Klärungsbedarf: Deutsche und französische Behördenvertreter informierten am Donnerstagabend in Gambsheim mehr als 500 Besucher über die Sperrung. | Foto: Christian Schäfer

Übergang Gambsheim/Freistett

Behörden empfehlen Fahrgemeinschaften

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Schwere Zeiten für Grenzgänger und Einzelhändler in der nördlichen Ortenau ab kommenden Juni: Die Sanierung der Brückenbauwerke der Staustufe Gambsheim und eine damit verbundene dreimonatige Vollsperrung einer wichtigen deutsch-französischen Verkehrsader ist unausweichlich. Das war den meisten der gut 500 Besucher der Informationsveranstaltung in der voll besetzten Gambsheimer Ecrhin-Halle am Donnerstagabend bewusst. Doch die daraus resultierenden Konsequenzen werfen Fragen auf.

Keine Ersatzbrücke für Autofahrer

Während der Vollsperrung im kommenden Sommer ist lediglich eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer möglich. Zusätzliche Fähren oder Ersatzbrücken für Autofahrer scheiden aus. Das französische Wasser- und Schifffahrtsamt stellt hohe Auflagen. Aus Sicherheitsgründen, da insbesondere Gefahrgutschiffe mit einem möglichen Ersatzbauwerk kollidieren könnten. Auch fehle schlichtweg das Geld und die Zeit für ein Genehmigungsverfahren. „Denn die internationale Rheinkommission hat das letzte Wort, die Schifffahrt hat oberste Priorität“, betonte Eric Friedrich, Bauprojektleiter im Département Bas-Rhin.

Lediglich Provisorium für Fußgänger und Radfahrer

Seine Kollegin, Départementsrätin Christiane Wolfhugel beteuerte, dass die Départementsverwaltung sämtliche Anregungen von Seiten der Bevölkerung nach einer Onlineumfrage ausgewertet habe. „Sämtliche Untersuchungen haben belegt, dass für die Zeit der Vollsperrung nur ein Provisorium für Fußgänger und Radfahrer möglich ist“, bedauert Wolfhugel. Neun Meter über den Schleusenkammern wird die Ersatzbrücke aufgestellt, die Treppenaufgänge werden mit Schienen für Radfahrer ausgestattet sein, ein Sichtschutz soll etwaige Touristen von Blicken auf die Baustelle und Wehranlage abhalten.

Publikum über Anzahl der Radständer amüsiert

Schallendes Gelächter im Saal Friedrich lediglich 40 zusätzliche Fahrradständer auf französischer Seite in Aussicht stellte. Bei Bedarf kämen weitere hinzu, ergänzte er. Seine Empfehlung an die Pendler, insbesondere außerhalb von Gambsheim: die Bildung von Fahrgemeinschaften. So stellt sich in der Online-Befragung heraus, dass einige Grenzgänger im selben elsässischen Ort wohnen und zur gleichen Zeit am gleichen deutschen Ort arbeiten – und dennoch jeder mit seinem eigenen Auto fährt.

Skepsis über vorgesehene Parkplätze

Das Gros der Pendler, die an der Befragung teilnahmen, wollen über Iffezheim ausweichen oder sind noch unentschlossen, ein nicht unerheblicher Anteil will zudem die provisorische Radwegbrücke nutzen. Die meisten von ihnen arbeiten in Rheinau, gefolgt von Achern, Kehl und Bühl. Raunen im Publikum ob der Skepsis, dass folgende zusätzlichen Parkplätze ausreichen werden: 170 Stellplätze sind 300 Meter südlich der Schleuse vorgesehen, 600 Meter im Westen 50 weitere. Auf der deutschen Seite, so drang es durch, planen Unternehmen und Einzelhändler die Einrichtung von Shuttle-Bussen für Arbeitnehmer und Kunden.

Szenario, das wir unbedingt vermeiden wollen

Die französischen Behördenvertreter stellten klar, dass eine spätere Sanierung zwei Jahre dauern würde. Dies hätte eine komplette Sperrung des Übergangs für den Schwerlastverkehr zur Folge. Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche ergänzte in Hinblick auf den grenzüberschreitenden Warenaustausch: „Ein Szenario, das wir unbedingt vermeiden wollen.“

Weitere Infoveranstaltung der IHK Südbaden

Weitere Details eines Shuttle-Service auf deutscher Seite werden Unternehmen und Einzelhändler bei einer Veranstaltung der IHK Südbaden am Montag, 15. Januar, bei WeberHaus in Linx besprechen. Der Termin beginnt um 15.30 Uhr.

Sanierung in mehreren Abschnitten

Die Sanierung und der Neubau am Rheinübergang Gambsheim/Freistett folgt in mehreren Abschnitten: Zunächst startet auf der deutschen Seite der Bau der Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die an die nicht sanierungsbedürftige Wehrbrücke angeschlossen wird. Wegen der derzeitigen Hochwasserlage verschiebt sich der Baubeginn, nach Angaben des Regierungspräsidiums, um einige Tage. Dennoch sei man optimistisch, dass die Bauarbeiten auf deutscher Seite bis Anfang Juni 2018 abgeschlossen werden.

Vollsperrung von 4. Juni an

Im Anschluss ist auf französischen Seite von 4. Juni an bis Ende August der Abriss und dann der Neubau der Schleusenbrücken sowie der Brücke über die Zufahrt zum Kraftwerk an der Reihe vorgesehen. Schließlich folgt die Sanierung der Ill-Brücke im Hinterland sowie die Ertüchtigung der Brückendecke. Abschließend werden die Radwege angeschlossen und ein neuer Belag bis zum Anschluss an die A 35 aufgebracht.

Keine Vollsperrung auf deutscher Seite

Auf der deutschen Seite sind nur sporadisch halbseitige Sperrungen und zwei Vollsperrungen vorgesehen, vor allem während des Einbaus und der Andockung der Brückenteile an die Straße. „Die Sperrungen werden nicht zu den Hauptverkehrszeiten erfolgen“, stellt Daniel Guldenschuh-Apelt, Projektleiter im RP, klar. Eine Ampelanlage vor Ort werde händisch geregelt.

Gesamtprojekt kostet 9,9 Millionen Euro

Parallele Arbeiten auf beiden Seiten des Rheinübergangs sind nach Darstellung des RP-Projektleiters nicht möglich, da Rettungskräfte von der deutschen Seite aus jederzeit das Kraftwerk erreichen müssen.
Die Erneuerung des Übergangs auf französischer Seite kostet 9,9 Millionen Euro.

Bei Verzögerung 10.000 Euro Strafe pro Tag

Die Baufirmen haben sich vertraglich verpflichtet, die Sanierung nach drei Monaten zu vollenden. Für jeden zusätzlichen Tag Bauverzögerung werden jeweils 10 000 Euro Strafe fällig.