Frédérique Weiss kann aufatmen. Die massiven Vorwürfe des Vorstands des Tierschutzvereins Achern gegenüber der ehemaligen Vorsitzenden haben sich als haltlos erwiesen. | Foto: Michaela Gabriel

Mehrere Verfahren eingestellt

Vorwürfe in Acherner Tierschutzverein bestätigen sich nicht

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Von Michaela Gabriel

Die Betrugsvorwürfe gegen Frédérique Weiss als ehemalige Vorsitzende des Tierschutzvereins Achern und Umgebung haben sich nicht bestätigt. „Ihr vorzuwerfen, dass etwas nicht im Sinne des Tierschutzes und ihrer Aufgabe war, ist nicht korrekt“, sagt ihr Anwalt Christian Forcher aus Achern jetzt nach Abschluss mehrerer Ermittlungsverfahren.

Sämtliche Vorwürfe entkräftet

Seine Einsicht in die Unterlagen des Vereins haben ihn zu dem Schluss gebracht: „Frau Weiss hat sich ganz beachtlich für den Tierschutz engagiert und hätte das letzte Hemd für heimatlose Tiere gegeben. Solche Menschen gibt es selten.“ Die Strafanzeige gegen sie habe letztlich nur Geld gekostet, herausgekommen sei gar nichts: „Alle Vorwürfe konnten entkräftet werden.“

Verdacht der Untreue

Die Vorwürfe des neuen Vorstands des Tierschutzverein nach dem Zerwürfnis im Jahr 2015 gingen Frédérique Weiss an die Ehre. Öffentlich war davon die Rede gewesen, sie habe womöglich Geld veruntreut. Wegen des Verdachts der Untreue und des Diebstahls wurde sie im April 2016 bei der Polizei vorgeladen. Schlimmer noch waren die Nachfragen der Leute, auch bei ihrem Mann, der in Achern ein Zahnlabor führte.

Klageerzwingungsverfahren eingeleitet

Auf die Strafanzeige hin, die Mitglieder des Tierschutzvereins gegen die langjährige Vorsitzende des Vereins gestellt hatten, wurde das Ermittlungsverfahren im November 2016 von der Staatsanwaltschaft Baden-Baden eingestellt. Begründung: Es gebe nicht genügend Anlass zur Erhebung einer Anklage. Daraufhin wechselte der Verein das Anwaltsbüro und ließ Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen. Der neue Rechtsbeistand leitete außerdem ein Klageerzwingungsverfahren beim Oberlandesgericht ein.

Weiss verzichtete auf Kilometergeld

Weil gleichzeitig neue Aspekte vorgebracht wurden, sei das Verfahren im April 2017 wieder aufgenommen worden, erläutert Christian Forcher: „Im Juni haben wir gegenüber der Staatsanwaltschaft alle Punkte erläutert und im selben Monat wurde das Verfahren wieder eingestellt.“ Die Vorwürfe betrafen unter anderem ein Auto, das dem Verein geschenkt worden war. Es sei auf einen ehrenamtlichen Mitarbeiter zugelassen worden. Ein Schaden sei dem Verein dadurch nicht entstanden. Frédérique Weiss selbst habe für Fahrten zu Tieren in Not 15 Jahre lang ihr privates Auto genutzt und nie Kilometergeld dafür bekommen – obwohl sie das Recht dazu gehabt hätte, so ihr Anwalt. Anderen Helfern sei Kilometer-Geld ausgezahlt worden – ebenfalls zu Recht.

Kleine Geschenke für ehrenamtliche Helfer

Weil auf Vereinskosten Geschenke gekauft wurden, habe der neue Vorstand ebenfalls großes Unrecht vermutet. Doch die kleinen Aufmerksamkeiten seien für Helfer bestimmt gewesen, die sich unentgeltlich für den Tierschutzverein engagiert hatten. Sei Kleidung angeschafft worden, dann ebenfalls für Helfer, damit sie bei Arbeitseinsätzen ihre eigene Kleidung schonen konnten.

Vereinsvorstand hüllt sich in Schweigen

Gegen die erneute Einstellung des Verfahrens habe der Verein nochmals Beschwerde erhoben, so Rechtsanwalt Forcher. Dieser sei aber nicht abgeholfen worden – auch nicht durch die Generalstaatsanwaltschaft. Dass die Strafverfahren ins Leere liefen, wollte der neue Vereinsvorstand trotz mehrfacher Anfrage nicht kommentieren. „Der Tierschutzverein Achern und Umgebung e.V. gibt in dieser Sache keine Stellungnahme ab“, so die Vorsitzende Gabriele Seifermann.

Arbeit hat mich ein Vermögen gekostet

„Ab 1999 habe ich Fundtiere abgeholt und bei mir zu Hause versorgt. 15 Jahre hatte ich den Vorsitz des Tierschutzvereins Achern und Umgebung. Diese Arbeit hat mich ein Vermögen gekostet“, sagt Frédérique Weiss. Auf rund 20.000 Euro schätzt sie die Kosten für ihr Privatauto und ihre zahlreichen Spenden und Materialeinkäufe in dieser Zeit.

Kleintiere vorschriftsmäßig angemeldet

Hinzu komme, dass die bis 2015 auf dem Gelände des Vereins in der Neulandstraße lebenden Hängebauchschweine und Minischweine sowie andere Kleintiere weiter von ihr und anderen ehemaligen Mitarbeitern unterhalten werden. Sie seien bei den Behörden vorschriftsmäßig angemeldet und nicht „verschwunden“, wie der neue Vorstand damals öffentlich behauptet habe.

Entschuldigung bleibt bislang aus

Als Dank für ihren Einsatz habe man sie und andere ehemalige Vorstandsmitglieder vor Gericht bringen wollen – was sich nun erledigt habe, erklärt Frédérique Weiss weiter. Bisher habe es dafür keine offizielle Entschuldigung gegeben.