Immer öfter gefordert ist die Bühler Feuerwehr. Die klassische Brandbekämpfung ist aber nur ein Teil ihrer Arbeit. | Foto: Bernhard Margull

Kommandant informiert Rat

Bühler Feuerwehr immer stärker gefordert

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Die Einsatzzahlen steigen seit Jahren an, und auch 2018 dürfte der Freiwilligen Feuerwehr Bühl einen neuen Höchststand bescheren. Bis zum 16. Oktober wurde sie 243-mal alarmiert, was acht Einsätze mehr als im Vorjahr sind. Doch es ist nicht allein die nackte Zahl, die Probleme bereitet, es ist auch die Qualität der Einsätze, wie Stadtbrandmeister Günter Dußmann im Bühler Gemeinderat ausführte. Es gebe eine solche Vielzahl neuer Aufgaben und Herausforderungen, dass sich die Frage stelle, ob die freiwillige Feuerwehr (mitnichten nur in Bühl) ein Auslaufmodell oder eine zukunftsfähige Einrichtung ist.

Jede Woche eine Türöffnung

In seinem aktuellen Bericht benannte Dußmann einige Probleme, etwa den Personalrückgang in der Tagesbereitschaft, der seine Gründe in einem veränderten Freizeitverhalten, neuen Schichtmodellen und erhöhten Anforderungen am Arbeitsplatz habe. Gleichzeitig gebe es neue Aufgaben: „Jede Woche haben wir mindestens eine Türöffnung“, sagte der Feuerwehrkommandant, dessen 269 Aktiven als Tragehilfe oder mit der Drehleiter den Rettungsdienst unterstützen. Spezielle Herausforderungen bringe die E-Mobilität mit sich, es bedürfe spezieller Kenntnisse etwa bei einem Akkubrand. Und dann gibt es noch vermehrte „Notrufe“ wegen Dingen, „die eigentlich nicht unser Geschäft sind. Die Leute wissen sich manchmal nicht mehr zu helfen und rufen halt die 112 an“.

Industrie bereitet Sorgen

Sorgen bereitet der Feuerwehr die Entwicklung der Industriebetriebe. So gibt es bei Bosch zwar eine Werkfeuerwehr, bei den Außenwerken ist nachts aber die Freiwillige Feuerwehr gefordert, was entsprechend mehr Objektwissen erforderlich mache. Schaeffler wiederum unterhält keine Werkfeuerwehr. Dort haben es die Bühler Feuerwehrleute mit einer Vielzahl von Gefahrenstoffen zu, mit neuen Verfahren und Technologien mit erhöhtem Gefahrenpotenzial. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen sei aber hervorragend, sagte Dußmann, es gebe monatliche Übungsabende auf dem Werksgelände und eine Gesprächsrunde. Gleichwohl sprach Dußmann von mancher schlaflosen Nacht, die ihm die Industriebetriebe bescherten, zumal Bosch und Schaeffler bei weitem nicht die einzigen Betriebe sind. Insgesamt seien mehr als 50 Objekte mit Brandmeldeanlagen zu betreuen. Dazu kommen Einsätze beim Straßen- und Bahnverkehr; die Feuerwehr ist im Katastrophenfall und Bevölkerungsschutz gefragt. Und sie ist präventiv tätig, bildet Brandschutzhelfer aus, schult im Umgang mit Feuerlöschern, stellt einen Brandschutzbeauftragten für städtische Gebäude, berät Bauherren und Architekten und arbeitet bei der Stadtplanung mit.

Verantwortung stark gestiegen

Die Verantwortung sei stark gestiegen, weshalb es mehr Fachwissen und damit eine erhöhte Übungstätigkeit brauche und höhere Anforderungen in der Ausbildung gebe. Für Dußmann stellt sich die Frage: „Können ehrenamtliche Feuerwehrangehörige die Verantwortung tragen?“ Er hält die Freiwillige Feuerwehr in Bühl auch künftig für unverzichtbar. Aber es bedürfe einiger Maßnahmen. Beispiele seien die Erhöhung des hauptamtlichen Personals und die Kooperation mit Großbetrieben. Um die Leistungsfähigkeit und Attraktivität des Feuerwehrdienstes zu erhalten, müssten ebenfalls Lösungen gefunden werden, „und einige Maßnahmen sind zeitnah erforderlich“.

Viel Lob im Gemeinderat

Niemand, der in der Aussprache zum Bericht von Kommandant Dußmann das Wort ergriff, vergaß den Dank und das Lob für die engagierte und ehrenamtliche Arbeit der Bühler Freiwilligen Feuerwehr. Das verbanden die Gemeinderatsfraktionen durch die Bank mit der Zusicherung, auch künftig für die Wünsche der Feuerwehr ein offenes Ohr zu haben. Einstimmig beschlossen sie in der gleichen Sitzung die Beschaffung eines Mannschaftstransportwagens für den Ausrückebereich Bühl-West. Das Fahrzeug wird von einer Firma aus Oberderdingen-Flehingen geliefert und kostet rund 55 000 Euro; das Land schießt 13 000 Euro zu.

Günter Dußmann berichtete über die Perspektiven der Feuerwehr. Foto: Lienhard

„Im Brandfall löschen“

Zu Dußmanns Bericht gab es auch einige Detailfragen. So fragte Peter Hirn (SPD) nach einer gesetzlichen Pflicht für Werkfeuerwehren; die gebe es nicht, antwortete Dußmann. Mit Blick auf Schaeffler sprach er von einem Geben und Nehmen: „Wir profitieren auch. Wenn wir tagsüber ausrücken, kommt ein Drittel der Kameraden von Schaeffler.“ Margret Burget-Behm (CDU) erkannte in der zunehmenden Zahl von Türöffnungen auch ein soziales Problem, das auf anderen Ebenen thematisiert werden sollte. Bei den Kooperationen mit den Betrieben verwies sie auf Schadstoffe und Chemikalien; es müsse bei speziellen Anlagen doch Gefahrenblätter geben. Die seien nicht immer hilfreich, entgegnete Dußmann: „Da steht dann: ,Im Brandfall löschen‘.“ Die Zusammenarbeit mit den Betrieben laufe hervorragend, aber es sei doch sehr fraglich, ob man von einem freiwilligen Feuerwehrmann ein solch umfangreiches Wissen verlangen könne. Johannes van Daalen (CDU) regte an, über eine Erhöhung der Aufwandpauschale nachzudenken. Bürgermeister Wolfgang Jokerst berichtete von einer Arbeitsgemeinschaft, die sich wenigen Jahren regelmäßig berate, was die Stadt tun könne, um die „unverzichtbare Freiwillige Feuerwehr“ zu unterstützen.
Lutz Jäckel (FDP) freute sich über die deutliche Zunahme bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr (deren Mitgliederzahl stieg innerhalb eines Jahres um ein Drittel auf rund 200): „Das zeigt, welchen Stellenwert die Feuerwehr hat.“

Starke Zunahme beim Nachwuchs

Karl Ehinger (FW) fürchtete, dass die jetzt schon hohe Zahl an Lehrgängen, die in der Freizeit zu absolvieren seien, noch zunehme. Dußmann hatte von immer mehr vorgeschriebenen Lehrgängen berichtet, für etliche davon stellt die Bühler Wehr auch eigene Ausbilder. Auf die wiederholt gemachte Aussage, etwas zu tun, um neue Feuerwehrleute zu gewinnen, sagte Dußmann: „Wir machen alles, was wir können. Ich weiß nicht, was wir noch machen können.“ Timo Gretz (SPD) fragte nach der Umstellung von analogem auf digitalem Funk, die schon vor mehr als zehn Jahren begonnen habe. In Bühl werde man im Prinzip ab 2019 digitalfähig sein, dies erfordere aber eine Investition von 200 000 Euro. Thomas Wäldele (GAL) schließlich erkannte bei der Ausstattung der Feuerwehr ein gutes und sinnvolles Vorgehen der Stadt; diese Linie solle weiterverfolgt werden.