Ein noch vertrautes Bild: Der Bühler Fanfarenzug Windeck an der Spitze des Zwetschgenfestumzugs und sein musikalischer Leiter Klaus-Dieter Knopf vorneweg. | Foto: Bernhard Margull

Ein Kind des Zwetschgenfests

Bühler Fanfarenzug feiert 60. Geburtstag

Anzeige

Wenn der Bühler Fanfarenzug Windeck die offizielle Eröffnung des 72. Zwetschgenfests musikalisch begleitet, dann spielt er sich selbst auch ein Geburtstagsständchen: Der Verein feiert sein 60-jähriges Bestehen. Dass er dies beim Zwetschgenfest tut, kann gar nicht anders sein, ist er doch so etwas wie ein Kind des Zwetschgenfests.

Sorgen um den Nachwuchs

Seit dem Jahr 2000 ist Klaus Dürk der Vorsitzende des Vereins. Er kann von einer regen Tätigkeit berichten, im Jahr stünden durchschnittlich an die 15 Auftritte auf dem Programm. Er benennt aber auch das Problem, das die Bühler mit vielen Fanfarenzügen teilen: den Nachwuchsmangel. „Wir suchen permanent junge oder auch erwachsene Musiker, die Interesse an der Fanfarenmusik haben.“ Von den 40 Fanfarenzügen im Verband Südwestdeutscher Fanfarenzüge seien vielleicht drei oder vier noch „eigenständig stabil“. In Bühl sei man mit 25 Bläsern, Trommlern und Fahnenschwingern noch einigermaßen groß genug, und auch die Altersstruktur stimme: Etliche Mitglieder seien zwischen 25 und 35 Jahren alt. Allerdings habe man sich bei machen Auftritten schon mit anderen Fanfarenzügen zusammengetan, sagt der musikalische Leiter Klaus-Dieter Knopf.

Oft unterwegs

Mit ihrer reinen Naturtonmusik, der traditionellen altdeutschen Fanfarenmusik, „touren“ die Bühler nicht nur in heimischen Gefilden. Der Fanfarenzug war zur Stelle, als die Städtepartnerschaften in Vilafranca und Villefranche geschlossen wurden, er hat Auftritte in Frankreich und der Schweiz und ist so zu einem Botschafter der Stadt geworden. Eine besondere Freundschaft, berichtet Dürk, verbindet den Verein mit der Landsknechtgruppe „Zeh“ aus dem fränkischen Altdorf. Alle drei Jahre, das nächste Mal 2021, finden dort die Wallenstein-Festspiele statt, und für den Bühler Fanfarenzug ist der Auftritt bei der Aufführung von Schillers Drama längst ein fixer Termin; seit den 80er Jahren sind die beiden Vereine befreundet.
Jetzt kommen die Altdorfer wieder nach Bühl. Neben dem Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr Teningen und den Gastgebern treten am Samstag ab 19 Uhr im Stadtgarten auch die Landsknechte in einem von Pit Hirn unter dem Motto „Klingende Fanfaren“ moderierten Konzert auf. Es ist eine Jubiläumsfeier – und ein Abschiedskonzert: Klaus-Dieter Knopf verabschiedet sich in den musikalischen Ruhestand, ebenso seine Frau Rosel Majewski-Knopf.

Eine Legende hört auf

Knopf ist nicht nur seit mehr als 40 Jahren der musikalische Leiter, sondern auch das letzte noch aktive Gründungsmitglied – er ist eine lebende Fanfarenlegende. 17 Jahre alt war er, als die Vereinsgeschichte begonnen hat. Beim Rückblick schmunzelt er: „Wir hatten keine Ahnung von Fanfarenmusik, aber die Begeisterung war groß.“ Nach Wolfgang Renschler ist Knopf erst der zweite musikalische Leiter (in den Proben übernahm die Aufgabe einst für kurze Zeit auch Alois Pfetzer aus Altschweier, der aber bei Auftritten nicht dabei war). Großes musikalisches Talent brachte er mit, Knopf hatte das Klavierspiel erlernt und ist auch ein Meister auf der Handorgel, die Leitung eines Fanfarenzugs aber habe er sich selbst beigebracht und auch manchen Marsch geschrieben oder bearbeitet. Zu den absoluten Höhepunkten der Vereinsgeschichte zählt er die Frankreich-Fahrten in den 70er Jahren, wo eine große Begeisterung geherrscht habe: „In Orléans standen 70 000 Zuschauer beim Umzug.“ Zwei bis drei Mal sei man pro Jahr im Nachbarland aufgetreten. Seinen Abschied habe er ganz bewusst auf das 60-Jährige gelegt. Der Nachfolger Philipp Schwan kommt aus den eigenen Reihen und ist auch in der Hexenmusik aktiv. Einige Male habe er Knopf auch schon vertreten. So ganz geht Knopf „seinem“ Fanfarenzug aber nicht verloren: „Wenn Not am Mann ist, springe ich natürlich ein.“ Und zum runden Geburtstag wünscht er dem Fanfarenzug mit dem Blick auf die Nachwuchssorgen, „dass er erhalten bleibt“.