Ein Borkenkäfer ist in einem Gang zu sehen, den das Insekt in den Stamm einer Fichte gefressen hat.
Der von Waldbesitzern gefürchtete Borkenkäfer profitiert von der Hitze und dem Wassermangel: Der natürliche Abwehrmechanismus der Nadelbäume funktioniert nicht mehr. | Foto: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert/Archiv

Nationalpark Schwarzwald

Borkenkäfer – die Ruhe vor dem Sturm?

Anzeige

Wieso können auch grüne und nach außen gesunde Bäume ein Fall fürs Borkenkäfer-Management des Nationalparks Schwarzwald sein? „Wenn man genau hinschaut, kann man in den vom Käfer befallenen Bäumen schon Holzmehl oder auch Harztropfen erkennen“, erklärt Jörg Ziegler, der Fachbereichsleiter Wald und Naturschutz des Nationalparks. Zwar wird der Borkenkäfer in dem Schutzgebiet, das bekanntlich „eine Spur wilder“ ist, nicht bekämpft. Hier betrachtet man den Borkenkäfer als Teil des natürlichen Kreislaufes, der Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen schafft, indem er den Wald lichter macht. In Wirtschaftswäldern hingegen gilt der Borkenkäfer als Schädling. Daher muss das Nationalpark-Team dafür sorgen, dass er sich nicht in den benachbarten Wäldern ausbreitet. Eine 500 Meter breite „Pufferzone“ wird regelmäßig auf Borkenkäfer-Befall kontrolliert.

Die Hitze bietet dem Borkenkäfer optimale Bedingungen

Bei der Baumkontrolle ist braunes Bohrmehl – vor allem am Stammfuß – ein eindeutiger Hinweis auf Käferbefall. Auch das Auftreten von Harztröpfchen und Harzfluss, charakteristische Fraßbilder unter der Rinde oder helle, rindenfreie Stellen am Stamm, wo der Specht auf seiner Suche nach Käfern die Rinde abgehackt hat, zeigen den Fachleuten: Hier ist der Borkenkäfer zugange. Die Hitze bietet optimale Bedingungen für die Entwicklung, den Ausflug und die starke Vermehrung der Käfer. Denn aufgrund des Wassermangels funktioniert der natürliche Abwehrmechanismus der Nadelbäume – die so genannte Harzbarriere – nicht mehr. Die Borkenkäfer können praktisch ungehindert in die Bäume eindringen, was letztendlich zu deren Absterben führt.

500 Meter breite Pufferzone um den Nationalpark

Allerorten schlagen die Förster Alarm und rufen auch die Privatwaldbesitzer zu vermehrten Kontrollen auf. Für das Nationalpark-Team gehören diese intensiven Sichtungen zum üblichen Geschäft, denn das Vorgehen gegen den Borkenkäfer in der 500 Meter breiten Pufferzone war einer der Haupt-Diskussionspunkte vor der Einrichtung des Parks. Da habe es große Befürchtungen gegeben, gibt Ziegler zu. Genau deshalb sei das umfangreiche Management eingerichtet worden, das bis heute und auch unter Extremwetter sehr gut funktioniere.

Die Pufferzone ist in 44 Claims eingeteilt, jeder jeweils um die 100 Hektar groß. Die einzelnen Claims werden von mindestens zwei Leuten kontrolliert, in der Regel wöchentlich, während der Borkenkäfersaison je nach Witterungsverlauf.

Bei Borkenkäfer-Befall muss alles ganz schnell gehen

Befallene Bäume werden direkt im Tablet markiert und die Daten jeden Abend in die EDV-Anlage des Nationalparks hochgeladen und weiter gegeben. Und dann muss es schnell gehen, denn „zwischen dem Fund eines befallenen Baumes und dem Fällen und Entfernen dürfen höchstens 14 Tage liegen“, erklärt Ziegler.

Wenn die befallenen Bäume mal nicht schnell genug im Sägewerk verarbeitet werden können, wird nicht lange gefackelt, dann gibt es statt dessen Hackschnitzel – Hauptsache, der Käfer hat keine Chance zum Ausfliegen. In einem einzigen befallenen Stamm können sich nämlich mehrere zehntausend Käfer entwickeln, da ein Weibchen bis zu 60 Eier legt.

Aktuell ist bereits die zweite Käfergeneration ausgeflogen, die Entwicklung einer dritten steht zu befürchten. Die Maßnahmen werden durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg begleitet, die Käferüberwachungsfallen und Klima-Messstationen eingerichtet hat. Die Monitoringdaten werden gesammelt und steuern vor allem den Zeitpunkt der Kontrollen.

Fachleute erwarten mehr Borkenkäfer

„2014 haben wir 3 000 Kubikmeter Holz aus der Pufferzone heraus geholt. 2015 waren es dann 1 150, 2016 dann nur 1 000, 2017 dann wieder 2 300 Kubikmeter“, berichtet Ziegler. „Nach den Ergebnissen der letzten Jahre sind die 500 Meter Pufferzone zum Schutz der angrenzenden Wälder vor dem Borkenkäfer ausreichend“, sagt er. Nach den Klimadaten in diesem Jahr seien allerdings mehr Käfer zu erwarten. Und noch sei die Frage sei offen, ob es sich momentan womöglich um eine Art „Ruhe vor dem Sturm“ handelt.

Text: Patricia Klatt

Mehr über das Borkenkäfer-Management erfahren Sie hier.
Hier gibt es zudem Infos von ForstBW