläche bestellen: Sie befürchten einen steigenden Grundwasserspiegel, was den Wurzeln der Pflanzen schaden könnte. Das Land komme für Schäden auf, beruhigte Klumpp.
Ideen gibt es bereits für die Rheinauer Kieswerke im geplanten Rückhalteraum: „Das Werk im Polder Altenheim hat eine automatische Stromabschaltanlage, wenn es überflutet wird“, erklärt Klumpp. So könnten auch in den Rheinauer Werken Schäden vermieden werden. Die Erfahrungen in Altenheim seien bislang positiv.

Weitere Themenabende vorgesehen

Auch Freizeitanlagen wie zum Beispiel der Badesee Honau, das Vereinsheim des dortigen Segelclubs, sowie die Rheinwärterhäuser bleiben bestehen. „Hier gilt es, Lösungen zu suchen, zum Beispiel durch das Abdichten der Kellerräume“, meint Klumpp. Wie konkret diese Lösungen im Einzelfall aussehen, könne er noch nicht prognostizieren. „Wir sind erst am Anfang der Planung“, stellt der Referatsleiter klar und verspricht, die offenen Fragen als Anregungen in die Planungen aufnehmen. Das RP will bis zum Planfeststellungsverfahren weitere Themenabende in den Ortschaften und einen zusätzlichen Infomarkt veranstalten.