Noch rollt der Verkehr über die Gambsheimer Schleusen. Die dortigen Brücken sind dringend zu sanieren. | Foto: Keiper

Rheinübergang Freistett

Brückensperrung ist „harter Schlag“ für den Handel

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Von Sandra Neuburger

Die von Juni an vorgesehene dreimonatige Vollsperrung der Rheinbrücke am Grenzübergang Freistett bereitet insbesondere dem Rheinauer Einzelhandel große Sorgen.

Deutliche Umsatzeinbußen erwartet

Nicht nur der Getränkehändler Manfred Hetz aus Freistett erwartet aufgrund der Sperrung deutliche Umsatzeinbußen. Achtzig bis neunzig Prozent seiner Kundschaft stamme aus Frankreich, so der Geschäftsmann. Getränkekisten seien schwer und die Kunden auf ihren Kofferraum und somit auf ihr Auto angewiesen. Man könne Getränke nicht für drei bis vier Monate im Voraus kaufen, da hier auch das Mindesthaltbarkeitsdatum eine Rolle spiele. Der Unternehmer befürchtet, dass eine längere Brückensperrung zum Abwandern seiner Kunden zu anderen Märkten führen könnte. „Unerwartete Verzögerungen“ wären für ihn „eine Katastrophe“.

Bei dm derzeit keine Abwanderungssorgen

Auch Carmen Morrone, Gebietsverantwortliche der Drogeriemarkt-Kette dm, rechnet „durchaus mit einem geringeren Umsatz“. Mehr als die Hälfte der Kundschaft der Rheinauer dm-Filiale komme aus Frankreich. Die Sorgen über das Abwandern der Kundschaft teilt sie derzeit jedoch nicht: „Unsere Kunden werden in dem Markt einkaufen, der am besten für sie erreichbar ist.“

Spürbare Auswirkungen auf Erreichbarkeit

Die Unternehmenssprecherinnen der Textilkette Kik und des Lebensmitteldiscounters Aldi Süd äußerten sich ebenfalls zuversichtlich, dass die Kunden nach der Brückenöffnung wieder zum Einkauf in die Rheinauer Filialen zurückkehren werden. Ein Sprecher des Lebensmitteldiscounters Lidl teilt auf Anfrage mit, dass das Unternehmen ebenso mit „etwas weniger Kunden aus Frankreich“ rechne. Und auch bei Aldi Süd geht man bei schätzungsweise bis zu 70 Prozent französischer Kundschaft davon aus, dass die Vollsperrung „spürbare Auswirkungen auf die Erreichbarkeit“ und „so auch auf den Betrieb“ des Standorts in Rheinau haben wird. Timo Hänssel, Juniorchef der gleichnamigen Autowerkstatt in Rheinau, sieht das Problem für seinen Betrieb aufgrund der geplanten Brückensperrung als nicht ganz so schwerwiegend an, obwohl auch er viele Kunden aus Frankreich hat.

Empfehlung, auf andere Filialen auszuweichen

Die Kik-Unternehmenssprecherin rechnet mit „erheblichen Auswirkungen“ auf die Kik-Filiale in Freistett. Je nach Wochentag liege der Anteil der französischen Kunden dort zwischen fünfzig und achtzig Prozent. „Wir rechnen mit zeitlich befristeten, aber starken Umsatzeinbußen.“ Das Unternehmen bietet seinen Kunden an, während der Zeit der Sperrung auf andere Filialen auszuweichen.

Händler prüft Kurzarbeit

Manfred Hetz will seinen Getränkemarkt auf jeden Fall wie bisher 72 Stunden pro Woche geöffnet halten. Seine Kunden sollen nicht vor verschlossenen Türen stehen, falls sie über große Umwege trotz der Brückensperrung zu ihm kommen. Das Thema „Kurzarbeit“ sei bei ihm zudem gerade in der Prüfungsphase, sagt er.

IHK: Auch weitere Gemeinden betroffen

Norbert Uphues, Referent für Verkehr bei der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, sieht in der Brückesperrung besonders für das Gewerbe in Rheinau einen „harten Schlag“. Er ist überzeugt, dass ebenfalls die umliegenden Gemeinden und auch Achern die Auswirkungen spüren werden.
Einstweilen ist bei dm während der Zeit der Brückensanierung eine Renovierung geplant. Dafür soll die Filiale etwa ein bis zwei Wochen lang geschlossen bleiben, so die Gebietsleiterin. In der Hügelsheimer Filiale sollen „die Regalfläche und somit die Stückzahl der Produkte erhöht“ werden. Man will für eine vermehrte Nachfrage gerüstet sein.