EINE BETRIEBSRUHE verordnet Schaeffler am Standort Bühl seinen Mitarbeitern über die Osterfeiertage. Bei Bosch wird die Produktion im Werk gedrosselt und die Mitarbeiter ab 1. April in Kurzarbeit gehen. Foto: Bühler | Foto: A. Bühler

Autozulieferer und Corona

Bühler Großarbeitgeber reagieren auf Coronavirus: Schaeffler und Bosch kuppeln aus

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Die Autohersteller haben wegen Corona die Reißleine gezogen, jetzt reagieren die Großzulieferer Schaeffler und Bosch am Standort Bühl. Die Betriebe fahren die Produktion herunter. Auf Sicht sind Kurzarbeit sowie eine Betriebsruhe über die Osterfeiertage.

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft längst angesteckt: Wie reagieren die beiden Bühler Großarbeitgeber Schaeffler und Bosch? „Wir fahren die Produktion runter und gleichen uns der Schlagzahl unserer Kunden an“, umreißt Matthias Zink, bei Schaeffler Vorstand Automotive in Bühl, die aktuelle Situation.

Dasselbe Bild ergibt sich beim Automobilzulieferer Bosch, der seine Bühler Produktion im weltweiten Verbund ebenfalls herunterfährt und demzufolge mit den entsprechenden Konsequenzen für die Zulieferbetriebe in der Region wie etwa PWO in Oberkirch.

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Über Ostern gibt es Betriebsruhe

„Über Ostern, da hat ein Großteil sowieso frei genommen“, wurde mit der Geschäftsleitung eine Betriebsruhe vom 8. bis 17. April vereinbart“, bestätigt Betriebsratsvorsitzender Volker Robl bei Schaeffler in Bühl. „Am vergangenen Wochenende haben unsere Großkunden wie etwa Daimler und VW einen Stopp der Produktion angekündigt. Deshalb stocken bei uns in der Folge die Aufträge abrupt. In manchen Bereichen bislang zu 80 Prozent, in anderen völlig“, skizziert der Schaeffler-Vorstand die verschärfte Situation.

Die Aufträge stocken abrupt

Wie immer in Zeiten von Abwärtszyklen greifen die Arbeitgeber zur Dämpfung zunächst auf die Zeitarbeitskonten der Mitarbeiter zurück, die in Zeiten von guter Konjunktur im Sinne der atmenden Produktion aufgebaut werden. „Das gibt uns eine gewisse Flexibilität, wenngleich nicht in allen unseren Konzern-Sparten abgebaut wird.

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Auch im Bereich Automotive haben wir hier noch Aufträge, die nach wie vor abgearbeitet werden. Und zudem gibt es auch noch das After-Sale-Geschäft, also die Versorgung der Kunden etwa mit den notwendigen Ersatzteilen“, führt Matthias Zink weiter aus. Der Betriebsrat sei in der Kürze der Entscheidungen der Automobilhersteller recht zeitnah informiert und in den Krisenstab mit einbezogen worden.

Wegen Covid-19 Erinnerungen an die Finanzkrise

Die Reaktionen der Unternehmensführungen erinnern an die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008. „Natürlich sind wir krisenerprobt. Aber damals hatten wir ein rein europäisches Problem. Diese Pandemie hat jedoch eine ganz andere, eine weltweite Dimension“, setzt Vorstand Zink ins Verhältnis.

Für die Zeit bis zur Betriebsruhe über Ostern werden neben den Zeitkonten der rund 5.500 Mitarbeiter auch die sogenannten T-Zug-Tage mit einbezogen, die als tarifliches Zusatzentgelt vereinbart worden waren.

Dafür gab es auch Kritik aus den Reihen der Arbeitnehmer. Ob und wann die Betriebsleitung für die Schaeffler-Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden wird, entscheide sich nach Darstellung von Vorstand Matthias Zink spätestens nach der Oster-Ruhephase: „Wir können im Moment nicht final abschätzen, was da noch alles auf uns zukommt. Wir fahren, wenn Sie so wollen, nun erst mal auf Sicht.“

Bosch führt wegen Coronavirus Kurzarbeit ein

Und wie sieht es quasi in der Nachbarschaft beim Automobilzulieferer Bosch aus? Eine Unternehmenssprecherin erklärte in der Stuttgarter Firmenzentrale auf Anfrage, dass die jeweiligen Maßnahmen in dieser kritischen Lage den jeweiligen Standorten von Bosch angepasst würden.

„Es ist der schnellen Entscheidung der großen Automobilhersteller geschuldet, wenn wir hier und heute noch keine detailgenauen Angaben zu den einzelnen Standorten geben können“, bittet die Unternehmenssprecherin um Verständnis.

Gleichwohl gibt es eindeutige Signale, dass sich für die mehr als 4.200 Bosch-Mitarbeiter in Bühl deutliche Bremsspuren abzeichnen. „Seit heute schränken wir den Betrieb stark ein. Die Mitarbeiter werden dazu zunächst die Zeitkonten nutzen.

Am Standort Bühl wird ab 1. April Kurzarbeit eingeführt. Von dieser Regelung ist ein Großteil der Belegschaft betroffen“, betont eine Sprecherin. Gleichwohl würden ausgewählte Fertigung- und Entwicklungsaktivitäten weiter aufrecht erhalten.