Streng bewacht wird der Angeklagte auch im Gerichtssaal. Hier ist er mit Dolmetscher Abukar Haji und seinem Verteidiger Joachim Lederle zu sehen. | Foto: fl

Offenburger Mordprozess

Bei den entscheidenden Fragen schweigt der Angeklagte weiter

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Es war die Stunde des Angeklagten. Am dritten Tag des Offenburger Arztmordprozesses brach der Mann sein Schweigen – und gab dem Gericht im selben Atemzug neue Rätsel auf. Alter, Herkunft, ja selbst der Name, das Schwurgericht kann sich inzwischen praktisch aussuchen, welcher Variante es folgen soll. Konnten Kammer und Staatsanwaltschaft bislang davon ausgehen, einen 27 Jahre alten Mann aus Somalia vor sich zu haben, so herrscht nun selbst bei der doch sehr grundlegenden Frage nach der Identität des Angeklagten Konfusion: Er stamme in Wirklichkeit aus Dschibuti, sei 38 und sein Name stimme ebenfalls nicht.

Wieder eine Korrektur

Das Verwirrspiel ist nicht neu. Bereits zum Auftakt hatte der Mann die fünfköpfige Kammer aufgefordert, seinen Namen zu ändern und den Richtern in die Feder diktiert, wie er richtig heiße. Nun also die Korrektur der Korrektur.

Dolmetscher abgelehnt

Auch sonst gibt sich der bislang oft unbeteiligt vor sich hinstarrende Mann alle Mühe, Sand ins Getriebe des nicht ganz einfach zu führenden Prozesses zu streuen: Zunächst hatte er vehement seine beiden Pflichtverteidiger abgelehnt, nun scheint er sich mit einem von ihnen abgefunden zu haben – nicht aber mit dem anderen: „Dieser Mann soll mich in Ruhe lassen.“ Und auch der Dolmetscher hat einen schweren Stand: „Ich habe herausbekommen, dass er viel lügt.“

Wortreich und einsilbig

Es ist ein mühseliges Ringen um jedes Zipfelchen Wahrheit, vor allem aber um das Verstehen, was zu der brutalen Bluttat am 16. August vergangenen Jahres in der Aenne-Burda-Allee geführt hatte. Der Angeklagte hilft dabei nicht. Geht es um Nebensächlichkeiten, beispielsweise um eine handfeste Auseinandersetzung in einer Offenburger Asylbewerberunterkunft wenige Tage vor der Bluttat, ereifert er sich wortreich über die Umstände des vergleichsweise belanglosen Ereignisses, stellt sich immer wieder als das Opfer der Umstände, aber auch böser Machenschaften dar. Doch kommt das Gericht auf den Tod des Arztes zu sprechen, wird er einsilbig: „Ich?“, fragt er Nebenklagevertreter Professor Gerson Trüg, als er auf die Messerstiche in der Praxis angesprochen wird, „Ich war gar nicht da.“

Angeklagter leugnet

Die Tat leugnet er rundweg, einen Schnitt an der Hand, nach Ansicht der Anklage beim Angriff auf den Arzt entstanden, den habe er sich selbst aus Verzweiflung zugefügt. Er sei an jenem Augusttag völlig überraschend von der Polizei festgenommen worden. Mit dem Tod des Arztes habe er nichts zu tun.

Deutliche Hinweise

„Wir haben“, wendet der Vorsitzende Richter Heinz Walter ein, „aber sehr sichere Beweisanzeichen.“ Spuren vom Blut des Arztes auf der Kleidung des Angeklagten beispielsweise, ein Spürhund der Polizei, der die Beamten direkt zu seiner Wohnung geführt habe. Eine Antwort erhält der Richter nicht.

„Stoppen Sie dieses Thema“

Ist der Angeklagte schuldfähig? Diese Frage wird der Dreh- und Angelpunkt des weiteren Verfahrens sein. Er habe „Probleme mit Stadtarbeitern und die Regierung weiß nichts davon“, beklagt er sich auf Nachfrage von Richter Stefan Hofsäß, der den Versuch unternommen hatte, die Vorgeschichte des Asylbewerbers zu erhellen. Auch hier gilt: Am Ende bleiben mehr Fragen als Antworten. Im Internet sei „ein Pfeil gesetzt“, der anzeige, was er tue und denke, sagt der Mann und lässt das Gericht ratlos zurück. Ebenso wie den psychiatrischen Sachverständigen Stephan Bork, dem er schon bei der zaghaften Nachfrage nach seinen Lebensumständen über den Mund fährt: „Stoppen Sie dieses Thema. Das steht alles im Internet.“

Prozess geht weiter

Das Verfahren wird an diesem Mittwoch, 13. Februar, fortgesetzt, die Plädoyers werden am 21. Februar erwartet. Ein Termin der Urteilsverkündung steht noch nicht fest.