Das Internationale Bühler Bluegrass-Festival - im Bild das Finale auf der Bürgerhausbühne im vergangenen Jahr - lockt am 17. und 18. Mai wieder mit einem facettenreichen Programm. | Foto: pr

17. Bluegrass-Festival in Bühl

„Blaues Gras“ wächst nicht nur in Kentucky

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Americana auf deutsch? Dass dies vorzüglich zusammengeht und „blaues Gras“ nicht nur in Kentucky wächst, will das Internationale Bühler Bluegrass-Festival am 17. und 18. Mai unter Beweis stellen. Gleich drei Bands aus Deutschland sind bei dieser 17. Auflage zu erleben, und jede für sich steht laut Auskunft des künstlerischen Festivalleiters Patrick Fuchs für einen individuellen Zugang zu Bluegrass, Old Time, Country und Folk, kurz für jene Musikstile, die unter dem Dach Americana zusammengefasst werden können. Der Themenschwerpunkt liegt dieses Mal auf Deutschland; mit drei Bands aus dem Bluegrass-Mutterland USA und einer Formation aus Kanada wird das seit 2003 jährlich von der Stadt Bühl ausgerichtete Festival aber auch dieses Mal seinem internationalen Anspruch gerecht.

Die Band „Dieselknecht“ aus Dortmund – der Name steht salopp für Traktor oder Lastwagenfahrer – präsentiert in Bühl ihr neues Album „Meteor“ – Americana auf deutsch. | Foto: pr

„Bluegrass unter Hebebühnen“ zum Auftakt

Insgesamt sieben Bands – und damit eine mehr als Vorjahr – stehen im Line-up des zweitägigen Festivals, das jedes Mal zahlreiche Fans aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland in die Zwetschgenstadt lockt.  Zum Festivalauftakt am Freitagabend heißt es wieder „Bluegrass unter Hebebühnen“ in der Werkstatt und auf dem Gelände der Landmaschinen Josef Oechsle GmbH & Co. KG. Diesmal mit dabei sind die „Henhouse Prowlers“. Die Musiker aus Chicago gelten mit Auftritten in mehr als 25 Ländern als wahre Botschafter des Bluegrass. Auf „Weltmusik im Bluegrass-Stil“ können sich die Besucher freuen, kündigt Patrick Fuchs an. Zweite Band am ersten Festivalabend sind die Jungs von „Dieselknecht“ aus Dortmund, die ihr neues Album „Meteor“ vorstellen. Sie vertonen inzwischen überwiegend deutsche Texte. „In bester Bluegrasstradition singen sie Lieder von Liebe, Tod und Teufel – und vom Mofafahren“, heißt es in einer Ankündigung.

Konzerte auf dem Johannesplatz und im Bürgerhaus

Der Festivalsamstag beginnt um 11.30 Uhr mit einem kostenlosen Open-Air-Programm auf dem Johannesplatz. Mit „Bluegrass Breakdown“ aus Berlin wurde eine der ältesten aktiven Bluegrassbands in Deutschland verpflichtet. Die 1982 gegründete Formation hat sich dem Newgrass verschrieben, also der etwas moderneren Form des Bluegrass, hat aber auch den ein oder anderen Rocktitel im Repertoire. Zwischen American Roots Music und Indie-Pop bewegt sich das Kölner Duo „Stereo Naked“, das im Anschluss auf dem Johannesplatz zu erleben ist. Die Singer-Songwriterin Julia Zech (Banjo) und der neuseeländische Kontrabassist Pierce Black sorgen laut Patrick Fuchs seit zwei Jahren für Aufsehen in der europäischen Folk- und Bluegrass-Szene. Beim Bühler Festival wird es um Joon Laukamp (Mandoline, Fiddle) zum Trio erweitert.

Das ist richtig erste Liga

Beide Formationen eröffnen auch ab 17 Uhr das Abendprogramm im Bürgerhaus Neuer Markt, bevor dann drei Bands aus Übersee die Bühne betreten. Die „Lonesome Ace Stringband“ hüllt die Old-Time-Music, den Vorläufer des Bluegrass, in ein modernes Gewand. „Das klingt modern und ist cool“, freut sich Fuchs auf den Auftritt dieser Gruppe aus Kanada. „Und dann geht es richtig ab“, kündigt er einen wilden Ritt durch Bluegrass, Country und Blues an. Mit dem Virtuosenduo Rob Ickes & Trey Hensley (USA) hat Patrick Fuchs den seinen Angaben zufolge derzeit angesagtesten Liveact der Musikmetropole Nashville verpflichtet – „das ist richtig erste Liga“.

Rob Ickes (links) und Trey Hensley gelten derzeit als der angesagteste Liveact in Nashville. | Foto: pr

Rob Ickes wurde bereits 15 Mal zum Dobrospieler des Jahres gekürt („das hat kein anderen bisher geschafft“), sein Duopartner Trey Hensley (Gitarre) startete seine Karriere 2002 als Elfjähriger an der Grand Ole Opry in Nashville. Gleich das erste gemeinsame Album des Duos („Before The Sun Goes Down“) wurde 2016 für einen Grammy in der Kategorie „Best Bluegrass Album“ nominiert.
Eine klassische Bluegrass-Band mit rockigen Einflüssen beschließt dann den Abend: Jeff Scroggins & Colorado (USA). Der ehemalige Rockgitarrist und mehrfache nationale Banjo-Champion Jeff Scroggins und sein Sohn Tristan Scroggins an der Mandoline touren seit Jahren gemeinsam in einer Band – „A Bluegrass Explosion“ verspricht der Veranstalter zum Festivalausklang.

Ein Höhepunkt im kulturellen Jahreskalender

„Das Bluegrass-Festival ist jedes Mal ein Höhepunkt in unserem kulturellen Jahreskalender“, betont Oberbürgermeister Hubert Schnurr und – so ergänzt Bürgermeister Wolfgang –„bringt gute Laune in die Stadt und ist auch immer für Überraschungen gut.“ Rund 1500 Fans aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland kamen im vergangenen Jahr zu dem Festival, und auch bei der jetzt bevorstehenden 17. Auflage erwartet die Stadt ein „volles Haus“.
Festgehalten wird an dem bewährten Konzept, informiert Fachbereichsleiter Klaus Dürk. So habe sich der Auftakt unter dem Motto „Bluegrass unter Hebebühnen“ bei der Firma Landmaschinen Josef Oechsle „zum richtig guten Feierabend-Treff“ entwickelt. Und der zieht vermehrt auch ein jüngeres Publikum und einheimische Fans an, freut sich Geschäftsführer Stefan Oechsle, der zum dritten Mal seine Werkhalle für den Bluegrass öffnet.
„Das Bühler Festival zählt zu den profiliertesten in Europa“, sagt Dürk. Und auch Walter Fuchs, ausgewiesener Country-Experte und Festival-Initiator, der 2016 die künstlerische Leitung seinem Sohn Patrick übergab, hebt den „ganz großen Stellenwert“ des Bühler Meetings hervor, von dem auch die Stadt profitiere. Denn die Hotels seien stets ausgebucht, und Fuchs weiß von Fans etwa aus Dresden oder Berlin, die das Festival zum Anlass nehmen,  ihren Urlaub hier zu verbringen.

Stabil bleiben laut Susanne Schirmann-Drescher vom Kulturbüro die Eintrittspreise. In der bis zu 350 Personen fassenden Oechsle-Werkhalle gibt es neben Stehplätzen nur eine begrenzte Zahl von Sitzgelegenheiten, für das Konzert im Bürgerhaus sind nummerierte Sitzplätze vorgesehen.
Karten-Service:   Telefon (0 72 23) 9 31 67 99. Internet:  www.eventim.de