"Wir sind als Gespann unzertrennlich": Blindenführhund Sam und Hans-Peter Sandhas begleiten Angelika Zimmer auf dem Weg ins Acherner Klinikum.
"Wir sind als Gespann unzertrennlich": Blindenführhund Sam und Hans-Peter Sandhas begleiten Angelika Zimmer auf dem Weg ins Acherner Klinikum. | Foto: Roland Spether

Treuer Begleiter

Blindenführhund Sam ist für Hans-Peter Sandhas unverzichtbar

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Sam ist zwölf Jahre alt. Als „Führhund“ hat der Labrador eine ganz spezielle Aufgabe: Er muss sein erblindetes Herrchen stets sicher über Straßen und Wege führen. Hans-Peter Sandhas aus Lauf fühlt sich sicher mit dem Vierbeiner: „Wir sind als Gespann unzertrennlich“, sagt er.

Hund muss Hindernisse anzeigen

Damit das Zusammenspiel des „Gespanns“ funktioniert, muss der Blindenführhund viele Dinge können, die sehende Menschen unbewusst umsetzen, die aber für Hunde ungewöhnlich sind, beschreibt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband die schwierige Aufgabe, die Sam Tag für Tag zu lösen hat. Der Hund muss abgestellten Fahrrädern, Einkaufstaschen, Blumenkübeln und Passanten ausweichen und Bodenhindernisse wie Treppen oder Absätze anzeigen. Und obendrein darauf achten, dass sich Hans-Peter Sandhas nicht an herabhängenden Markisen stößt.

Sam ersetzt mir die Augen

Der Halter wiederum muss den Bewegungen des Hundes, die er über das Führgeschirr vermittelt bekommt, folgen und dem Hund die notwendigen Hörzeichen geben. Auf solche Hörzeichen muss der Blindenführhund Treppen und Türen, Ampeln, Zebrastreifen und freie Sitzplätze finden, sich aber dem Hörzeichen zum Gehen widersetzen, wenn beispielsweise die zu überquerende Straße nicht frei ist. All das kann Sam, weil er dafür eine ganz spezielle Ausbildung durchlaufen hat. „Sam sorgt dafür, dass ich meinen Alltag allein meistern kann“, sagt Hans-Peter Sandhas, „er ersetzt mir die Augen.“

Tatsächlich müssen Sam und sein erblindetes Herrchen täglich viele Klippen meistern. Zugeparkte Gehwege sind ein besonderes Beispiel für die Gedankenlosigkeit mancher Mitmenschen. Doch es gibt auch Klippen, gegen die ist Sam machtlos. Zum Beispiel wenn es darum geht, anderen den besonderen Status eines Blindenführhunds begreiflich zu machen.

Hunde dürfen nicht mit ins Klinikum

Von einem solchen Beispiel berichtet Sandhas mit Blick auf seinen kürzlichen Besuch mit seiner Lebensgefährtin Angelika Zimmer im Acherner Klinikum: Erst im zweiten Anlauf ließ man ihn mit seinem Hund ins Gebäude. Er durfte dann mit Sam im Foyer warten, bis die Behandlung seiner Partnerin abgeschlossen war. „Ich kann den Hund doch nicht einfach vor dem Krankenhaus anbinden“, sagt Sandhas. Zum einen sei er auf den Hund angewiesen, zum anderen sei das ausgebildete Tier rund 30 000 Euro wert. „Und überhaupt – es geht hier um Inklusion und die gesellschaftliche Teilhabe blinder Menschen.“

Blindenführhunde sind Ausnahme

Das Ortenau Klinikum unterstreicht in einer vom ABB erbetenen Stellungnahme, dass man bei einem Blindenhund eine Ausnahme von dem Grundsatz mache, nach dem das Mitbringen von Tieren ins Klinikum verboten ist.

Diese Tiere, so Sprecher Christian Eggersglüß, unterliegen besonderen Vorgaben der Pflege und des Impfschutzes und erfüllen eine besondere Funktion gegenüber dem Halter. In besonders sensiblen Bereichen wie Behandlungszimmern oder den OP-Bereichen einer Klinik seien jedoch auch diese Tiere nicht zulässig.

Im Übrigen habe man Sandhas lediglich den Zugang zu einem Behandlungszimmer der Zentralen Notaufnahme untersagt. Der Leiter der Zentralen Notaufnahme habe dies laut Eggersglüß ausdrücklich damit begründet, dass sich zum gleichen Zeitpunkt im Bereich der Zentralen Notaufnahme ein immungeschwächter Patient aufhielt.

Davon erfuhr Hans-Peter Sandhas an diesem Tag allerdings nichts: „Hätte man mir das gesagt, hätte ich einen anderen Weg gewählt. Schon im Interesse meiner Gesundheit – und der meines Hundes.“ Schließlich soll ihn sein treuer Sam noch möglichst lange sicher durch den Alltag führen.

Blindenführhunde sind speziell ausgebildete Assistenzhunde, die blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen eine gefahrlose Orientierung sowohl in vertrauter als auch in fremder Umgebung gewährleisten sollen. Blindenführhunde gelten nach dem Sozialgesetzbuch rechtlich als Hilfsmittel – wie etwa Rollatoren oder Hörgeräte.
Der Blindenhund „im Dienst“ ist in Deutschland an seinem weißen Führgeschirr erkennbar. Dieses ist ein Verkehrsschutzzeichen, das alle Verkehrsteilnehmer zu besonderer Rücksicht verpflichtet.
Etwa ein bis zwei Prozent der Blinden in Deutschland besitzen einen Führhund. Gut ausgebildete Blindenhunde ermöglichen ihren Haltern ein hohes Maß an individueller Mobilität, Sicherheit und Unabhängigkeit und stellen dadurch einen entscheidenden Faktor für die gesellschaftliche Teilhabe blinder Menschen dar.
Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums bestehen gegen die Mitnahme eines Blindenführhunds in ein Lebensmittelgeschäft keine hygienerechtlichen Bedenken. Ähnliche Unbedenklichkeitserklärungen liegen vor für Hotels und Gaststätten, öffentliche Gebäude und Einrichtungen, Kirchen, kulturelle und politische Veranstaltungen sowie Arztpraxen und Kliniken (Quellen: Wikipedia sowie Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband).